Samstagmorgen am Frühstückstisch: Über ein banales Thema entbrennt ein Streit, der Teenie rennt aus dem Zimmer und schreit theatralisch: „Ihr seid scheiße!“ So oder so ähnlich erging es sicher schon zahlreichen Eltern. Gefühlsausbrüche gehören in dieser Zeit zum Alltag. Dabei ruhig zu bleiben, ist für die Erwachsenen alles andere als einfach. Vor allem ist es jedoch für die Teenies eine schwierige Phase. Zum Thema Pubertät referiert beim Osthessischen Gesundheitstag am Samstag Diplom-Psychologin Katharina Bauer.

Ein Text von Sebastian Krenberger der Hochschule Fulda

Als Jugendalter oder Adoleszenz bezeichnet man die Lebensjahre zwischen zehn und 19 Jahren. Diese Zeit ist geprägt von zahlreichen körperlichen und psychischen Entwicklungen. Der Körper wächst in die Länge, das Gehirn hängt mit der Entwicklung dabei hinterher, sodass Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen auftreten können. Dies lässt Heranwachsende zum Teil etwas tollpatschig erscheinen, wenn sie scheinbar über die eigenen Füße stolpern.

Auch das Körpergewicht nimmt zu, was vor allem Mädchen zu schaffen macht. Jungen denken eher darüber nach, wie sie Muskeln aufbauen können, um ihre körperliche Attraktivität zu steigern. Generell spielt der Umgang mit dem anderen und mit dem eigenen Geschlecht eine wichtige Rolle in dieser Lebensphase. Die körperlichen Geschlechtsmerkmale prägen sich aus. Die sexuelle Orientierung zeigt sich zum ersten Mal. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Identitätsbildung.

Eine eigene Identität zu entwickeln, also sich selbst zu finden und ein positives Bild von sich selbst zu erlangen, ist eine große herausfordernde Aufgabe.

Manchen Jugendlichen fällt diese Findungsphase sehr schwer und empfinden sie als verwirrend. Bei einer nicht heterosexuellen Orientierung kommen Bedenken hinzu, sich zu outen, da Bi-, Trans- und Homosexualität leider immer noch nicht als selbstverständlich angesehen werden. Die Jugendlichen haben Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen, vor allem der älteren Generationen. Manchmal kann die Orientierungsphase deswegen bis in ein höheres Lebensalter andauern. Hinzu kommen die Anforderungen in Schule und Ausbildung. Leistungen werden gefordert und man muss sich überlegen, welchen Beruf man ergreifen will. Dabei sind andere Dinge wie Freunde, Musik oder die erste Liebe gerade viel wichtiger.

Die Pubertät wird durch Angst und Unsicherheit gesteuert

Bei kriminellem und gefährlichem Verhalten sollten die Eltern klare Grenzen setzen – aber nicht den Kopf verlieren. Gelassenheit und Feingefühl ist das A und O, auch im Umgang mit den körperlichen Wandlungen während der schwierigen Zeit. Spötteleien oder verklemmtes Gehabe verstärken das Unwohlsein im noch fremden Körper. Vor allem bei Mädchen können sie das ohnehin schwankende Selbstwertgefühl auf Jahre zerstören.

Eskalation vermeiden

Manchmal ist das alles einfach zu viel für die Heranwachsenden und sie ziehen sich zurück, was von den Eltern missverstanden werden kann. Die Teenager suchen die Fehler bei sich und denken, etwas falsch gemacht zu haben. Schnell eskalieren dann scheinbar harmlose Gespräche oder Bemerkungen. Grundsätzlich gehören Auseinandersetzungen zur Entwicklung dazu.

Jugendliche probieren aus, wie die Eltern auf von ihnen vertretene Standpunkte reagieren und ob sie akzeptiert werden. Oft prallen dabei verschiedene Ansichten aufeinander. Wichtig ist, dass die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt werden und eine gemeinsame Lösung gesucht wird. Dann wird auch das gemeinsame Frühstück am Samstag wieder entspannter.column_text css=”.vc_custom_1548837994883{background-color: #c9c9c9 !important;}”]

Der 7. Osthessische Gesundheitstag findet am Samstag, 2. Februar, in der Esperantohalle statt. Organisiert wird er vom Gesundheitsnetz Osthessen, dem Verbund von circa 150 Ärzten aus der Region. Zahlreiche Aussteller aus Fulda und den angrenzenden Landkreisen bieten gesundheitsbezogene Aktionen an ihren Ständen an. Unter dem Thema „Gesundheit und Lebensqualität“ präsentiert die Hochschule Fulda spannende Projekte in der Waideshalle. Ziel des Gesundheitstages ist es, den Informationsfluss zwischen der Bevölkerung, den Patienten, den Angehörigen und den Gesundheitsdienstleistern zu steigern. Der Eintritt ist frei. Los geht es ab 10 Uhr.

Am Osthessischen Gesundheitstag referiert Diplom-Psychologin Katharina Bauer von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Fulda zum Thema „Pubertät- wenn plötzlich alles anders ist!“. Los geht es um 10.45 Uhr in Saal 1.

empty_space]separator]Quellen:

Richter-Unruh, A.; Doerfer, J.; Schwab, K.O. (2018): Körperliche Entwicklung im Jugendalter. In: Stier B.; Weissenrieder, N.; Schwab, K. (Hrsg.): Jugendmedizin. Berlin/Heidelberg: Springer: 3-18.

Siegler, R.; Eisenberg, N.; DeLoache, J.; Saffran, J. (2016): Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. 4. Auflage. Berlin/Heidelberg: Springer.

www.kinderaerzte-im-netz.de/altersgruppen/jugendliche/pubertaet/die-wilden-jahre/haeufige-probleme/

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