Sie sind längst kein Kulturfest mehr nur für Studenten. Die Hochschultage (HST) locken Jung und Alt, Familien und Singles, Studis und Schüler auf den Fuldaer Campus. Seit 35 Jahren wird hier gefeiert, gegessen, diskutiert, zugehört. Dieses Jahr zum ersten Mal an vier Tagen, vom 22. bis 25. Mai. Dass der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hinter alldem steht, ist vielen gar nicht bewusst. Akteure von früher und heute erzählen, warum die HST super für Hochschule, Jugend und Stadt sind.

„Die Hochschultage sind eine wunderbare Kombination aus Bildung, Wissenschaft und Kultur“, sagt Prof. Sascha Skorupka vom Fachbereich Ökotrophologie an der Hochschule Fulda. „Sie sind eine Bereicherung, weil sie die Stadt an die Hochschule holen.“ Der 50-Jährige ist der Head der „Night of Profs“, wo er Mittwochnacht (22. Mai) neben Prof. Marc Birringer und Prof. Michael Huth im Café Chaos auflegt. Zwar traten in den vergangenen Jahren schon immer mal Professoren als DJs auf, „doch dieses Jahr sind wir zum ersten Mal zu dritt, und der Titel ‚Night of Profs‘ ist nun offiziell“, so Skorupka weiter.

Sascha Skorupka, DJ, Hochschultag, Night of Profs

Prof. Sascha Skorupka legt bei den Hochschultage elektronische Musik auf.

Die Studis finden es cool, wenn Professoren auflegen, sagt er. Dass der DJ-Prof früher auf Partys „schon immer der Musikbeauftragte“ war, setzt sich nun also fort. „Birringer und ich sind große Freunde elektronischer Musik, Huth spielt Richtung Indierock. Und weil wir ja auch einen Bildungsauftrag haben, spielen wir nicht einfach Charts rauf und runter. Sondern Titel, die man gehört haben muss“, erklärt er. Von Big Beat über Tech House und Disco bis zu altem Deutschrap decken sie einiges ab. Die Hütte sei bis nachts immer voll, die ganze Atmosphäre auf den HST einfach toll.

„Das Ausmaß des Festivals ist in der Region einmalig“, betont Philipp Winzker, 1. Vorsit- zender des AStA und zuständig für das DJ- Line-up auf den HST. Es biete einen perfekten Knotenpunkt für Hochschule, Jugend und Stadt und verbinde viele Menschen. „Dank der Kooperation des AStAs mit der Hochschule finden die HST dieses Jahr zum ersten Mal an vier Tagen statt“, erzählt Vanessa Berthold, die zwar nicht im AStA ist, aber alles rund um die HST koordiniert. Der Koordinations-Job ist eine bezahlte Stelle, die jedes Jahr neu ausgeschrieben wird.

Nach dem traditionellen Fassanstich von Hochschulpräsident Prof. Karim Khakzar um 17 Uhr am heutigen Mittwoch kannst du am Tag des Wissens natürlich weiter deine grauen Zellen beanspruchen, zum Beispiel beim Antons-Kneipenquiz im Café Chaos oder dem Science Slam in der Halle 8. Außerdem übergibt Khakzar Koordinatorin Vanessa einen großen, grünen Holzschlüssel – als Symbol dafür, dass die Studentenschaft nun die Hochschule übernimmt.

Von Punk über House bis Funk

Natürlich wird heute Abend auch schon gefeiert: Um halb sieben öffnet die Konzertbühne, um acht Uhr die DJ-Bühne. „Studieren besteht eben nicht nur aus Vorlesungen, Lernen und Hausarbeiten schreiben, sondern auch daraus, seinen Campus und die Gremien kennenzulernen“, betont Viktoria Stubbe, Öffentlichkeitsreferentin des AStAs. Die 29-Jährige leitet logischerweise den Arbeitskreis (AK) Öffentlichkeit; sechs AKs gibt’s, die jeweils ein AStA-Mitglied leitet: DJs, Bands, Stände, Kultur, Campus-Gestaltung und Öffentlichkeit. Der Band- und DJ-AK setze sich beispielsweise zusammen, um einen gelungenen Musikmix zu finden, so Viktoria. Von verschiedenen Rock-Stilen über House und Techno bis zu Funk wird wieder einiges geboten. Natürlich freut sich die Studentenvertretung über jede direkte Hilfe, doch auch als Nicht-AStA-Mitglied hast du Einfluss auf das Musikprogramm.

Hochschultage, 2019, Jawmonks

Die Punkband Jawmonks aus Lauf an der Pegnitz spielt am Donnerstag auf den Hochschultagen.

Einige Studenten hätten direkt beim AStA nach der Punkband Jawmonks aus Lauf an der Pegnitz gefragt, die 2018 zum ersten Mal auf den HST war, damals überhaupt erstmalig außerhalb von Bayern gespielt hat. Über eine Freundin, die hier studiert, seien sie auf die HST gekommen, erzählt Drummer Michael. Dieses Jahr spielen sie am Donnerstag, 23. Mai, um 20.15 Uhr. „Das Rahmenprogramm ist einfach geil, die Stimmung super und die Leute cool“, so Michael weiter. „Wir konnten ein paar witzige Aktionen mit dem Publikum machen, und das war auch wirklich einer unserer größten Auftritte.“ Vor zehn Jahren mit Coversongs angefangen, spielen Michael, Gitarrist Stefan und Bassist Leon inzwischen eigene Songs – in Richtung Pop-Punk, wie man ihn von Blink 182, Sum 41 oder Billy Talent kennt. „Leider müssen wir nach unserem Auftritt wieder zurück, weil wir arbeiten müssen“, so die Musiker.

Hochschultage, 2019, Schabernack

Niko und Christoph (rechts) legen am Samstag auf den Hochschultage auf.

Für den elektronischen Part sorgen beispielsweise das Fuldaer Künstler-KollektivZirkeltraining, das am Mittwochabend um 22 Uhr spielt, oder das DJ-Projekt Schabernack Soundsystem von Niko aus Halle an der Saale und Christoph aus Berlin, die am Freitag ab 20 Uhr auflegen. „Wir haben beide unsere eigenen Projekte, spielen aber seit 2013 zusammen auf den HST eine Mischung aus Tech und Deep House sowie Disco und Funk“, erzählt Christoph, der bis vor zwei Jahren hier studiert hat. „Unseren Spaß an der Musik und am Tanzen versuchen wir, durch unsere Sets und Vibes auf die Leute zu übertragen.“ Die HST bringen etwas „Großstadtfeeling ins beschauliche Fulda“ und sind „ein bisschen wie ein Festival“, finden sie. Der AStA mache dabei wirklich eine tolle Arbeit und schaffe den Spagat zwischen Auflagen der Stadt und den Wünschen der Besucher wie auch der Hochschule.

“So macht AStA-Arbeit richtig Spaß

Außerdem freut sich der AStA, dass nach einer längeren Pause das Kulturzentrum Kreuz mit Info- und Getränkestand wie- der am Start ist – sowie DJ Shaggy alias Michael Schwarz, der hier lange nicht mehr an den Decks stand. Shaggy studierte um die Jahrtausendwende Soziale Arbeit in Fulda und organsierte damals schon als AStA-Mitglied die HST mit. „Es hat immer Spaß gemacht, und es ist einfach ein Teil der Hochschule“, erzählt der 2. Vorsitzende vom Kreuz e.V.. „Früher war es nur offener, mit der Zeit sind die Richtlinien strenger geworden. Die Beschwerden der Anwohner gab’s schon immer, wir mussten sie aber nicht so berücksichtigen.“ Dass da ein Kompromiss hermusste, verstehe er aber. Shaggy legt am Donnerstag um 20 Uhr auf. „Es ist immer schön, dass man hier viele Studenten von früher trifft, die es hier in der Region gehalten hat“, freut er sich.

„Abends über das Festivalgelände zu gehen und zu sehen, wie so viele unterschiedliche Menschen ein Erlebnis teilen – darauf freue ich mich besonders“, sagt AStA-Vorsitzender Philipp. „Und auf den Tag, an dem alles vorbei ist“, witzelt er. „Dass der AStA an den Tagen immer wieder ‚Feuerlöscher‘ spielen muss, fällt den meisten ja gar nicht auf“, so Viktoria und fährt fort: „Aber für uns sind das ja quasi vier Tage ohne Schlaf mit viel Stress. Andererseits ist es dann ein Highlight, zu sehen, was wir auf die Beine gestellt haben, das Gemeinschaftsgefühl im AStA-Team und der Stolz sind einfach großartig. So macht AStA-Arbeit einfach richtig Spaß.“

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