Undercover Beer im Interview: “Bier und Musik machen uns aus”

Undercover Beer im Interview: “Bier und Musik machen uns aus”

60 Songs spielen sie in ihrem Programm, alles Akustik-Cover. Der erste eigene ist in Planung. Läuft alles so, wie es sich die beiden vorstellen, hörst du ihn das erste Mal live beim Fuldaer Stadtfest. Denn da treten Felix und Tim – die Jungs von Undercover Beer – als nächstes auf. Felix van Deyk (23) studiert abseits der Musik soziale Arbeit an der Hochschule in Fulda. Tim Müglich (25) ist Anästhesiepfleger im Klinikum Fulda. move36 verraten die zwei, was sie an der Stadt schätzen, und was tierisch nervt. Denn darum soll’s in ihrem ersten eigenen Song gehen.

Wie seid ihr denn auf die Idee für euren Namen gekommen?

Tim: Das ist eher eine unspektakuläre Geschichte. Wir haben zusammen überlegt, aber uns ist nichts eingefallen. Dann haben wir online einen Band-Namen-Generator ausprobiert. Wir haben eingegeben, was zu uns passt, zum Beispiel Bier, Musik machen, Freunde und so weiter. Dann kam der Name raus. Den fanden wir auf Anhieb gut und haben gesagt, jetzt heißen wir Undercover Beer.

Seit wann gibt’s euch offiziell?

Tim: Seit dem 9. Mai 2018.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, musikalisch was zusammen zu machen?

Felix: Wir machen beide schon lange unabhängig voneinander Musik und kennen uns schon ewig. Aus einer Bierlaune heraus haben wir immer wieder mal zusammen Musik gemacht. Irgendwann hat die Altstadt eine Band gesucht, jemand hat uns vorgeschlagen, und wir haben direkt zugesagt. Das kam ganz gut an und dann lief es.

Tim: Das war unser erster offizieller Auftritt am 9. Mai 2018.

Erinnert ihr euch noch gut an den Tag?

Tim: An sich lief alles relativ entspannt ab. Nachdem wir fertig aufgebaut hatten setzten wir uns an die Theke. Felix hat auf den letzten Drücker noch eine Hausarbeit fertig geschrieben, die er an dem Abend abschicken musste, und dann haben wir mit unserem Programm angefangen. Trotzdem waren wir ein wenig nervös. Wir wussten nicht, ob überhaupt viele Leute kommen und es war das erste Mal, dass wir in der Kombination ein komplettes neues Programm spielen. Bis dahin haben wir nur Lieder gespielt, auf die wir gerade Lust hatten.

Felix: Wir wurden zwar alle halbe Stunde angerufen, dass wir leiser machen müssen, und der Chef der Altstadt war selbst gar nicht da. Aber alle, die da waren, hatten einen guten Abend.

Was habt ihr damals gespielt? Hat sich das bis heute geändert?

Felix: Geändert nichts. Es ist nur viel mehr dazugekommen.

Tim: Wir hatten eine Setlist von 20 bis 30 Songs und sind jetzt etwa bei 60. Wir haben uns recht breit aufgestellt. Wir spielen Songs von Elvis, Tenacious D, Foo Fighters, Johnny Cash, Eminem oder auch Rage Against the Machine, alles als Akustik-Version. Da haben wir Bock drauf.

Felix: Das ist auch alles Musik, die wir selbst gerne hören. Sonst würde es auch nicht funktionieren. Wir improvisieren auch viel. Wenn ein Gitarrensolo kommt, was auf der Akustik-Gitarre nicht funktioniert, spiele ich es eben auf dem Kazoo.

Tim: Es ist manchmal auch eine echte Herausforderung, sowas zu nur zweit in Akustik zu machen.

Welche Instrumente spielt ihr?

Tim: Angefangen haben wir mit Akustik-Gitarre und Cajon. Mittlerweile spielt Felix bei einigen Songs auf dem E-Piano und ich habe meine Cajon mit eine Art Miniatur-Drumset erweitert.

Wie seid ihr zur Musik gekommen?

Tim: Die anderen Jungs haben Fußball gespielt, aber ich konnte einfach schon immer mehr mit Musik anfangen. Damit kann ich viel verarbeiten und zum Ausdruck bringen und habe auch einfach Lust drauf.

Felix: Ich wurde in der Grundschule mal zum Keyboard-Unterricht geschickt, weil meine Mutter das für eine gute Idee gehalten hat. Das war auch eine gute Idee.

Habt ihr auch eigene Songs?

Tim: Das ist jetzt geplant. Bisher mussten wir uns erstmal ein Programm erarbeiten, um einen ganzen Abend zu füllen. Jetzt wo das steht, wollen wir uns mit eigenen Songs beschäftigen.

Felix: Coversongs funktionieren einfach. Man hat schnell ein Programm, und die Leute wissen sofort, worum es geht.

Wo hattet ihr schon überall Auftritte?

Tim: Wir haben mal auf einer Hochzeit gespielt. Daraufhin hat uns Shaggy vom Kreuz einen Auftritt in der Kreuz-Kneipe organisiert. Der Auftritt hatte aber eher den Flair von einem Wohnzimmer-Konzert, weil nicht viele Leute da waren. Wir hatten trotzdem unseren Spaß. Während wir gespielt haben, lief im Hintergrund der Blues Brothers Film auf Leinwand. Deswegen haben wir auch das Rawhide Thema mit in unser Repertoire aufgenommen. Danach haben wir eine Kneipentour geplant und in vielen Kneipen angefragt. Dann ging’s los. Angefangen beim McMuellers Brauhaus, haben wir in der Heimat, Hohmanns Brauhaus und dem Take In gespielt. Die bisher nächste Kneipe, mit der ein Termin steht, ist der Stadtwächter in Fulda, da spielen wir im September. Das Weinfest in Künzell werden wir im August musikalisch eröffnen. Daneben spielen wir auf vielen privaten Veranstaltungen: Junggesellenabschiede, Hochzeiten, Geburtstage.

Wo tretet ihr demnächst auf?

Tim: Beim Stadtfest im Museumshof, am 27. Juni. Da treten verschiedene Künstler auf, jeder hat 20 bis 25 Minuten Bühnenzeit. Vielleicht schaffen wir es, dort unseren ersten eigenen Song zu präsentieren. Viele Ideen drehen sich generell um das Leben in Fulda und wie wir auf ironische Art und Weise auf positive und negative Aspekte hinweisen könnten.

Was wäre denn positiv und negativ an Fulda?

Felix: Positiv sind zum Beispiel die vielen coolen Leute oder die schönen Kneipen. Als negativen Punkt halte ich Fulda für sehr katholisch, konservativ, und ich kassiere echt viele Strafzettel. Außerdem gibt es für mich keine wirkliche Musikszene, wodurch es auch echt schade ist, dass es Läden, wie das Café Panama nicht mehr gibt.

Gibt es einen Song, den ihr besonders gern spielt?

Beide: Wenn wir uns auf einen festlegen müssen, dann “Don’t Stop Me Now” von Queen.

Das sind Django 3000: Bayerischer Rock, der sich mit Volksmusik paart

Das sind Django 3000: Bayerischer Rock, der sich mit Volksmusik paart

Es gibt Rock auf die Ohren. Django 3000 sorgen beim Fürstlichen Gartenfest auf Schloss Fasanerie am Samstag für Stimmung. Die Jungs geben ihren Musik-Mix aus bayerischer Mundart, Polka und Balkanrhythmen zum Besten. Los geht’s um 20 Uhr. move36 verlost zusammen mit Schloss Fasanerie zwei Tickets für das Open-Air-Konzert. Zur Einstimmung auf das Event haben wir mit Geiger Florian Starflinger gesprochen.

Was ist deine Rolle bei Django 3000?

Ich habe die Band mit gegründet, war also von Anfang an dabei. Als Geiger mache ich Django 3000 zu dem, was es ist.

Bayerische Mundart, Polka und Balkanrock. Dieser Mix macht Django 3000 aus. Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Das trifft es sehr eindeutig. Wir bedienen uns viel von Volksmusik aus anderen Ländern und machen dann Rock draus. Einen Begriff dafür zu finden, ist schwierig, denn es ist eine wilde Kombination. Letztlich machen wir Rock.

Ihr singt ja bayerische Mundart. Wie viele eurer Fans verstehen eigentlich eure Texte?

Wer nicht in Bayern lebt, muss genauer hinhören. Aber wir sind nicht gemein, denn wir haben auch Texte auf Hochdeutsch. Damit auch die Fans, die nicht aus Bayern sind, was verstehen. Die Musik versteht allerdings jeder. Immerhin spielen wir auch im Ausland. Das Bayerische macht uns authentisch.

Wie kamt ihr auf die Idee, bayerisch zu singen?

Ich würde es nicht als Idee bezeichnen. Das lag auf der Hand. Bayerisch ist unser Dialekt. Die Idee war eher, dass wir uns geöffnet haben und auch auf Hochdeutsch und Englisch singen.

Worüber singt ihr?

Über alles, was uns beschäftigt. Begonnen haben wir mit Partymusik. Bei unseren Konzerten wird getanzt und gefeiert. In unserem 5. Studioalbum sprechen wir aber auch ernstere Themen an, die wir locker verpacken. Vor zwei Jahren sind wir beispielsweise nach Indien gereist, haben dort auch gespielt. Dort merkt man, dass es vielen nicht so gut geht wie uns hierzulande. Solche Eindrücke greifen wir auf. Es gibt politisch genug Stoff, über den man singen kann, um manchen Menschen die Augen zu öffnen. Wir politisieren aber bewusst nicht. Denn schon hinter unserer Musik steckt ein politisches Statement. Wir bedienen uns musikalisch aus vielen Ländern.

Auf welchen Song bist du besonders stolz? Welcher ist dein Favorit?

Das wird oft gefragt. Jeder Song, an dem man lange arbeitet, ist ein eigenes Baby. Daher habe ich keinen richtigen Lieblingssong.

Was können Fuldaer Fans am 18. Mai erwarten? Was hebt euch ab?

Unsere Musik ist Handgemacht, jeder beherrscht sein Instrument sehr gut. Die Leute können sich auf einen unterhaltsamen, fröhlichen, tanzbaren Abend freuen.

Was erwartet ihr euch von Fulda? 

Wir waren schon einige Male in Fulda, haben zum Beispiel mal im Museumshof gespielt. An die Region habe ich keine schlechten Erinnerungen. Ich kann mich noch an ein sehr gutes kroatisches Restaurant in Fulda erinnern. Die Leute hier sind super drauf, da fühlen wir uns sicher wieder wohl. 

“Talk & Walk”: Die Geocaching-Wanderung der jungen Selbsthilfe

“Talk & Walk”: Die Geocaching-Wanderung der jungen Selbsthilfe

Die Selbsthilfe hat Nachwuchsprobleme. Viele Menschen trauen sich nicht, eine Gruppe mit Gleichgesinnten zu besuchen. Sie haben Angst vor Stigmatisierung, oft ein negatives Bild im Kopf. Um dem entgegenzuwirken und gerade auch jungen Menschen zu zeigen, dass Selbsthilfe eine super Sache ist, organisiert der Paritätische Gesamtverband zusammen mit den Landesverbänden eine deutschlandweite Aktionswoche. Unter dem Motto „Wir hilft“ starten vom 18. bis 26. Mai Initiativen. In Fulda bringt dir der „Talk & Walk“ die Selbsthilfe näher.

Was beschäftigt dich gerade? Viel- leicht eine anstehende Klausur, die Angst zu versagen oder Probleme in der Familie? Beim „Talk & Walk“ kommen junge Erwachsene miteinander ins Gespräch, unterstützen sich gegenseitig und erfahren etwas über die Selbsthilfe vor Ort. „Wir planen eine Geocaching-Wanderung in den Fulda-Auen“, erklärt Karoline Engler vom Selbsthilfebüro Osthessen.

Gemeinsam mit anderen jungen Menschen aus der Region erkundest du die Auen auf der Suche nach den versteckten Geocaches. „Dafür stellt uns die Stadt GPS-Geräte zur Verfügung.“ Wer stattdessen lieber sein Smartphone nutzen möchte, kann auch das tun. Karo empfiehlt die Apps „Cgeo“ für Android und „GCTools“ für iOS. Los geht‘s am 18. Mai um 14.15 Uhr beim DRK in der St.-Laurentius-Straße 4. „Wer möchte, kann den Tag um 18 Uhr im Cinestar gemeinsam mit uns aus- klingen lassen.“ Dort kannst du dir die Depressions-Doku „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“ anschauen.

 

Ein Klima der Angst – Warum Lisa in Fulda nicht abtreiben konnte

Ein Klima der Angst – Warum Lisa in Fulda nicht abtreiben konnte

2018 wurden rund 101.000 Schwangerschaften in Deutschland abgebrochen. Seit Jahren bewegen sich die Zahlen von Abtreibungen auf einem ähnlichen Niveau. Gleichzeitig gibt es immer weniger Ärzte, die einen Abbruch vornehmen. In Fulda keinen einzigen. Frauen fühlen sich allein gelassen, in der gesellschaftlichen Diskussion bevormundet. move36 hat mit Ärzten, Kirchen, Lebensschützern, Beratungsstellen und einer jungen Frau, die sich für eine Abtreibung entschieden hat, gesprochen. Warum sind Schwangerschaftsabbrüche in Fulda ein so heikles Thema? Denn unter Befürwortern herrscht ein Klima der Angst.  Lesedauer: circa 14 MinutenLisa (Name von der Redaktion geändert) sitzt in der Praxis ihres Frauenarztes in Fulda. Seit einiger Zeit fühlt sich ihr Körper komisch an, sagt sie. Ein Urintest bringt Klarheit. Die junge Studentin ist schwanger. „Die Arzthelferin hat sich sehr darüber gefreut, aber ich war am Boden zerstört. Ich und ein Kind? Verantwortung für ein Baby ohne feste Beziehung? Wie werden andere reagieren?“ Diese Gedanken gingen der damals 23-Jährigen durch den Kopf. Heute ist Lisa 27, die Schwangerschaft hat sie abgebrochen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind schwierige oder keine Partnerschaften, berufliche und finanzielle Unsicherheiten, gesundheitliche Bedenken oder sich zu jung und unreif zu fühlen häufige Gründe für eine Abtreibung. „Natürlich habe ich anfangs gezweifelt, hatte kleine Traumvorstellungen. Auch deshalb, weil ich mich dazu gedrängt fühlte, die Schwangerschaft auszutragen.“ 

„Ich fühlte mich allein gelassen“

Bild: JKLR/Adobe Stock

Dabei war für Lisa schon eineinhalb Jahre vor ihrer Schwangerschaft klar: „Ich bin nicht bereit für ein Kind.“ Sie hat mit einer Kupferspirale verhütet. „Die hat sich verschoben und daher nicht mehr gewirkt.“ Ihre Entscheidung sieht Lisa heute noch als richtig an. „Ich konnte mein Studium abschließen und bin jetzt Sozialarbeiterin.“ Ihren Entschluss, abzutreiben, hatte sie bereits mit dem positiven Schwangerschaftstest gefasst. Doch so einfach, wie sich Lisa das vorgestellt hat, war es nicht. Denn kein Arzt in Fulda nimmt eine Abtreibung vor. „Ich bin ganz klar davon ausgegangen, dass ich das bei jedem Frauenarzt machen lassen kann. Dass das nicht so ist, hat mich geschockt. Mein Arzt hat mir zu verstehen gegeben, dass ich nach Frankfurt oder Kassel muss“, berichtet die 27-Jährige. Lisa fühlte sich allein gelassen. Warum sie sich nicht von dem Arzt, dem sie vertraut, behandeln lassen konnte, war ihr ein Rätsel. „Dann musste ich mit so einem emotionalen Thema zu jemand völlig Fremden. Mein Arzt sagte mir, er würde wie jeder seiner Kollegen vor Ort ‚gesteinigt‘, wenn er Schwangerschaftsabbrüche anbieten würde.“  Ein Frauenarzt aus Fulda, der aus Angst vor Stigmatisierung anonym bleiben möchte, bestätigt: „Fulda ist ganz stark katholisch-konservativ geprägt. Die konservative Stimmungslage ist so, dass keiner im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen genannt werden will.“ Seiner Meinung nach könne man von Ächtung sprechen. „Man kann fragen, warum die Chefärzte in Fulda in dem Bereich keine Versorgung sicherstellen. Sie sollten es zwar, tun sich aber leicht, auf andere Städte zu verweisen.“ Selbst, wenn klar ist, dass das Kind nach der Geburt nicht lebensfähig ist, führe kein Arzt in Fulda eine Abtreibung durch. „Ich hatte den Fall, dass bei einem Embryo Veränderungen im Hirnbereich vorlagen und er einen offenen Rücken hatte. Die Patientin wurde nicht im Klinikum behandelt. Man verweist dort dann auf die mangelnde Erfahrung.“ Schwangerschaftsabbrüche verstoßen seiner Meinung nach zwar gegen die ärztlichen Prinzipien. „Aber wenn das Kind später nicht lebensfähig ist, halte ich es für ethisch nicht vertretbar, die Schwangerschaft auszutragen. Immerhin birgt jede Schwangerschaft auch ein Risiko für die Frau.“ 

„Macht es den Leuten doch nicht schwerer, als es ohnehin schon ist“

Das Klinikum Fulda wollte sich move36 gegenüber nicht zu der Thematik äußern. Die Pressestelle war über einen Zeitraum von einem Monat zu keiner Zeit telefonisch zu erreichen. Auch mehrere Mails blieben unbeantwortet. Eine Anfrage direkt bei der Frauenklinik wurde abgelehnt. Der Chefarzt bitte um Verständnis, keine Zeit für ein Interview zu haben. Auch das Medizinische Versorgungszentrum Osthessen war nicht für ein Statement bereit.  Lisa musste aufgrund der Situation nach Kassel. Dort hat sie medikamentös abgetrieben. „Gut aufgehoben habe ich mich dort nicht gefühlt. Das war eine regelrechte Abfertigung. Es gab auch keinen großen persönlichen Kontakt zu den Ärzten.“ Für Fuldas evangelischen Jugendpfarrer, Marvin Lange, ist diese Situation eine Zumutung. „Natürlich ist jede Abtreibung eine zu viel. Dennoch ist es merkwürdig, dass Frauen in Fulda nicht abtreiben können. Keine Frau macht es sich leicht, ihr werdendes Kind abzutreiben. Macht es den Leuten doch nicht schwerer, als es ohnehin schon ist. Das ist dreist, besonders weil Frauen, die in Kassel oder Frankfurt leben, die Kliniken vor der Tür haben“, sagt der 40-Jährige. Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben keine einheitliche Lehrmeinung zu Abtreibungen. „Die kann es in ethischen Fragen auch gar nicht geben, denn jeder einzelne evangelische Christ ist allein seinem Gewissen und Gott gegenüber verpflichtet. Ich sage ganz klar, eine befruchtete Eizelle ist zwar menschliches Leben, aber noch keine Person“, erklärt Lange. Daher sei die Kritik von Lebensschützern, die bei Schwangerschaftsabbrüchen von Mord sprechen, unbegründet. 

„Jeder, der willentlich eine Abtreibung herbeiführt, beendet ein Leben“

Bild: JKLR/Adobe Stock

Die katholische Kirche sieht das anders. „Schon die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ist der Ausgangspunkt, ab dem der Mensch entsteht, zu keinem anderen selbst gesetzten Zeitpunkt später“, erklärt Alexander Best, Jugendpfarrer im Bistum Fulda. „Jeder, der willentlich eine Abtreibung herbeiführt, beendet ein Leben. Das verurteilt die katholische Kirche scharf.“ Dass Schwangere in Fulda keine Abtreibung machen lassen können, liege vermutlich daran, dass viele die katholische Position überzeugt annehmen. Er hält das für legitim. „Weil es eine Entscheidung über Leben und Tod ist, finde ich es vertretbar, sich während der 100 Kilometer langen Fahrt Gedanken darüber zu machen, was man da tut.“ Selbst wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger wurde, vertritt die katholische Kirche eine harte Linie. „Ein Unrecht, was einer Person passiert, rechtfertigt nicht automatisch das Unrecht, was man einer nächsten Person antut, in dem Fall dem Embryo oder dem Kind,“ erklärt Best. Anders sieht das Marvin Lange. „Da wurden die Gene eines Verbrechers mit denen einer unschuldigen Frau verschmolzen, natürlich darf die die Schwangerschaft abbrechen.“  Viele, so wie Lisa und Ärzte der Stadt, wollen anonym bleiben, hadern, move36 gegenüber überhaupt Fragen zu beantworten, aus Angst vor gesellschaftlichem Druck. Abtreibungsgegner versuchen, den deutschlandweit hochzuhalten. Die katholische Kirche begeht zum Beispiel weltweit am 28. Dezember das „Fest der unschuldigen Kinder“ – in Fulda mit einem Gebet an der Mariensäule (Pestsäule) am Frauenberg. Die Prozession dorthin startet am Dom. In der Amtszeit von Erzbischof Dr. Johannes Dyba läuteten sogar die Glocken in ganz Fulda. Seit 2002 ist das aber nicht mehr der Fall. Der Tag dient als Mahnung zum Schutz des ungeborenen Lebens. 

„Im erzkatholischen Fulda ist die Offenheit nicht gegeben. Der Schwangerschaftsabbruch ist sehr negativ belegt“

Auch Organisationen wie „Jugend für das Leben“ setzen sich gegen Schwangerschaftsabbrüche ein. Deutschlandweit ist die Zahl der Ärzte, die Abbrüche vornehmen, seit 2003 um 40 Prozent auf heute noch 1200 gesunken. Bundesvorsitzende Fabiola Kaminsiki sieht das auch als Erfolg ihrer Organisation. Die 18-Jährige Fuldaer Abiturientin meint: „Dadurch merken wir ja, dass sich etwas tut in Deutschland. Die Frauen finden sicher noch genug Ärzte, die Abbrüche durchführen, auch wenn die Zahlen rückläufig sind.“ Auch Fabiolas Mutter, Cornelia Kaminski, setzt sich stark für den Lebensschutz ein. Seit 1996 ist sie Mitglied des Vereins „Aktion Lebensrecht“ für alle, derzeit sogar zweite stellvertretende Bundesvorsitzende. Daneben ist Cornelia Kaminski CDU-Mitglied und dort hessische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“.  Der Einsatz für das ungeborene Leben geht auch mit einer Stigmatisierung der Schwangeren einher, meint Lisa. „Wenn man sich die Lebensschützer in Fulda anschaut, die Prozessionen zur Mariensäule, die 1000-Kreuze-Märsche für das Leben, bei der sie mit großen weißen Kreuzen auf dem Rücken gegen Abtreibungen demonstrierend durch die Stadt ziehen: Das versetzt Frauen in eine Lage, in der es schwer ist, über einen Abbruch zu sprechen.“ Wer abtreibt, wolle darüber auch mit Bekannten und Freunden reden. „Im erzkatholischen Fulda ist die Offenheit aber nicht gegeben. Der Schwangerschaftsabbruch ist sehr negativ belegt.“ Diese Erfahrung habe Lisa auch selbst gemacht. „Man wird von Menschen, die sich nicht viel mit dem Thema beschäftigt haben, in eine Ecke gestellt. Aber die Erfahrungen aus meinem sehr nahen Umfeld waren positiv.“ Besonders ihre Mutter habe sie unterstützt und aufgefangen. „Meine Mutter hatte damals mit 17 in der DDR selbst einen Abbruch. Es war eine Situation, in der ein Kind absolut nicht möglich gewesen wäre. Heute ist sie glückliche zweifache Mama.“ Lisa wünscht sich eine bessere Aufklärung statt zunehmender Ausgrenzung. 

„Es wäre völlig unsachlich, wenn ich bei Embryonen von Kindern reden würde“

Mehr Aufklärung wünscht sich auch Fabiola Kaminsiki. „Uns ist es wichtig, Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch aufzuzeigen. Ich finde es sehr schwierig, Frauen dazu zu drängen, irgendeine Entscheidung zu treffen, weil es nicht unsere ist. Wir beschönigen aber auch nichts. Man beendet damit das Leben eines anderen Menschen.“ Das wolle sie Frauen bewusst machen. Gleichzeitig kritisiert sie Ärzte, die die Abtreibung verharmlosten, namentlich die Gießener Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel, eine der bekanntesten Verfechterinnen für ein liberaleres Recht für Abbrüche. „Sie sagt, was hier abgetrieben wird, ist Schwangerschaftsgewebe. Das ist der Punkt, wo ich sage Stopp!“ Der Embryo sei ein weit entwickelter Mensch. Hänel wehrt sich. „Wenn ich deutsche Begriffe für medizinische Fachbegriffe benutze, ist das bestimmt keine Verharmlosung. Vielmehr wäre es völlig unsachlich, wenn ich, wie es sogenannte Lebensschützer fordern, bei Embryonen von Kindern reden würde. Schwangere Frauen, die ihre Schwangerschaft austragen, gehen ja auch nicht zum Kinderarzt.“ Kaminski unterstellt Hänel und auch Pro Familia, mit Schwangerschaftsabbrüchen Geld zu verdienen und daher nicht neutral aufzuklären. Dem entgegnet Brigitte Ott, Geschäftsführerin von Pro Familia in Hessen: „,Geld verdienen‘ ist nicht Ziel und Zweck eines ‚e.V.‘, auch nicht von Pro Familia. Unsere Arbeit beruht auf den gesetzlichen Regelungen für die Bundesrepublik und professionellen, fachlichen Standards.“ Auch Hänel kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Ich verdiene momentan zwar nicht ausschließlich Geld mit Abbrüchen, aber ich verstehe nicht, wie man mir das vorhalten könnte, wenn es so wäre.“

„Warum sollten Ärzte nicht online über Abtreibung informieren dürfen?“

Ohnehin ist es für Ärzte aufgrund der Gesetzeslage schwierig, überhaupt über Schwangerschaftsabbrüche aufzuklären. Bis vor Kurzem war es sogar verboten, auf der eigenen Homepage nur zu erwähnen, dass ein Arzt Schwangerschaftsabbrüche anbietet. Kristina Hänel hat gegen dieses Verbot verstoßen und wurde daraufhin zu einer Geldstrafe verurteilt. Mittlerweile hat die Regierung das sogenannte Werbe- beziehungsweise Informationsverbot für Schwangerschaftsabbrüche, den Paragraphen 219a StGB, gelockert. Ärzte dürfen nun seit dem 21. Februar darüber informieren, dass sie Abbrüche anbieten, nähere Informationen dazu dürfen sie aber weiterhin nicht veröffentlichen. „Warum sollten Ärzte nicht online informieren dürfen? Ich sehe keinen plausiblen Grund, der gegen Informationen auf ärztlichen Seiten spräche“, meint Hänel. Auch Pro Familia setzt sich für eine Streichung des Werbeverbots ein. Dafür ist auch Marvin Lange. Der evangelische Jugendpfarrer hält das Verbot für „vollkommen absurd“. „Wenn jemand eine Abtreibung anbietet, soll er das auch sagen und damit werben dürfen. Warum Ärzte das nicht machen sollten, ist mir ein Rätsel. Und warum unsere Abgeordneten an dieser Stelle für den Lebensschutz plädieren auch.“ Den jetzigen Kompromiss, der Ärzten nicht erlaubt, selbst Informationen bereitzustellen, sondern lediglich auf eine Bundesseite zu verweisen, hält er für „albern“. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Wir leben in einem freien Land. Entweder ist etwas erlaubt mit allen Konsequenzen – oder aber nicht.“

„Es steht ja nirgends, dass eine Abtreibung in Fulda nicht geht“

Bild: marinakutukova/Adobe Stock

Kaminski befürchtet jedoch, mit einer vollständigen Abschaffung des Werbeverbots bald Plakate und Werbespots von Praxen zu sehen, die Abbrüche anbieten. „Ich denke schon, dass die Gefahr besteht, dass ohne ein Verbot hierzulande geworben wird. Wenn ich auf Youtube gehe, wird beispielsweise auch für die Pille danach geworben.“ Lange sieht diese Gefahr nicht. „Auch wenn sie es dürften, würden die meisten Ärzte keine Werbung im klassischen Sinne betreiben. Damit würden sie sich nämlich keinen Gefallen tun. Sie hätten die ganzen Gebetskreise vor der Tür und würden sicher auch einige Patienten verlieren.“ Für Lisa wäre es hilfreich gewesen, wenn sie sich von vornherein hätte darüber informieren können, dass sie für einen Abbruch nach Kassel oder Frankfurt muss. „Es steht ja nirgends, dass das in Fulda nicht geht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Ärzte zumindest darüber offen aufklären.“ Das hätte ihr den Schock im Sprechzimmer ihres Arztes erspart. Doch die Ärzte müssen sich an das geltende Recht und damit auch an das Werbe- und Informationsverbot halten. Auch eine Frau kann ihre Schwangerschaft nicht völlig selbstbestimmt abbrechen. Generell gilt: Der Schwangerschaftsabbruch ist eine Straftat, die unter bestimmten Voraussetzungen bis zur zwölften Woche straffrei bleibt. Wer nicht aus medizinischen Gründen oder aufgrund einer Vergewaltigung abbricht, muss sich verpflichtend beraten lassen. In Fulda bietet diese Pflichtberatung neben Pro Familia noch Donum Vitae an.

„Es sind auch nicht nur die ganz jungen Frauen, sondern eher die im mittleren Alter“

„Ich habe die Beratung bei Pro Familia als sehr gut empfunden“, sagt Lisa. Katrin Weil, Beraterin bei Donum Vitae, erklärt, dass die Beratung gesetzlich klar geregelt ist. „Wir informieren darüber, dass das Gespräch Pflicht ist, dass zwischen Beratung und Abbruch drei Tage liegen müssen, dass es im Umkreis von 100 Kilometern keinen Arzt gibt, der Abbrüche durchführt.“ Sie betont auch, dass die Beratung immer ergebnisoffen zu führen ist und im Grundsatz dem Schutz des ungeborenen Lebens dient. „Die Frauen informieren sich schon vorab im Internet. Einiges dort entspricht aber nicht der Wahrheit. Ich habe in letzter Zeit häufiger die Sorge gehört, nach einem Abbruch nicht mehr schwanger werden zu können,“ sagt Monika Darimond, Weils Kollegin. Die Frauen, die in die Beratung kommen, stammten aus sämtlichen sozialen Schichten. „Es sind auch nicht nur die ganz jungen Frauen, sondern eher die im mittleren Alter.“ Wichtig ist Weil, auch immer darauf hinzuweisen, „dass sich keine Frau für die Schwangerschaft entscheiden muss, nur weil sie kein Geld für einen Abbruch hat.“ Die Kosten belaufen sich laut dem Bundesamt für gesundheitliche Aufklärung auf 350 bis 600 Euro. Bei der Krankenkasse können Betroffene einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Den hat auch Lisa eingereicht. Zum Zeitpunkt ihres Abbruchs studierte sie im zweiten Semester Soziale Arbeit. „Insbesondere für Frauen, die ganz allein mit ihrer Entscheidung sind, weil sie vielleicht einen schwierigen sozialen Background haben, kann die Beratung nützlich sein“, erklärt Lisa. Sie kritisiert aber, dass Frauen keine Wahl haben, also eine Beratungspflicht besteht. Immerhin stand ihre Entscheidung schon von Anfang an fest. „Ich fände es besser, wenn man die Beratung lediglich anbieten würde.“ Sie fühlte sich durch den gesamten Prozess des Abbruchs bevormundet. „Besonders die dreitägige Bedenkzeit nach der Beratung finde ich krass. Immerhin entwickelt sich der Embryo auch immer weiter.“

„In der gesellschaftlichen Debatte über Abtreibung wird nicht vom mündigen Bürger ausgegangen“

Auch Jugendpfarrer Lange kritisiert die Bevormundung der Frauen. „In der gesellschaftlichen Debatte wird nicht wirklich vom mündigen Bürger ausgegangen, der sich selbst informieren kann und das auch tut und sein Leben selbst verantwortet lebt.“ Immerhin breche keine Frau gerne eine Schwangerschaft ab. „Ich gehe davon aus, dass sie genau darüber nachgedacht hat, bevor sie sich zu einem solchen Schritt entschließt“, meint Lange, der selbst Vater dreier Kinder ist. Sein katholischer Kollege Alexander Best sieht dagegen keine Bevormundung. „Das Konstrukt ‚Straftat, aber straffrei‘ ist schon komisch und macht deutlich, dass der Staat es nicht gutheißen möchte. Ich finde, wir müssen Abstand davon nehmen von ‚Die Frauen‘ zu sprechen. Jeder Fall ist für sich komplex.“

„In katholischen Landesteilen nimmt niemand eine Abtreibung vor”

Bild: marinakutukova/Adobe Stock

Fabiola Kaminski ist das aktuelle Recht zu liberal. „Frauen haben heute Angst, sich für das Kind zu entscheiden. Damit das nicht mehr so ist, muss sich die Qualität der Konfliktberatungen ändern.“ Frauen sollten nicht mehr ergebnisoffen beraten, sondern dazu ermutigt werden, sich für das Kind zu entscheiden. Da sei der Gesetzgeber gefragt, fordert die Bundesvorsitzende von „Jugend für das Leben“. Kristina Hänel wiederum möchte vor dem Bundesverfassungsgericht für ein liberaleres Recht kämpfen und die Streichung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche durchsetzen. Gleichzeitig kämpft sie gegen den Mangel an Ärzten, die Abbrüche durchführen. „Ich bilde mittlerweile junge Ärzte aus, die den Ernst der Versorgungslage erkannt haben. Ich traue mich ja kaum noch, über Weihnachten oder im Sommer die Praxis mal für Urlaub zu schließen, weil ich weiß, dass die Frauen hier niemanden haben, zu dem sie sonst gehen können.“ Wer in Gießen Abbrüche vornimmt, wenn die 63-Jährige einmal in Rente geht? Sie weiß es nicht. Sollte die Zahl der Ärzte, die Abbrüche anbieten, weiter zurückgehen, wird es auch für Fuldas Ärzte schwierig. „Fulda kann sich nur restriktiv verhalten, so lange andere das Angebot vorhalten“, erklärt der Fuldaer Frauenarzt, der anonym bleiben möchte. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) ausreichend Ärzte, die Abtreibungen vornehmen. „In katholischen Landesteilen aber niemanden“, so Petra Bendrich, stellvertretende Pressesprecherin der KVH. „Generell ist davon auszugehen, dass die Zahl der Operateure weiter zurückgehen wird.“ Ärzte hätten unter anderem Bedenken, angefeindet zu werden. Daneben seien Abtreibungen nicht Teil der ärztlichen Ausbildung.

Was für ein episch-heißer Scheiß: die finale Staffel “Game of Thrones”

Was für ein episch-heißer Scheiß: die finale Staffel “Game of Thrones”

Wie jede Woche kommt hier unser heißer Scheiß aus dem Kultur- und Entertainment-Bereich: Zwar sind noch nicht alle Episoden draußen, doch nach der 80-Minuten-Mammut-Folge können wir jetzt schon sagen: Die finale Staffel des Fantasy-Epos “Game of Thrones” ist episch-heißer Scheiß. 

Die GoT-Freaks aus unserer Redaktion sagen in Kürze, warum.

Daniel Beise

Für den großen Showdown habe ich mir extra das Sky-Ticket geholt – trotz der zuweilen miesen Übertragung des Anbieters, wenn bei schnellen Szenen das Bild verwischt, hat es sich gelohnt. Ich mag Fantasy sehr gerne, allerdings nur in bewegten Bildern. Lesen ist mir da zu anstrengend und langatmig. Die ersten drei Folgen bauen eine Wahnsinnsspannung auf, die sich in einer im wahrsten Sinne des Wortes finsteren Schlacht zwischen den Lebenden und den Toten um Winterfell entlädt. Die dunkle Schlacht überdauert die komplette Episode, und gegen Ende hin fühlst du dich der Endzeit nahe. Doch dann die Hammerüberraschung. ACHTUNG SPOILER: Ayra Stark rockt einfach so hart!

Felix Weigl

Meine drei Highlights der dritten Folge, knapp zusammengefasst: Bereits in den ersten Minuten wird eine klare Stimmung vermittelt: Hoffnungslosigkeit. Winterfell umgeben von Dunkelheit, die Dothraki bereit, loszureiten. Doch zuvor erscheint Melisandre, entfacht die Schwerter der Reiter und somit ein Licht in der Dunkelheit. Das jedoch erlischt, als die Reiter auf die Untoten stoßen. Genau wie die Hoffnung auf den Sieg.

Mein zweites Highlight der Folge: Lyanna Mormont. Das zwölfjährige Mädchen, das sich im Hof der Burg einem untoten Riesen stellt, ohne Hoffnung auf einen Sieg, aber aufzugeben, ist für sie keine Option. Als dieser sie anhebt, beginnt sie zu zerquetschen und man ihre Rüstung und ihre Knochen brechen hört, schwindet erneut die Hoffnung – wie das Leben der Herrin der Bäreninsel. Doch mit ihrem letzten Atemzug rammt sie dem Riesen ihren Drachenglasdolch ins Auge und vernichtet ihn so.

Und dann die letzten zehn Minuten der Folge. Großartige Bilder, Klaviermusik, die erneut Hoffnungslosigkeit und Tod andeutet. Man traut es den Machern der Serie zu, nun die Helden tatsächlich auszulöschen. Die Niederlage steht unmittelbar bevor, der Nachtkönig nähert sich Bran Stark. Und niemand schafft es, ihn zu töten.

SPOILERWARNUNG! Oder viel eher Jemand. Denn Arya Stark, die Niemand war, und sich doch für ihr Leben entschied, schafft es, den Nachtkönig mit ihrem Dolch aus valyrischem Stahl zu durchbohren. Der Dolch, der Bran töten sollte, vor gefühlten Ewigkeiten, in der zweiten Folge der allerersten Staffel.

Mein Jubelruf als Arya das Unmögliche schaffte, hat vermutlich am Montagmorgen um kurz nach sieben die Nachbarn geweckt. Egal, das musste raus. Nicht jedem gefällt diese Folge, aber ich werde sie gern erneut ansehen.

Toni Spangenberg

Ewig haben wir auf diesen Moment gewartet. Die finale Schlacht zwischen den Weißen Wanderern und dem Bündnis rund um Daenerys Targaryen und Jon Snow. Wer überlebt, wer stirbt? Viele Szenen lassen dich innehalten, ähnlich wie der Moment auf dem höchsten Punkt einer Achterbahn, bevor der Wagen in die Tiefe rauscht. Die Leben von Daenerys, Jon, Sansa und allen anderen hängen allein davon ab, ob es gelingt den Nachtkönig zu töten.

Du weißt, am Ende kann nur eine große Überraschung alles richten, es braucht einen Player, der völlig unvermittelt auf der Bildfläche auftaucht. Und, Achtung SPOILER, dieser Player ist Arya. Urplötzlich erscheint sie hinter dem Nachtkönig, unbemerkt von allen Weißen Wanderern, und macht kurzen Prozess. Ein zu erwartendes Ende für den Ober-Zombie, die Spannung bleibt aber bis zu letzt hoch. Denn Plot-Twists sind typisch für GoT. Nun geht’s für die Überlebenden Richtung Königsmund. Hoffentlich wird der zweite Teil der achten Staffel genauso spannend und die Endschlacht so episch wie die ersten drei Episoden.