Hart, geradeheraus und schnell – so der Sound, der am Freitagabend aus der Jugendkulturfabrik scheppert. Von den Doomrockern von Pangea und den Heavy Bluesern von Zoahr.

Außerdem dabei: die Fuldaer Rocker von Junkyard Jesus, die Ende letzten Jahres ihr Debütalbum “Resurrected For a Glorious Fuckup” veröffentlicht haben. Zudem spielen sie im Sommer auf dem Rhön Rock Open Air in Hünfeld-Oberfeld. move36-Redakteur Daniel hat die vier Musiker Heino (41), Norman (35), Al (42) und Maul (40) auf ein Bier und ein paar Kippen in ihrem Proberaum zum Plaudern getroffen. 

Euer Debütalbum „Resurrected For a Glorious Fuckup“ geht ja echt gut vorwärts.

Junkyard Jesus, Jugendkulturfabrik, Interview
Von links: Bassist Al, die Gitarristen Heino und Norman sowie Drumer Maul beim Proben

Maul: Ja, es wird nicht langweilig, du wirst immer mal wieder überrascht. Als wir die Songaufnahmen gemacht haben, dachten wir oft: Okay, das waren jetzt drei Minuten, dann haben wir auf die Uhr geschaut und sehen: Oh, das waren fünf Minuten.

Heino: Ja, wir können keine kurzen Songs machen.

Ihr habt das Ding ja komplett in Eigenregie im Proberaum aufgenommen. Und, war’s viel Stress? Viele Probleme?

Norman: Oh ja, hör mir auf! Dieses Album ist einfach nur eine einzige Geburt aus Blut, Schweiß und Tränen. Wenn du dann beim 20. Take bist, und irgendeiner hat schon wieder das Solo versemmelt, fährt man sich auch mal an. Und wenn du einen gewissen Anspruch an dich hast, ist halt oft immer noch irgendwas nicht gut genug. Oft entstehen dabei aber auch neue Parts, wenn dir beim Aufnehmen noch irgendwas Geiles einfällt.

Al: Wir haben schon ein paar Anläufe gebraucht, insgesamt hat’s über zwei Jahre gedauert, bis die CD fertig war.

In der Jugendkulturfabrik am Freitag spielt ihr dann die komplette Scheibe?

Norman: Ja, wir haben aber auch schon drei neue Songs, zwei davon noch in Bearbeitung. Der fertige geht auf jeden Fall gut ab. Wir wollen generell in Richtung schnelleren Rock.

Seit wann gibt’s euch eigentlich als Band?

Norman: Ende 2015 hat Al den Proberaum für uns klargemacht. Irgendwann haben wir dann angefangen zu jammen und herumzuexperimentieren. Wir haben lange probiert, wo wir musikalisch eigentlich hinwollen. Am Anfang war’s etwas Hardcore-lastig, haben dann aber schnell gemerkt: Das ist nicht das, wo wir hinwollen. Im Endeffekt machen wir jetzt wieder so einen Schweine-Rock’n’Roll, wie wir zum Teil in früheren Bands schon gemacht haben – nur etwas erwachsener. Wir kommen ja aus unterschiedlichen Musikrichtungen: Heino vom Rock’n’Roll, Al vom Death Metal und Maul irgendwie von allem: Hardcore, Metal, Blues und Stoner Rock.

Heino: Aber unsere Schnittmenge ist Rock, harter ehrlicher Rock.

Junkyard Jesus, JugendkulturfabrikUnd worüber singt ihr?

Norman: Tatsächlich sind die Texte ungewollt sehr klischeebehaftet. Es geht um Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Und um die dunkle Seite des Lebens.

Heino: Das ist überhaupt nicht ungewollt (alle lachen)

Im August spielt ihr auch auf dem Rhön Rock Open Air. Ist das die größte Bühne, auf der ihr bisher gespielt habt?

Heino: Für die einzelnen nicht, aber in der Konstellation: ja.

Norman: Und dass wir den Slot am Samstagmittag bekommen haben, ist echt super. Da können wir dankbar sein. Donnerstagmittag um drei wäre zum Beispiel eher uncool.

Mit dem Festival hat sich das Konzertangebot in Sachen Rock im Raum Fulda erweitert. Wie ist denn die Szene direkt in der Stadt so aufgestellt?

Norman: Ich finde, in den vergangenen zehn Jahren kann man in Fulda nicht mehr von irgendeiner wirklichen Subkultur sprechen. Metal ist weg, Punk gibt‘s auch nicht mehr wirklich. Das Panama als schöner, verranzter, alternativer Laden ist weg.

Al: Das geht ja schon damit los, dass es überhaupt keine Location mehr gibt. Es gibt Kulturkeller, Kreuz, Jugendkulturfabrik. Doch es gibt keine Location, wo lokale Bands einfach mal so einen Konzertabend machen können.

Heino: Das gibt’s tatsächlich in jeder Stadt, nur in Fulda nicht. Ein Raum, wo alle Bands mal spielen können und daraus Projekte entstehen.

Abseits des Locationproblems – sind die Bands denn untereinander gut vernetzt?

Norman: Man kennt sich untereinander, aber es ist keine Szene. Es gibt keinen gegenseitigen Support – aber auch keinen Konkurrenzkampf. Es ist einfach nur eine Koexistenz.

Al: Früher, vor 10 bis 15 Jahren, war das Kreuz auch noch eine ganz andere Geschichte, die Musikszene hat sich da in der Kneipe getroffen. Heute dreht sich da kein Rad mehr.

Ja, dass das Café Panama zumachen musste, ist wirklich ein Verlust. Junkyard Jesus, JugendkulturfabrikZu guter Letzt: Steht ein neues Release in den Startlöchern?

Norman: Nee, noch nicht.

Heino: Also, ich sage das jetzt einfach mal: Ich habe irgendwie schon wieder acht Millionen Songs fertig – und würde ganze gerne bis Ende des Jahres eine EP auf den Markt schmeißen.

Al: Aber wir setzen uns da nicht unter Druck und lassen die Sache auf uns zukommen (alle lachen)

Norman: Und mit acht Millionen meint der Heino grundsätzlich eins.

Schönes Schlusswort. Danke euch für eure Zeit und das Bier. Mehr über Junkyard Jesus gibt’s hier im Portrait.

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