“Das wird noch größer” – Die Rhön-Rock-Macher im Videointerview

“Das wird noch größer” – Die Rhön-Rock-Macher im Videointerview

Das Ding wächst und wächst, und am 15. August ist es endlich wieder so weit. Im beschaulichen Hünfeld-Oberfeld wird eine Wiese zum Hardrock-Acker für ein paar Tausend Freunde der gepflegt-rotzigen Riffs, knallenden Drums und verruchten Stimmen. Die Rede ist natürlich vom Rhön Rock Open Air, das dieses Jahr zum ersten Mal an drei Abenden stattfindet. Nicole, Oli und Günni vom Orga-Team erzählen im Video-Interview von 2018 und davon, wo sie noch hinwollen. Natürlich ist 2019 auch move36 als Partner wieder am Start und wird fleißig knipsen und filmen.


Unsere Videos vom Rhön Rock Open Air 2018 und 2017

Schlaft halt mit Ohropax! Eine Tirade gegen jene Spießbürger, die sich bei jedem Pups beschweren

Schlaft halt mit Ohropax! Eine Tirade gegen jene Spießbürger, die sich bei jedem Pups beschweren

Wer hat es nicht schon mal erlebt? Da feiert man schön mit seinen Besten, sei es auf einer Hausparty oder Open Air – und um Punkt fünf nach 22 Uhr stehen Nachbar oder Polizei auf der Matte, um für Zucht und Ordnung zu sorgen. Nervig! Überall, wo gefeiert wird, ist das immer wieder ein großer Zankapfel. Und gerade in Fulda fehlt es an kulturellen Freiräumen, wo man auch mal länger laut sein kann, wie unsere aktuelle Titelgeschichte (Verschwindet in Fulda die Subkultur?) zeigt.

Ein Tirade von move36-Redakteur Daniel gegen jene Spießbürger, die sich wegen jedem Pups beschweren, gleich mit der Staatsgewalt drohen und freie Entfaltung von Kultur damit behindern. 

Klar, sie haben in Hessen das Recht auf ihrer Seite. Jene, die sich nach 22 Uhr wegen Ruhestörung beschweren. Und es gibt ja auch Lärmbelästigung, bei der das legitim ist: Wenn die WG über deiner Wohnung um vier Uhr morgens unter der Woche Boxen und Verstärker, die locker auch für eine Open Air reichen würden, bis zum Anschlag ausreizt, so dass deine Wände vibrieren. Wenn Kinder, für die Schlaf im Wachstum sehr wichtig ist, zu unmöglichen Zeiten ihrer nächtlichen Ruhe beraubt werden. Keine Frage. Wenn sich sonntags um sechs Uhr morgens vor deiner Erdgeschoss-Wohnung ein Pärchen so penetrant streitet, dass du selbst bei geschlossenem Fenster jedes bekackte Wort verstehst. Oder wenn deine Kumpels – wie bei einem Geburtstag von mir mal geschehen – nachts um vier beide Fenster zur Straße aufreißen, während ein anderer an den Decks laut bassgetränkten Goa auflegt. Die angerückte Polizei sagte, Anwohner von der anderen Straßenseite hätten sich beschwert. Ups, passiert!

Klare Fälle – hier solltest du dich nicht scheuen, höflich um Ruhe zu bitten. Und wenn du nicht gerade auf der anderen Straßenseite wohnst und der Weg kurz ist, ruf doch bitte nicht gleich die Staatsgewalt. Das zeugt nur davon, dass du unfähig bist, mit anderen Menschen Dispute irgendwie erst mal so zu klären.

 

Kauft euch halt Ohropax, ihr wahren Unruhestifter!

 

“So, wenn’s jetzt nicht leiser wird, rufe ich die Polizei”, knallte mir der ehemalige Nachbar meines Bruders als Begrüßung vor den Latz, als ich mal mittags (!) bei ihm etwas lauter, aber nicht penetrant aufgedreht hatte. “Joa”, entgegnete ich nur knapp und haute ihm die Tür wieder vor der Nase zu. Nicht mal ein “Hallo” hat er vorher durch seine Zähne quetschen können. Sozial inkompetenter Blödmann, dachte ich nur. So wie’s in den Wald schallt, schallt’s zurück. Die Ironie dabei: Er ist selbst Musiklehrer, und sein Geklimper haben wir auch immer gehört.

Überall gibt es sie, diese paragraphenreitenden Spießbürger, die um Punkt eine Minute nach 22 Uhr bei der Polizei anrufen, wenn es irgendwo im Umkreis von 200 Metern um ihr Haus nur einen Furz zu laut ist. Wahrscheinlich weil sie selbst keinen Spaß im Leben haben. Dann torpediert man eben den Spaß anderer. An all die wahren Unruhestifter: Wie wäre es mit Ohropax! Schon mal davon gehört? Kann man sich ab und an schon mal zumuten.

 

Wegen des Stadtfestes das Ordnungsamt rufen – geht’s noch?!

 

In Pfordt ist die Gemeinde Schlitz vor einiger Zeit vor einem einzelnen Herren eingeknickt, weil dieser sich Wochenende für Wochenende beschwert hat, dass im Gemeindehaus gefeiert wurde – Geburtstage, Vereinspartys und, und, und. Die Lösung, nachdem das sogar vor Gericht ging: eine mehrere Tausend Euro teure Schallschutzwand vor dem Haus. Really?! Hier stehen die Interessen vieler gegen die eines einzelnen. Hätten man ihm nicht mit ein bisschen Standing höflich, aber bestimmt sagen können: “Es tut uns leid, dass sie das belästigt. Allerdings läuft dort alles im Rahmen, und wir möchten den Feiernden nicht jedes Wochenende ihren Spaß vermiesen. Ihre Nachbarn beschweren sich im Übrigen nicht über die Lautstärke.” Das wäre doch mal ‘ne schneidige Reaktion gewesen.

Nächstes Beispiel: Während unseres move36-Raves am Doll beim Stadtfest haben sich auch mehrmals Leute beschwert, vor allem aus einer Pension. Tagsüber beim Stadtfest! Wo ohnehin überall Trubel und Musik war! Citymanagement, Ordnungsamt, Polizei – alle waren cool und haben gesagt, wir sollen mal schön weitermachen. Es ist Stadtfest. Fertig! Wie kommt man nur auf die Idee, während eines großen Festes tagsüber beim Ordnungsamt anzurufen und sich über die Lautstärke zu beschweren? Mir unbegreiflich. Sie hätten ja auch mitfeiern können.

 

Selbst Senioren vermiesen diese Kleinkarierten die Party

 

Überall, wo gefeiert wird, gibt es Intolerante, die einer Mehrheit den Spaß verderben. Kürzlich wurde in Düsseldorf Senioren eine Disco vermiest: Wegen der Hitze hatten sie ein Fenster geöffnet, Anwohner fühlten sich gestört und riefen das Ordnungsamt, das die Musik runterpegelte. Sind wir nirgends mehr sicher vor diesen Kleinkarierten, die sich wegen jeder Kleinigkeit beschweren? Musik beflügelt doch – warum lassen sie sich stattdessen nicht mal davon anstecken und drehen selbst ihre Mucke auf? Ich bestreite nicht, dass es berechtigte Beschwerden gibt – wenn es zum Beispiel Lärm ist, der Tag für Tag anhält. Aber bei so manchen Meldungen kann man nur den Kopf schütteln.

Auch während der Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum im Umweltzentrum gab es laut der Organisatoren bei den ersten Malen so ein paar Kandidaten, die immer um kurz nach 22 Uhr das Ordnungsamt gerufen haben. Aber die beiden Feuerwerke beim Schützenfest oder morgens um sechs Kirchengeläut sind dann okay?! Überhaupt fehlt es in Fulda an kulturellen Freiräumen, wo Künstler laut sein und sich ausleben können. Das erzählen durch die Bank alle Kulturschaffenden und Szenekundige in der aktuellen Titelgeschichte im Magazin. Beenden möchte ich diese zugegeben zugespitzte Tirade mit Zeilen aus der Kolumne unseres Chefredakteurs Nico Bensing aus der aktuellen move36, in denen er den Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz erklärt und das Dilemma sehr schön auf den Punkt bringt:

“Aufgepasst: Mein Nachbar feiert eine extrem laute und polternde Drecksauparty. Ich sitze in meiner Wohnung, ziehe das Kissen über den Kopf und ertrage alles nur deshalb Zähne knirschend, weil ich weiß, dass er seinen 25. Geburtstag feiert. Das nennt man tolerant. Bedeutet: Ich finde das zwar nicht gut, aber ich haue jetzt auch keinem eine rein oder rufe deswegen die Polizei.

Wenn ich aber auf meinem Zimmer bin und denke “Mensch, die alte Kanaille lässt es ganz schön krachen. Gegönnt sei es ihm!” und dann sogar noch bei dem ein oder anderen Song mit wackele und dem Nachbarn tags darauf zu seiner gelungene Party gratuliere, dann ist das Akzeptanz. Heißt: Ich finde das nicht nur vollkommen in Ordnung, sondern freue mich sogar für ihn. Und das ist doch viel schöner als Toleranz.” 

Mehr zum Thema Subkultur in Fulda

“Fulda hätte ausgerockt”: Djane Verena schlägt einen “Subkultur-Botschafter” vor

Weniger soziale Teilhabe in Fulda? DJ Philipp plädiert für mehr kulturelle Freiräume

Fotos: Genießen unterm Apfelbaum, International Soundclash Crew, Adobe Stock/blende11.photo

Weniger soziale Teilhabe in Fulda? DJ Philipp plädiert für mehr kulturelle Freiräume

Weniger soziale Teilhabe in Fulda? DJ Philipp plädiert für mehr kulturelle Freiräume

Verschwindet in Fulda die Subkultur? Das ist die zentrale Frage unserer Titelstory im aktuellen Magazin, die die move36-Redakteure Sascha und Daniel möglichst vielen Kulturschaffenden und Szenekundigen gestellt haben. Klar ist: Es ist mehr weggebrochen in den vergangenen Jahren als hinzugekommen ist. Um dem entgegen zu wirken, plädiert Verena Schulenberg, Djane und ehrenamtlich aktiv in der L14zwo, beispielsweise für einen “Subkultur-Botschafter” in Fulda, der die Kommunikation zwischen Stadt und Kulturschaffenden vereinfachen könnte. 

Heute bemängelt DJ und Mitbegründer der International Soundclash Crew, Philipp Weidemann (40), dass hier ohne Beziehungen gar nichts laufe und viele einen einfach ignorieren würden, wenn man Kultur schaffen möchte und dafür Unterstützer sucht. Dabei sei es eine absolute Win-win-Situation, subkulturelle Freiräume zu unterstützen, weil das nicht nur Studierende intensiver an die Stadt binde. 

Wie ist es um die Subkultur in Fulda bestellt?

Kurz gesagt: nicht gut. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Initiativen, viele engagieren sich hier ehrenamtlich. Aber was vor allem nach dem Abriss des L14-Areals fehlt, ist ein Ort zur Verwirklichung von unterschiedlichsten Interessen. Viele Musikinitiativen, die ich kenne, finden so gut wie keine Räume mehr. Das ist wirklich unglaublich mühsam. Wenn man dann in der Stadt rumfragt, merkt man schnell, wie schwer der Zugang ist. Es geht ums Geld, und nicht darum, kreativen Freiraum zu unterstützen.

Nicht-profitorientiert zu sein, siehst du also als ein Merkmal von Subkultur?

Genau, hier stehen weniger kapitalistische Verwertungsinteressen im Fokus als vielmehr der eigene kreative Ausdruck. Für mich gehört auch dazu, kulturelle beziehungsweise gesellschaftliche Normen kritisch zu hinterfragen und Gegenentwürfe zu schaffen. Um für uns alle bessere und gerechtere Lebensbedingungen zu erreichen.

Philipp Weidemann (40) ist DJ und Mitbegründer der International Soundclash Crew.

Und wer ist hier nun gefragt, bessere Bedingungen für ein bunteres Kulturangebot zu schaffen?

Ich bin seit 15 Jahren in Fulda. Von Anfang an habe ich die Erfahrung gemacht, dass Fulda ein geschlossener Klüngelkreis ist. Ohne Beziehungen und Lobby geht hier gar nichts, dann ignorieren die Leute dich einfach. Ich sehe nach wie vor die Stadt und vor allem auch Heiko Wingenfeld als OB in der Verantwortung, hier mit ihrer Lobby zu unterstützen. Wenn man sich die ganzen dicken Bauprojekte der letzten Jahre anschaut, sieht man: Es geht doch. Das ist eine Frage der Prioritäten. Doch ich glaube, der CDU-Mehrheit in der Stadt ist sowas wie Subkultur suspekt und auch egal. Wichtiger sind dann Wein- und Bierfeste, Musical-Sommer oder 1275-Jahr-Feiern in Hochglanz-Optik.

Der AStA hat sich ja gegenüber dem OB für mehr kulturelle Angebote für Jugendliche stark gemacht.

Ja, was aber die Stadt trotzdem, glaube ich, noch nicht richtig begriffen hat, ist, dass sie sich vor allem mit dem Ausbau der Hochschule deutlich verjüngt. Für Jüngere gibt es jedoch sehr wenig Angebote. Das führt dazu, dass viele kommen, zum Studium bleiben und dann so schnell wie möglich wieder gehen. Das kann eigentlich nicht im Interesse der Stadt sein.

Und subkulturelle Freiräume könnten dabei helfen, junge Studierende an die Stadt zu binden?

Ja, subkulturelle Freiräume zu unterstützen, ist eine absolute Win-win-Situation. Fulda möchte sich gerne als weltoffene, moderne, internationale Stadt begreifen. Dann wäre es an der Zeit, diesen Anspruch auch wirklich umzusetzen. Subkulturelle Freiräume bieten Menschen die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren, sich und andere damit zu begeistern und miteinander in einen Austausch zu treten. Dies führt nicht nur zu mehr Lebenszufriedenheit, sondern bildet auch einen wichtigen Gegenpol zu rechtsradikalen Strömungen. Auch bedeutet es, sich mehr mit einem Ort zu identifizieren und dort mehr zu verwachsen. Wenn das nicht ernst genommen wird von den Verantwortlichen, bedeutet das für Engagierte mehr Frustration, weniger gesellschaftliche Partizipation und letztendlich auch Destabilisierung unserer demokratischen Gesellschaft.

 

Neue Open-Air-Partys in Fulda: Beim Sunset Feelings gibt’s Rock und Electro

Neue Open-Air-Partys in Fulda: Beim Sunset Feelings gibt’s Rock und Electro

Erst vor ein paar Wochen haben sie durch Zufall noch eine Location für ihr neues Vorhaben gefunden. Marc, Marius und Maximilian sind die drei Köpfe eines 15-köpfigen Team, das dieses Wochenende zwei Open-Air-Partys auf einer Wiese in Petersberg hochzieht – Sunset Feelings Open Air heißt die neue Reihe. 
Vor eineinhalb Monaten musste “alles Schlag auf Schlag gehen”, erzählt Marc Reinke. Der 25-Jährige hat bereits jahrelange Erfahrung im Fuldaer Partyleben. Er ist DJ sowie Veranstalter und hat zum Beispiel beim Schlossklang 2016 eine Lightshow auf die Beine gestellt. In den vergangenen Jahren hat er zusammen mit Maximilian Glisser und Marius Schlott das BigDorfBeatz auf einer gepachteten Wiese bei Melzdorf organisiert. Eher improvisiert und unbürokratisch, wie er erzählt.

Nun wollten sie das Ganze professioneller und größer aufziehen, bekamen aber vor knapp zwei Monaten eine Absage für ihre Ursprungslocation. “Über drei Ecken haben wir dann durch Zufall erfahren, dass der Vater eines Kumpels Vorsitzender beim Verein Ponyfreunde Almendorf in Petersberg ist”, so Marc.

Marc Reinke hat als DJ und Veranstalter bereits jahrelange Erfahrung im Fuldaer Partyleben.

Auf der Wiese des Vereins (im Titelbild zu sehen) können sie nun das Sunset Feeling Open Air zum ersten Mal starten. Am Freitag gibt’s bei der Electronic Edition House, EDM und Hardstyle auf die Ohren, am Samstag bei der Live Edition Rock, Pop und Partycover. Die Planung sei nun ziemlich hektisch gelaufen, “und es ist ein verdammt steiniger Weg, bis man sich selbst organisiert und schließlich auch die Behörden überzeugt hat, dass man weiß, was man macht”, so Marc weiter. Aber nun steht alles, und das Wetter scheint auch super mitzuspielen.
“Fulda hätte ausgerockt”: Djane für kulturelle Freiräume

“Fulda hätte ausgerockt”: Djane für kulturelle Freiräume

Diesen einen Satz, wir hören ihn immer wieder, gerade von jungen Leuten: “Fulda hat zwar viel zu bieten – aber…” Dieses Aber meint vor allem fehlende Subkultur und kaum Entfaltungsmöglichkeiten für die verschiedenen Szenen, es meint das Sterben zahlreicher Locations in den vergangenen Jahren wie Klangkeller, Café Panama oder die Sonne.

Für die aktuelle Sommerausgabe haben die move36-Redakteure Sascha und Daniel möglichst viele Kulturschaffende und Szenekundige gefragt, ob Fulda bald im Einheitsbrei ertrinkt – und: wessen Initiative eigentlich gefragt ist, dass es wieder mehr Nischenkultur gibt? Ein umfassender, streitbarer Blick auf Fuldas Szenen mit so vielen Stimmen, dass du in den kommenden Wochen online bei uns noch mehr Meinungen und Interviews zum Thema liest. 

Verena Schulenberg ist Djane und organisiert die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum mit.

Heute: Verena Schulenberg (43) engagiert sich ehrenamtlich beim Jugendhilfeverein Youropa sowie in der Nähbar und dem Kleidertauschladen in der L14zwo. Zudem ist sie Djane beim Musikkollektiv Zirkeltraining und organisiert die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum im Umweltzentrum (im oberen Bild zu sehen) mit. Um in der Stadt wieder mehr kulturelle Freiräume zu etablieren, hat sie einen interessanten Vorschlag: eine/n “Subkultur-Botschafter/in”

Was verstehst du unter Subkultur?

Subkultur ist für mich eine Kultur jenseits der großen Institutionen oder des großen kommerziellen Erfolges – eine Kultur, die ein urbanes Lebensgefühl weckt und lebt, das Menschen zusammenbringt und so durch Begegnung und Spannung zur Identifikation mit der Heimatstadt beiträgt.

Und wie ist es um die Subkultur in Fulda und Umgebung bestellt? Was geht, und was fehlt?

Generell werden viele Veranstaltungen, die junge Leute ansprechen, die sich Jugendliche und Studenten leisten können, von Privatpersonen und Initiativen organisiert. Diese opfern ihre Freizeit für das Image der Stadt – ohne dieses Engagement hätte Fulda längst “ausgerockt”. Zum Beispiel die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum oder die Partys vom International Soundclash. Es fehlen aber Orte für Soziokultur, wo Musikveranstaltungen und Partys stattfinden können. In Kneipen und Bars kann man schließlich nicht tanzen.

Wer ist vor allem gefragt, hier Initiative zu ergreifen?

Meiner Meinung nach braucht es eine stärkere Vernetzung der Szene, einen Zusammenschluss der Fuldaer Kulturschaffenden, zum Beispiel in einer IG Subkultur (Anm. d. Red. Interessengemeinschaft Subkultur), die in Dialog gehen sollte mit der Stadt Fulda. Nicht nur meckern, sondern machen. Veranstaltungen wie das Genießen unterm Apfelbaum zeigen: Engagement wird von der Stadt unterstützt. Klar, da ist noch viel Luft nach oben. Aber ich bin mir sicher, es finden sich Lösungen, wenn man miteinander spricht. Auch die Studenten der Hochschule, die inzwischen über zehn Prozent der Fuldaer Bevölkerung ausmachen, sind gefragt sich zu engagieren.

Du siehst also auch die Jugend selbst in der Verantwortung, sich Angebote zu schaffen. Was aber kann man an der Stadt kritisieren?

Es braucht einen strukturellen Identitäts- und Imagewandel, der zulässt, dass es mehr soziokulturelle Angebote gibt, der zulässt, dass leerstehende Räume kreativ genutzt werden können. Es gibt in Fulda Kulturorte, die nicht jeden Tag genutzt werden, wie zum Beispiel den Kulturkeller. Diese sollten Bands oder DJ-Kollektive sowie andere Kulturschaffenden gegen geringe Nutzungsgebühren zur Verfügung gestellt werden. Man könnte zudem eine/n „Subkultur-Botschafter/in“ installieren, der/die als Vermittler/in für ein besseres Zusammenspiel von Stadt und Szene sorgt. Hier könnte man eine kontinuierliche Arbeitsgruppe etablieren, die schaut, welche Räume nutzbar sind, oder beispielsweise bei Konflikten mit Anwohnern wegen der Lautstärke Lösungen findet. Sie sollte dafür sorgen, dass die freien Szenen, die Jugendkulturen wieder mehr Platz in der Stadtentwicklung bekommen.

Zum Schluss ein paar offene Worte: Was wünschst du dir für Fulda?

Ich wünsche mir, dass die Stadt versteht, dass zur Lebensqualität und Lebendigkeit einer wachsenden und sich verändernden Stadt auch gehört, dass Künstlerinnen und Künstler jenseits der großen Institutionen oder des großen kommerziellen Erfolges nicht verdrängt werden, dass alternative Klubkultur – fern ab von S-Club und Musikpark – auch ihren Platz bekommt. Dort, wo Stadt oder städtische Beteiligungsgesellschaften Gebiete entwickeln, sollte der freien Szene sowie der Sub- und Jugendkultur wieder systematisch ein angemessener Stellenwert eingeräumt werden, ohne am gleichen Standort Wohnbebauung oder das zigste Hotel in Fulda zu planen. Das kann ich sonst echt nicht ernst nehmen.

Das Cover der aktuellen Ausgabe, Titelthema: Verschwindet in Fulda die Subkultur? 

#81, Magazin, Subkultur, Szene, move36