Die Mathearbeit verkackt, Blackout in der Klausur oder im Beruf einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Das alles resultiert aus Stress. Wenn die Erwartungen an uns zu hoch werden, ist Stress die Folge. Jeder von uns war oder ist täglich mit Stress konfrontiert. Gemeinsam mit dem Selbsthilfebüro Osthessen hat move36 an der Wigbertschule in Hünfeld mit Schülern der Jahrgangsstufe 10 einen Selbsthilfetag inklusive World-Café auf die Beine gestellt. Dieser war Teil des Projekts “Wir müssen reden! – junge Selbsthilfe in Osthessen” von move36, Barmer Krankenkasse und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Für alle Beteiligten war der Tag ein voller Erfolg.

„Wer von euch ist oder war mit Stress konfrontiert?“, so die Eingangsfrage von move36-Chefredakteur Bernd Loskant, der die Themenwelt „Wir müssen reden“ vorstellte. Zuerst gingen nur zögerlich ein paar vereinzelte Hände nach oben. „Ihr müsst euch hier nicht schämen. Einige von euch kommen direkt aus einer Mathearbeit. Das ist ja kein Outing, sondern etwas ganz Normales. Jeder hat oder hatte Stress“, relativiert Schulleiter Markus Bente die Eingangsfrage. Danach hoben fast alle die Hände im Saal nach oben.

Denn mit Stress, damit sind Schüler immer häufiger konfrontiert. Vorbereitung auf eine wichtige Klassenarbeit, das benotete Referat für morgen ist noch nicht fertig, und die Hausaufgaben sind abends, nachdem man vom Training im Sportverein oder der Übungsstunde im Musikverein nach Hause kommt, auch noch nicht gemacht. Wenn zu viel auf einmal auf jemanden einprasselt, dann blockiert der Körper irgendwann, und dann kann Stress krank machen. Wie man dem entgegenwirkt, wie man erkennt, dass Stress eine ungesunde Form annimmt und wo man Hilfe findet, darum drehte sich der Vormittag.

Kurze Vorträge durch Karoline Engler vom Selbsthilfebüro Osthessen und der Work-Life-Balance-Trainerin Silke Lange folgten. Karoline bezog die 15- bis 16-jährigen Jugendlichen direkt in ihren Vortag mit ein: „Was versteht ihr unter Stress?“ lautete ihre Frage. Leistungsdruck, Versagensängste, viel zu tun, aber keine Zeit und keinen freien Kopf haben. Das waren die Antworten der Schüler. Silke Lange stellte im Anschluss positiven und negativen Stress gegenüber. Sie erläuterte, dass zu viel positiver Stress an einem Kipppunkt aufgrund großer Reizüberflutung zu negativem Stress werden kann.

Anregende Gespräche im World-Café

Im Anschluss an die Vorträge trafen sich die rund 80 Schüler in der neuen Mediothek der Wigbertschule, um an unterschiedlichen Tischen im „Wir müssen reden!“-World-Café mit Experten ins Gespräch zu kommen. Bei Getränken und Keksen fand ein reger Austausch statt. Konkrete Beratung erhielten die Schüler an den Tischen von Christine Kircher vom Selbsthilfebüro Osthessen, Karoline Engler, die die Junge Selbsthilfe Osthessen vertrat, Birgit Gustke, Leiterin der Fatigatio Selbsthilfegruppe Fulda, Work-Life-Balance-Trainerin Silke Lange, Moritz Grandis, Gründer der ersten Selbsthilfegruppe „Stress und Prüfungsangst“ an der Hochschule Fulda, Achtsamkeitstrainerin Brigitta Klein, Religionslehrer Gerd Kreß, der die “Stille Pause” an der Schule leitet und bei den Redakteuren von move36.

An den Tischen entstand ein offener Austausch. Die Schüler stellten viele Fragen und zeigten Interesse an der Arbeit der Experten. Viele interessante Gespräche später zeigten sich alle Beteiligten am Ende zufrieden. „Ich denke jeder von euch nimmt heute etwas mit nach Hause. Vielleicht merkt ihr jetzt noch nicht, dass euch der Tag etwas gebracht hat, aber ich bin mir sicher, dass euch in zwei bis drei Tagen oder auch erst in ein paar Jahren etwas bewusst wird“, so die abschließenden Worte von Lehrerin Jana Bormann.

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