2019 ist ein großes Jubiläumsjahr für Fulda: 1275 Jahre Klostergründung, 1200 Jahre Ratgar-Basilika, wo heute der Dom steht; 1000 Jahre Markt- und Münzrecht und 1100. Jahrestag der Beerdigung von König Konrad I. in Fulda. „So viel Jubiläum gab‘s noch nie“, sagt Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler. Fürs aktuelle Magazin hat sich move36-Redakteur Daniel auf die Suche nach skurrilen und unbekannten Storys in der Fuldaer Geschichte gemacht. 

André König ist Gästeführer in Fulda.

Dass Geschichte alles andere als staubtrocken ist, hat uns außerdem ein junger Gästeführer erzählt, für den Geschichte ein spannendes Hobby ist. André König hat sich aktuell intensiv mit den Hintergründen der Personen beschäftigt, die im Franzosenwäldchen begraben liegen. Seit 2014 ist der 28-Jährige Gästeführer. In Erfurt hat er Staatswissenschaften studiert und arbeitet nun hier in der Städtebauförderung.

André, was ist das Tolle an Geschichte?

Es ist einfach spannend, zu erfahren, welche Lebensentwürfe, Vorstellungen und Herausforderungen die Menschen in längst vergangenen Zeiten einmal hatten. Zudem lassen sich viele Konflikte, Regeln und Wertvorstellungen von heute aus früheren Jahrhunderten ableiten. Ein größeres Maß an Wissen über unserer Vergangenheit hilft beim Verstehen der immer komplexer werdenden Welt ungemein.

Warum sollten sich junge Menschen mit der Geschichte ihrer Stadt befassen?

Als ich angefangen habe, mich für meine Stadt zu interessieren, habe ich Dinge, die ich vorher als selbstverständlich erachtet hatte oder gar nicht wahrgenommen hatte, erst wirklich zu schätzen gelernt. Es ist keine Selbstverständlichkeit, in einer so schönen Stadt wie Fulda zu wohnen. Befasst man sich beispielsweise mit der Vergangenheit der Gebäude, haucht dies einer Stadt erst richtig leben ein. Man nimmt die Stadt so ganz anders wahr.

Stimmt denn das Vorurteil, Jugendliche interessieren sich ohnehin nicht für Geschichte? Oder wie erlebst du das?

Nein, es steht und fällt mit der Vermittlung der Inhalte. Warum sonst sind historische Krimis, Serien wie „Game of Thrones“ – zwar Fantasy, aber eben auch Mittelalter – und Computerspiele, die in längst vergangenen Epochen spielen, so beliebt? Ein tolles Format ist beispielsweise der Podcast „Eine Stunde History“ des Deutschlandfunks. Da werden interessante Ereignisse der Geschichte für junge Menschen super zusammengefasst. Oftmals wird aber ein falsches Bild von Geschichte vermittelt: Staubige Museen und Bücher, die x-te Geschichte von Cäsar oder den alten Griechen sind das erste, was viele mit Geschichte verbinden. Dass Geschichte natürlich viel mehr als das ist und durchaus spannend sein kann, sehen leider viele nicht.

Sollte Historisches mehr Gewichtung in der Schule finden?

Nein. Geschichte ist in der Schule zumindest quantitativ gut aufgestellt. Man braucht das Fach auch nicht überhöhen. Was ich mir allerdings wünschen würde, wäre eine stärkere Anpassung vom Unterrichtsstoff an aktuelle Geschehnisse, Gegenwart und Vergangenheit müssen verknüpft werden. Lehrschwerpunkte zu bilden, ist aus meiner Sicht ein fortlaufender Veränderungsprozess mit immer neuen Ergebnissen. Das zeigt auch, welche Dynamik Geschichte haben kann.

Warum bist du Gästeführer geworden?

Ich habe einfach Spaß daran, Gästen unsere schöne Stadt zu zeigen. Man ist überwiegend an der frischen Luft, tritt mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, hat in der Gruppe der Gästeführerinnen und Gästeführer eine tolle Gemeinschaft und wird darüber hinaus auch noch bezahlt. Gästeführer zu sein, ist wirklich eine der besseren Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Wenn man Touristen mit kleinen Geschichtchen aus und über Fulda zum Lachen bringt, ist das einfach wunderbar.

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