Denn sie wissen wirklich nicht, was sie tun – die schwierige Phase namens Pubertät

Denn sie wissen wirklich nicht, was sie tun – die schwierige Phase namens Pubertät

Samstagmorgen am Frühstückstisch: Über ein banales Thema entbrennt ein Streit, der Teenie rennt aus dem Zimmer und schreit theatralisch: „Ihr seid scheiße!“ So oder so ähnlich erging es sicher schon zahlreichen Eltern. Gefühlsausbrüche gehören in dieser Zeit zum Alltag. Dabei ruhig zu bleiben, ist für die Erwachsenen alles andere als einfach. Vor allem ist es jedoch für die Teenies eine schwierige Phase. Zum Thema Pubertät referiert beim Osthessischen Gesundheitstag am Samstag Diplom-Psychologin Katharina Bauer.

Ein Text von Sebastian Krenberger der Hochschule Fulda

Als Jugendalter oder Adoleszenz bezeichnet man die Lebensjahre zwischen zehn und 19 Jahren. Diese Zeit ist geprägt von zahlreichen körperlichen und psychischen Entwicklungen. Der Körper wächst in die Länge, das Gehirn hängt mit der Entwicklung dabei hinterher, sodass Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen auftreten können. Dies lässt Heranwachsende zum Teil etwas tollpatschig erscheinen, wenn sie scheinbar über die eigenen Füße stolpern.

Auch das Körpergewicht nimmt zu, was vor allem Mädchen zu schaffen macht. Jungen denken eher darüber nach, wie sie Muskeln aufbauen können, um ihre körperliche Attraktivität zu steigern. Generell spielt der Umgang mit dem anderen und mit dem eigenen Geschlecht eine wichtige Rolle in dieser Lebensphase. Die körperlichen Geschlechtsmerkmale prägen sich aus. Die sexuelle Orientierung zeigt sich zum ersten Mal. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Identitätsbildung.

Eine eigene Identität zu entwickeln, also sich selbst zu finden und ein positives Bild von sich selbst zu erlangen, ist eine große herausfordernde Aufgabe.

Manchen Jugendlichen fällt diese Findungsphase sehr schwer und empfinden sie als verwirrend. Bei einer nicht heterosexuellen Orientierung kommen Bedenken hinzu, sich zu outen, da Bi-, Trans- und Homosexualität leider immer noch nicht als selbstverständlich angesehen werden. Die Jugendlichen haben Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen, vor allem der älteren Generationen. Manchmal kann die Orientierungsphase deswegen bis in ein höheres Lebensalter andauern. Hinzu kommen die Anforderungen in Schule und Ausbildung. Leistungen werden gefordert und man muss sich überlegen, welchen Beruf man ergreifen will. Dabei sind andere Dinge wie Freunde, Musik oder die erste Liebe gerade viel wichtiger.

Die Pubertät wird durch Angst und Unsicherheit gesteuert

Bei kriminellem und gefährlichem Verhalten sollten die Eltern klare Grenzen setzen – aber nicht den Kopf verlieren. Gelassenheit und Feingefühl ist das A und O, auch im Umgang mit den körperlichen Wandlungen während der schwierigen Zeit. Spötteleien oder verklemmtes Gehabe verstärken das Unwohlsein im noch fremden Körper. Vor allem bei Mädchen können sie das ohnehin schwankende Selbstwertgefühl auf Jahre zerstören.

Eskalation vermeiden

Manchmal ist das alles einfach zu viel für die Heranwachsenden und sie ziehen sich zurück, was von den Eltern missverstanden werden kann. Die Teenager suchen die Fehler bei sich und denken, etwas falsch gemacht zu haben. Schnell eskalieren dann scheinbar harmlose Gespräche oder Bemerkungen. Grundsätzlich gehören Auseinandersetzungen zur Entwicklung dazu.

Jugendliche probieren aus, wie die Eltern auf von ihnen vertretene Standpunkte reagieren und ob sie akzeptiert werden. Oft prallen dabei verschiedene Ansichten aufeinander. Wichtig ist, dass die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt werden und eine gemeinsame Lösung gesucht wird. Dann wird auch das gemeinsame Frühstück am Samstag wieder entspannter.column_text css=”.vc_custom_1548837994883{background-color: #c9c9c9 !important;}”]

Der 7. Osthessische Gesundheitstag findet am Samstag, 2. Februar, in der Esperantohalle statt. Organisiert wird er vom Gesundheitsnetz Osthessen, dem Verbund von circa 150 Ärzten aus der Region. Zahlreiche Aussteller aus Fulda und den angrenzenden Landkreisen bieten gesundheitsbezogene Aktionen an ihren Ständen an. Unter dem Thema „Gesundheit und Lebensqualität“ präsentiert die Hochschule Fulda spannende Projekte in der Waideshalle. Ziel des Gesundheitstages ist es, den Informationsfluss zwischen der Bevölkerung, den Patienten, den Angehörigen und den Gesundheitsdienstleistern zu steigern. Der Eintritt ist frei. Los geht es ab 10 Uhr.

Am Osthessischen Gesundheitstag referiert Diplom-Psychologin Katharina Bauer von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Fulda zum Thema „Pubertät- wenn plötzlich alles anders ist!“. Los geht es um 10.45 Uhr in Saal 1.

empty_space]separator]Quellen:

Richter-Unruh, A.; Doerfer, J.; Schwab, K.O. (2018): Körperliche Entwicklung im Jugendalter. In: Stier B.; Weissenrieder, N.; Schwab, K. (Hrsg.): Jugendmedizin. Berlin/Heidelberg: Springer: 3-18.

Siegler, R.; Eisenberg, N.; DeLoache, J.; Saffran, J. (2016): Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. 4. Auflage. Berlin/Heidelberg: Springer.

www.kinderaerzte-im-netz.de/altersgruppen/jugendliche/pubertaet/die-wilden-jahre/haeufige-probleme/

“Ich fühle mich nicht wie ich selbst” – Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen

“Ich fühle mich nicht wie ich selbst” – Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen

Angst ist ein wichtiges Gefühl, denn sie schützt vor zahllosen Gefahren. Doch wenn Angst sich verselbstständigt, wird sie krankhaft und spürbar belastend. Es ist eine tückische Krankheit unabhängig von Bildungsstand, Alter, sozialem Status und Geschlecht.

Ein Text von Sebastian Krenberger der Hochschule Fulda

Angststörungen können Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stark einschränken. Man darf sie somit nicht unterschätzen. Laut der BELLA-Kohortenstudie (BELLA = BEfragung zum seeLischen WohLbefinden und VerhAlten), welche Bestandteil der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) des Robert Koch-Institutes ist, sind rund 9 Prozent der Jungen (Kinder- und Elternbefragung) sowie zwischen 12 (Elternbefragung) und 21 Prozent (Kinderbefragung) der Mädchen zwischen 7 und 19 Jahren von Angststörungen betroffen. Diese stellen somit den größten Bereich bei den psychischen Auffälligkeiten im Kindesalter dar.

Dabei muss man zwischen Angststörung und Phobie unterscheiden. Angststörungen kennzeichnen sich durch übermäßig ausgeprägte Angstreaktionen. Depressive und zwanghafte Symptome können begleitend auftreten. Bei Phobien haben die Betroffenen große Angst vor Dingen oder in Situationen, in denen bei Menschen ohne Phobie keine Furcht auftritt. Die Übergänge zwischen Ängsten und Phobien sind dabei oft fließend.

Die soziale Phobie bestimmt deinen Alltag

Trennungsängste können das alltägliche Leben stark einschränken. Foto: AnthonyJess / Adobe Stock

Zu den typischen Angstformen gehört die Trennungsangst. Diese ist bis zu einem gewissen Grad normal für Kinder, vor allem, wenn sie das erste Mal länger von den Eltern getrennt sind. Eine Trennungsangststörung kann ab dem dritten Lebensjahr auftreten. Dann ist die Angst vor der Trennung von den Bezugspersonen so groß, dass das alltägliche Leben stark eingeschränkt ist, da beispielsweise der Schulbesuch nicht bewältigt werden kann.

Besonders häufig unter den Angststörungen ist die spezifische Phobie. Kinder und Jugendliche haben dabei eine übermäßige und anhaltende Angst vor bestimmten Objekten, beispielsweise vor Spinnen, Hunden, Gewitter, Blut, Spritzen oder Situationen wie dem Aufenthalt in einem Tunnel oder Fahrstuhl. Gehäuft tritt auch die soziale Phobie zutage. Diese ist durch die unverhältnismäßige Angst vor der Beurteilung durch andere Personen gekennzeichnet, wie sie zum Beispiel in Prüfungs- oder Wettbewerbssituationen auftritt. Oft mündet die Angst in der Vermeidung solcher Situationen. Ein weiterer Aspekt ist der selektive Mutismus, der dazu führt, dass Kinder in bestimmten Situationen oder im Beisein bestimmter Personen zu verstummen scheinen und sich nur noch über Mimik, Gestik und Schrift mitteilen können. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Formen der Angst- und Panikstörungen.

Durch Konfrontation die Angst besiegen

Doch wie kann man unterscheiden, ob ein Kind nur schüchtern und zurückhaltend ist oder eine Angststörung entwickelt, die man behandeln sollte? Wichtige Punkte bei der Einschätzung, ob es sich um eine krankhafte Art der Angst handelt, sind die Altersangemessenheit der Ängste, ihre Dauer und der Grad der Beeinträchtigung durch die Angst. Eine Behandlung sollte erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Ängste die normale Entwicklung des Kindes beeinflussen und Probleme im (Familien-)Alltag hervorrufen. Professionelle Beratung kann dann erforderlich sein.column_text css=”.vc_custom_1548669037916{margin-top: 1px !important;margin-right: 1px !important;margin-bottom: 1px !important;margin-left: 1px !important;padding-top: 1px !important;padding-right: 1px !important;padding-bottom: 1px !important;padding-left: 1px !important;background-color: #e8cba0 !important;border-radius: 1px !important;}”]

Der 7. Osthessische Gesundheitstag findet am 02.02.2019 in der Esperantohalle statt. Organisiert wird er vom Gesundheitsnetz Osthessen, dem Verbund von ca. 150 Ärzten aus der Region. Zahlreiche Aussteller aus Fulda und den angrenzenden Landkreisen bieten gesundheitsbezogene Aktionen an ihren Ständen an. Unter dem Thema „Gesundheit und Lebensqualität“ präsentiert die Hochschule Fulda spannende Projekte in der Waideshalle. Ziel des Gesundheitstages ist es, den Informationsfluss zwischen der Bevölkerung, den Patienten, den Angehörigen und den Gesundheitsdienstleistern zu steigern. Der Eintritt ist frei. Los geht es ab 10 Uhr.

Auf dem Osthessischen Gesundheitstag wird Dr. rer. nat. Jan Pauschardt, Leitender Psychologe der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, zu dem Thema referieren. Der Vortrag findet um 11.30 Uhr in Saal 1 statt.

empty_space]Quellen: Petermann, F.; Petermann, U. (2017):  Angststörungen. Kindheit und Entwicklung 26 (2): 73–76.

Schneider, S.; Seehagen, S. (2014): Angststörungen im Kindes- und Jugendalter. Pädiatrie up2date 9: 355–368.

Walitza, S.; Melfsen, S. (2016): Angststörungen im Kindes- und Jugendalter. Abgrenzung zwischen beeinträchtigender Störung und Schüchternheit. Monatsschrift Kinderheilkunde 164: 278–287.

Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs: HPV-Impfung für Jungen

Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs: HPV-Impfung für Jungen

Die Diagnose Krebs ist oft ein Todesurteil. Gegen eine Art gibt’s eine Impfung für Mädchen: den Gebärmutterhalskrebs. Jetzt sollen sich auch Jungs impfen lassen.

Ein Text der Sebastian Krenberger

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit vergangenem Sommer, nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen zwischen 9 und 14 Jahren gegen humane Papillomviren (HPV) zu impfen. Beim Osthessischen Gesundheitstag am 2. Februar hast du die Gelegenheit, das Thema genauer zu betrachten.

Was sind HPV („humane Papillomviren“)?

Es sind Viren die beim Geschlechtsverkehr durch (Schleim-)Hautkontakt übertragen werden können. Du bemerkst eine Ansteckung in der Regel nicht, da sie keine Beschwerden verursacht. Es kann aber sein, dass durch diese Infektion eine Krebserkrankung ausgelöst wird. Bei Frauen ist das vor allem der Gebärmutterhalskrebs. Dieser kann bis zu Jahrzehnte später noch entstehen. Außerdem können die HP-Viren Haut- und Feigwarzen (Papillome) auslösen, welche sehr unangenehm sind. Anfällig sind besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Jungen sind durch eine Impfung vor weiteren Krebsarten geschützt

Bisher waren nur Mädchen Zielgruppe einer Impfung. Durch den Impfstoff werden sie vor den Viren geschützt, die das größte Risiko einer Gebärmutterhalserkrankung in sich tragen. Da Jungen die Hauptverbreiter der Infektion sind, ergibt es Sinn, auch sie zu impfen. Dies schützt nicht nur die Mädchen, die mögliche Geschlechtspartnerinnen sind. Auch Jungen sind durch eine Impfung vor Krebsarten im späteren Lebensalter wie Mund-Rachen-Krebs, Penis- und Analkrebs besser geschützt. Die werden oftmals durch die gleichen HPV-Typen ausgelöst wie Gebärmutterhalskrebs.

Der Impfstoff wird in die Muskulatur des Oberarms gespritzt. Danach gibt’s zwei weitere Impfungen – die zweite fünf bis sechs Monate nach der ersten. Wer älter als 14 ist, braucht drei Impfungen. Wichtig ist, dass man vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft wird. Sonst ist die Wirkung abgeschwächt. Du solltest dich noch vor dem 18. Lebensjahr impfen lassen. Die Deutsche Krebsstiftung will die HPV-Impfung in allen deutschen Schulen einzuführen. So soll erreicht werden, dass mehr Kinder geimpft werden.

Viele Krankenkassen übernehmen die Impfkosten

Das Projekt „HPV-Impfung macht Schule“ mit Stadt und Landkreis Fulda, dem Gesundheitsamt, dem Staatlichen Schulamt Fulda, dem Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) und einer Vielzahl niedergelassener Ärzte aus der Region wurde schon vergangenes Jahr durchgeführt. Eltern wurden an circa 22 Grundschulen und weiterführenden Schulen über den Zweck der Impfung aufgeklärt. Viele Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für eine HPV-Impfung bei Jungen bis zum 18. Lebensjahr.column_text css=”.vc_custom_1548160583691{margin-top: 1px !important;margin-right: 1px !important;margin-bottom: 1px !important;margin-left: 1px !important;padding-top: 1px !important;padding-right: 1px !important;padding-bottom: 1px !important;padding-left: 1px !important;background-color: #e8cba0 !important;border-radius: 1px !important;}”]

Der 7. Osthessische Gesundheitstag findet am 02.02.2019 in der Esperantohalle statt. Organisiert wird er vom Gesundheitsnetz Osthessen, dem Verbund von ca. 150 Ärzten aus der Region. Zahlreiche Aussteller aus Fulda und den angrenzenden Landkreisen bieten gesundheitsbezogene Aktionen an ihren Ständen an. Unter dem Thema „Gesundheit und Lebensqualität“ präsentiert die Hochschule Fulda spannende Projekte in der Waideshalle. Ziel des Gesundheitstages ist es, den Informationsfluss zwischen der Bevölkerung, den Patienten, den Angehörigen und den Gesundheitsdienstleistern zu steigern. Der Eintritt ist frei. Los geht es ab 10 Uhr.

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“Tod ist wie Frühling”: Alexander Krützfeldt über sein Buch “Letzte Wünsche”

“Tod ist wie Frühling”: Alexander Krützfeldt über sein Buch “Letzte Wünsche”

Der Autor Alexander Krützfeldt (32) beschreibt im Interview, was ihn vor während und nach dem Schreiben des Buches „Letzte Wünsche“ bewegte. Am Dienstag, 15. Januar, liest Krützfeldt auf Einladung von PalliativStiftung und „Fuldaer Zeitung“ um 19 Uhr in der Aula der Alten Universität in Fulda aus seinem Buch.

“Letzte Wünsche” von Alexander Krützfeldt

Herr Krützfeldt, wie kommt man mit 32 Jahren darauf, ein Buch über das Sterben zu schreiben?

Ich kenne das Sterben aus meinem direkten Umkreis, aus der Familie und von Freunden. Sterben war aber auch immer wieder Teil meiner Recherchen: Ich habe in der Rechtsmedizin am Sektionstisch gestanden, habe mit Bestattern gearbeitet und Krematorien besucht. Letztlich war diese Geschichte aber ein Zufallsprodukt: In einer Lokalzeitung habe ich ein Interview mit Frank Wenzlow gelesen, in dem er von seinem Projekt erzählt.  

Sein Projekt ist, Sterbenden den letzten Wunsch vor dem Tod zu erfüllen.

Ja, genau. Die sogenannten „Sternenfahrten“. Vor vielen Jahren hat sich Frank als Erste-Hilfe-Ausbilder selbstständig gemacht. Nach dem Tod seiner Frau, deren letzter Wunsch leider nicht mehr erfüllt werden konnte, hat er sich gesagt: „Das mache ich jetzt selbst!“ 

Es geht in dem Buch also nicht nur ums Sterben, sondern auch um die Liebe zwischen Frank und seiner Frau?

Genau das hat mich gereizt. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass jemand ein Buch über das Sterben kaufen und lesen will, wenn nicht eine andere Thematik oder eine starke Figur als Vehikel für die Geschichte dient. 

Sind das eigentlich noch typische Sachbücher, die Sie schreiben? „Letzte Wünsche“ liest sich mehr wie ein Roman.

Ich verorte mich selbst mehr im Literarischen. Also Faktisches erzählen mit literarischen Elementen und starker Dramaturgie. Alles ist wahr, ich habe recherchiert wie ein Journalist, aber ich erzähle zum Beispiel auch aus dem Kopf von Figuren heraus. 

Was sind typische Wünsche von Sterbenden?

In dem Jahr, in dem ich Frank begleitet habe, wurden viele Fahrten leider auch abgesagt. Menschen sind oft noch vor ihrem Termin gestorben. Ansonsten haben wir einen Mann zum Begräbnis seiner Frau gefahren, Menschen begleitet, die noch einmal in ihre eigene Wohnung oder Weihnachten feiern wollten, es gab aber auch Wünsche wie: noch einmal zum Fußballspiel oder einen Cheeseburger und eine Packung Kippen.

Wirklich?

Sterbende sind doch gewöhnliche Menschen. Sie ändern ihre Vorlieben ja nicht, nur weil sie sterben müssen. Wir wollen alle: Gesellschaft, Gemeinschaft, Essen, Trinken und Dinge. Nur ist das eben am Ende nicht mehr das neue iPhone, sondern zum Beispiel als Eiswürfel gefrorener Rotwein, der einen an Rotwein erinnert, den man früher mal getrunken hat. Und dann merkt man, wie schön alles mal war. Sterben ist schwer. 

Sie schreiben auch, dass wir uns vor dem falschen Tod fürchten, weil wir strenggenommen dreimal sterben.

Ja, sozial, geistig und körperlich. Am meisten fürchten wir den körperlichen Tod, also das klassische Sterben. Aber wir erleben es nicht, weil wir dann unter starken Medikamenten sind. Der Tod des Geistes ist ebenfalls bitter, wir bauen geistig ab und vergessen, aber damit vergessen wir halt irgendwann auch diesen Tod. Der soziale Tod ist der schlimmste. Er beginnt lange vor dem eigentlichen Sterben; mit ihm werden wir zum Pflegefall ohne Privatsphäre, über den alle leise sprechen. Der Mensch verliert seine Rollen im Leben. Ich glaube, das ist das Schlimmste. Und wir nehmen es noch bewusst wahr. 

Hat die Recherche etwas bei Ihnen ausgelöst? 

Das ging, gerade weil man kein geschulter Profi ist, schon etwas an die Substanz, klar. Aber am Ende war es auch sehr erbaulich, das merkt man dem Buch vielleicht an. Man klärt vieles für sich. 

Inwiefern?

Es kommt ja immer die Frage, welche Schlüsse zieht man da jetzt selbst draus, wie verändert es einen. Während des Schreibens war das kein Thema, aber durch die Interviews natürlich schon. 

Und welche Schlüsse zieht man?

Ich habe mir natürlich sofort und überaus hastig vorgenommen, gesünder zu leben und regelmäßig Sport zu treiben. Aber dann hat der alte Automatismus, den Tod zu verdrängen, recht schnell wieder eingesetzt. Es ist gut, etwas über den Tod zu wissen, aber nicht gut, ständig über ihn nachzudenken. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin, weiß aber jetzt auch, wie wichtig es ist, mit Kranken über etwas anderes als ihre Krankheit zu sprechen. Tod ist wie Frühling: Keiner weiß genau, wann er kommt, aber wenn er sich ankündigt, sprechen alle davon.  

Zusammen mit der Deutschen PalliativStiftung veranstaltet die „Fuldaer Zeitung“ eine Lesung mit Alexander Krützfeldt. 

Wann? Dienstag, 15. Januar 2019, 19 Uhr
Wo: Aula der Alten Universität, Universitätsstraße 1, Fulda

Meditation für Trauernde und Interessierte im Hospiz-Zentrum

Meditation für Trauernde und Interessierte im Hospiz-Zentrum

Viele Trauernde sind auf der Suche nach einem inneren Halt, Geborgenheit und Gelassenheit. Ihre Welt ist aus den Fugen geraten. Dagegen bietet sich die Meditation an, um wieder in die innere Balance zu kommen.

Der Hospizdienst der Malteser lädt zu einer Meditation für Trauernde und Interessierte ein am Dienstag, 08. Januar 2019, von 19 – 20 Uhr im Malteser Hospiz-Zentrum, An Vierzehnheiligen 9, 36039 Fulda. Um Voranmeldung unter Telefon 0661 869 77 250 wird gebeten. Die Leitung hat Heidemarie Hillje, Autorin, Persönlichkeitstrainerin und Trauerbegleiterin. Mitgebracht werden sollten eine Decke, Wollsocken, legere Kleidung, ev. ein Jogakissen. Der Teilnehmerbeitrag in Höhe von 10 Euro ist für den „Lebenswert – Hospiz-Förderverein Fulda e.V.“ bestimmt. Weitere Informationen gibt es im Hospiz-Zentrum.

Klangschalen kommen während der Meditation ebenfalls zum Einsatz.

Um einen Einblick in Trauermeditation zu bekommen, haben wir mit Frau Hillje, der Persönlichkeitstrainerin, gesprochen und einige interessante Informationen erhalten.

Können Sie zuerst etwas über sich erzählen?

Mein Name ist Heidemarie Hillje, ich bin Autorin, Persönlichkeitstrainerin und Trauerbegleiterin. Ich gebe Seminare für körperzentrierte Herzarbeit, Trauerarbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Durch mehrere Fernsehauftritte bei SAT 1 und RTL bin ich über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden. Mit meiner Arbeit habe ich schon vielen Menschen geholfen, nach schweren Schicksalsschlägen zu neuem Lebensmut und neuer Lebensfreude zu finden.

Welchen Nutzen bringt Meditation?

  1. Die Konzentrationsfähigkeit wird verbessert.
  2. Die physische und psychische Gesundheit wird gefördert.
  3. Abbau von Stress durch Ruhe und Entspannung.
  4. Durch die Kraft der Stille bekommt man mehr Klarheit.
  5. Es entwickelt sich die Fähigkeit, loszulassen.
  6. Blockaden können wahrgenommen und gelöst werden.
  7. Innere Gelassenheit stellt sich ein.

Welche Erfahrungen haben sie gemacht in Bezug auf Meditation für Trauernde? Kann sich jeder auf die meditativen Lösung einlassen?

Meditation ist ein normaler menschlicher Zustand – weder schwierig noch kompliziert. In dem lateinischen Meditari steckt das Wort Mitte, Zentrum, Kern. Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit von Außen nach Innen, von der Oberfläche in die Tiefe, hin zu den Wurzeln. Dabei lernen wir, sorgsam und achtsam mit uns umzugehen. Jede/r der atmen kann, kann auch meditieren. Das endlose Gedankenkarussell für einen Moment anzuhalten, ist heilsam, nicht nur für die Trauernden. Der Blick nach Innen lohnt sich und bringt Klarheit für die Seele. Alle Gedanken und Gefühle sind willkommen, wir halten sie nicht fest, geben keine Energie hinein und lassen sie wie Wolken am Himmel vorüberziehen. In der damit verbundenen Ruhe schöpfen wir Kraft und Zuversicht.

Wie sieht der Ablauf der Trauermeditation aus?

Unser Fokus liegt auf den Abbau von Stress durch Ruhe und Entspannung. Dabei spielt die Körperhaltung und die Atmung einen wichtige Rolle. Sich zu konzentrieren, das fällt trauernden Menschen oft besonders schwer, und viele können sich gar nicht vorstellen, dass das funktioniert. Wer sich auf einen Versuch einlässt, erlebt sich wieder mehr in seinem Körper und in seiner Kraft, bekommt wieder Selbstvertrauen und Zuversicht. Viele der Teilnehmenden kommen ins Staunen und hätten sich das vorher nicht zugetraut. Die Techniken, die ich anbiete, sind schon über 2000 Jahre alt und wirken heute noch genau wie damals. Dabei liegt unser Fokus auf dem Herzen, das heil werden darf, um sich dann wieder für das Leben zu öffnen. Es erfüllt mich mit großer Freude wenn ich sehe, dass es den Menschen besser geht und ich ihnen durch die Meditation einen Weg zeigen darf, um sich selbst zu helfen. Vor allem fördert Meditation ein positives Lebensgefühl und hilft wieder in die innere Balance zu kommen.

Fühlen sich auch junge Menschen angesprochen, im Kreise meditativ zu trauern?

Dem Alter sind beim Meditieren keine Grenzen gesetzt. Es geht um ein sich Einlassen auf eine neue Erfahrung im Kreise Gleichgesinnter. Im Malteser Hospiz Zentrum hier in Fulda sind es eher Erwachsene, die neben den Trauer-Gesprächskreisen den Weg in die Meditation finden.

Dass auch Kinder meditieren können, habe ich in Asien erlebt. In Myanmar zum Beispiel geht jedes Kind einmal im Leben für einige Zeit in ein Kloster und lernt dort Achtsamkeit, Beten und die Kraft in der Stille zu finden. Der Fokus wird auf das Hier und Jetzt gesetzt, und ganz einfache Übungen helfen dabei. Die Meditationsabende  beginne ich immer mit einem Zitat von Elisabeth Kübler Ross, Hildegard von Bingen oder auch von Buddha. Eines davon möchte ich hier den Menschen mit auf den Weg geben.

„Lerne mit der Stille in dir in Kontakt zu kommen und wisse, dass alles im Leben einen Sinn hat. Es gibt keine Fehler, keine Zufälle, alle Geschehnisse sind Geschenke, die uns gegeben werden, um aus ihnen zu lernen“ E. Kübler-Ross

Die gemeinsame meditative Zeit und der Austausch unter den Trauernden unterstützt die Trauerverarbeitung.

Stress? Nein danke – Selbsthilfetag an der Wigbertschule

Stress? Nein danke – Selbsthilfetag an der Wigbertschule

Die Mathearbeit verkackt, Blackout in der Klausur oder im Beruf einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Das alles resultiert aus Stress. Wenn die Erwartungen an uns zu hoch werden, ist Stress die Folge. Jeder von uns war oder ist täglich mit Stress konfrontiert. Gemeinsam mit dem Selbsthilfebüro Osthessen hat move36 an der Wigbertschule in Hünfeld mit Schülern der Jahrgangsstufe 10 einen Selbsthilfetag inklusive World-Café auf die Beine gestellt. Dieser war Teil des Projekts “Wir müssen reden! – junge Selbsthilfe in Osthessen” von move36, Barmer Krankenkasse und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Für alle Beteiligten war der Tag ein voller Erfolg.

„Wer von euch ist oder war mit Stress konfrontiert?“, so die Eingangsfrage von move36-Chefredakteur Bernd Loskant, der die Themenwelt „Wir müssen reden“ vorstellte. Zuerst gingen nur zögerlich ein paar vereinzelte Hände nach oben. „Ihr müsst euch hier nicht schämen. Einige von euch kommen direkt aus einer Mathearbeit. Das ist ja kein Outing, sondern etwas ganz Normales. Jeder hat oder hatte Stress“, relativiert Schulleiter Markus Bente die Eingangsfrage. Danach hoben fast alle die Hände im Saal nach oben.

Denn mit Stress, damit sind Schüler immer häufiger konfrontiert. Vorbereitung auf eine wichtige Klassenarbeit, das benotete Referat für morgen ist noch nicht fertig, und die Hausaufgaben sind abends, nachdem man vom Training im Sportverein oder der Übungsstunde im Musikverein nach Hause kommt, auch noch nicht gemacht. Wenn zu viel auf einmal auf jemanden einprasselt, dann blockiert der Körper irgendwann, und dann kann Stress krank machen. Wie man dem entgegenwirkt, wie man erkennt, dass Stress eine ungesunde Form annimmt und wo man Hilfe findet, darum drehte sich der Vormittag.

Kurze Vorträge durch Karoline Engler vom Selbsthilfebüro Osthessen und der Work-Life-Balance-Trainerin Silke Lange folgten. Karoline bezog die 15- bis 16-jährigen Jugendlichen direkt in ihren Vortag mit ein: „Was versteht ihr unter Stress?“ lautete ihre Frage. Leistungsdruck, Versagensängste, viel zu tun, aber keine Zeit und keinen freien Kopf haben. Das waren die Antworten der Schüler. Silke Lange stellte im Anschluss positiven und negativen Stress gegenüber. Sie erläuterte, dass zu viel positiver Stress an einem Kipppunkt aufgrund großer Reizüberflutung zu negativem Stress werden kann.

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Anregende Gespräche im World-Café

Im Anschluss an die Vorträge trafen sich die rund 80 Schüler in der neuen Mediothek der Wigbertschule, um an unterschiedlichen Tischen im „Wir müssen reden!“-World-Café mit Experten ins Gespräch zu kommen. Bei Getränken und Keksen fand ein reger Austausch statt. Konkrete Beratung erhielten die Schüler an den Tischen von Christine Kircher vom Selbsthilfebüro Osthessen, Karoline Engler, die die Junge Selbsthilfe Osthessen vertrat, Birgit Gustke, Leiterin der Fatigatio Selbsthilfegruppe Fulda, Work-Life-Balance-Trainerin Silke Lange, Moritz Grandis, Gründer der ersten Selbsthilfegruppe „Stress und Prüfungsangst“ an der Hochschule Fulda, Achtsamkeitstrainerin Brigitta Klein, Religionslehrer Gerd Kreß, der die “Stille Pause” an der Schule leitet und bei den Redakteuren von move36.

An den Tischen entstand ein offener Austausch. Die Schüler stellten viele Fragen und zeigten Interesse an der Arbeit der Experten. Viele interessante Gespräche später zeigten sich alle Beteiligten am Ende zufrieden. „Ich denke jeder von euch nimmt heute etwas mit nach Hause. Vielleicht merkt ihr jetzt noch nicht, dass euch der Tag etwas gebracht hat, aber ich bin mir sicher, dass euch in zwei bis drei Tagen oder auch erst in ein paar Jahren etwas bewusst wird“, so die abschließenden Worte von Lehrerin Jana Bormann.video link=”https://www.youtube.com/watch?v=Fmgp62ChvvE&feature=youtu.be”]