Neue Open-Air-Partys in Fulda: Beim Sunset Feelings gibt’s Rock und Electro

Neue Open-Air-Partys in Fulda: Beim Sunset Feelings gibt’s Rock und Electro

Erst vor ein paar Wochen haben sie durch Zufall noch eine Location für ihr neues Vorhaben gefunden. Marc, Marius und Maximilian sind die drei Köpfe eines 15-köpfigen Team, das dieses Wochenende zwei Open-Air-Partys auf einer Wiese in Petersberg hochzieht – Sunset Feelings Open Air heißt die neue Reihe. 
Vor eineinhalb Monaten musste “alles Schlag auf Schlag gehen”, erzählt Marc Reinke. Der 25-Jährige hat bereits jahrelange Erfahrung im Fuldaer Partyleben. Er ist DJ sowie Veranstalter und hat zum Beispiel beim Schlossklang 2016 eine Lightshow auf die Beine gestellt. In den vergangenen Jahren hat er zusammen mit Maximilian Glisser und Marius Schlott das BigDorfBeatz auf einer gepachteten Wiese bei Melzdorf organisiert. Eher improvisiert und unbürokratisch, wie er erzählt.

Nun wollten sie das Ganze professioneller und größer aufziehen, bekamen aber vor knapp zwei Monaten eine Absage für ihre Ursprungslocation. “Über drei Ecken haben wir dann durch Zufall erfahren, dass der Vater eines Kumpels Vorsitzender beim Verein Ponyfreunde Almendorf in Petersberg ist”, so Marc.

Marc Reinke hat als DJ und Veranstalter bereits jahrelange Erfahrung im Fuldaer Partyleben.

Auf der Wiese des Vereins (im Titelbild zu sehen) können sie nun das Sunset Feeling Open Air zum ersten Mal starten. Am Freitag gibt’s bei der Electronic Edition House, EDM und Hardstyle auf die Ohren, am Samstag bei der Live Edition Rock, Pop und Partycover. Die Planung sei nun ziemlich hektisch gelaufen, “und es ist ein verdammt steiniger Weg, bis man sich selbst organisiert und schließlich auch die Behörden überzeugt hat, dass man weiß, was man macht”, so Marc weiter. Aber nun steht alles, und das Wetter scheint auch super mitzuspielen.
Heiß, laut und blutig: Der Agentenfilm “Anna” ist der heiße Scheiß der Woche

Heiß, laut und blutig: Der Agentenfilm “Anna” ist der heiße Scheiß der Woche

Von der Freundin eines Kriminellen zur Top-Agentin des sowjetischen Geheimdienstes KGB – Diese Rolle hätte sich Model und Schauspielerin Sasha Luss wohl nicht erträumt. Und trotzdem spielt sie genau diese. Ab 18. Juli läuft der Agentenfilm „Anna“ in den Kinos und ist jetzt schon unser heißer Scheiß.

Foto: Ascot Elite, EuropaCorp, Summit Entertainment, Studiocanal

Die attraktive Moskauerin Anna Poliatova (Sasha Luss) wird auf einem Markt in Russland von einem Pariser Modelagenten entdeckt. Dieser ermöglicht ihr ein Leben in der französischen Hauptstadt in den Reihen der High Society.

Aber Anna ist noch viel mehr, als sie vorgibt zu sein. Aufgrund ihrer Stärke und Intellekt wurde sie einige Jahre zuvor von KGB-Agent Alex Tchenkov (Luke Evans) als Spionin für den sowjetischen Geheimdienst rekrutiert. Fünf Jahre soll Anna Tchenkovs Vorgesetzter Olga (Hellen Mirren) und dem KGB dienen. Ihre Aufgabe: Töten. Hauptsächlich russische Staatsfeinde.

Anna scheint die Beste auf dem Gebiet, bis sie merkt, wie sehr ihr Doppelleben langsam zum Problem wird. Und plötzlich soll Anna auch noch für den US-amerikanischen Geheimdienst arbeiten und gegen den Kopf des KGB vorgehen.

Die ersten Szenen handeln hauptsächlich von Annas Modelleben. Doch plötzliche Zeitsprünge zurück in ihre Vergangenheit bringen nach und nach Spannung in den Film. Sprich: deine Augen bleiben auf der Leinwand. Denn im Film stellt sich immer wieder die Frage: Schafft es Anna irgendwann ein freies Leben ohne Gefahr zu leben?

Eine ganze Portion Frauenpower, Spannung und Emotion machen „Anna“ zu unserem heißen Scheiß der Woche.

 

Erstes Propsteipop: Bands sind zufrieden – Zukunft ungewiss?

Erstes Propsteipop: Bands sind zufrieden – Zukunft ungewiss?

Neustart für das Propstei-Festival in Johannesberg. Am Samstag fand das Event erstmals unter dem Namen Propsteipop statt. Leider spielte das Wetter nicht wirklich mit. Das junge Veranstalterteam würde im nächsten Jahr dennoch gerne weitermachen.

Von move36-Praktikantin Aliya Kobiela und Sascha-Pascal SchimmelDas ist eine ziemlich große Aufgabe für Naemi Wetter und Konstatin Füller gewesen. 20 Jahre sind beide gerade einmal alt. Am Samstag haben sie das erste Mal in Eigenregie ein Festival veranstaltet – das Propsteipop in Johannesberg.

Ein bisschen mehr Zuspruch für die erste Auflage des Nachfolgers des Propstei-Festivals hätte man Naemi und Konstantin schon gewünscht. Bis kurz vor knapp haben sie die Werbetrommel gerührt, am Freitagnachmittag noch Flyer in der Fuldaer Innenstadt verteilt. Am Ende werden es 150 bis 200 Musikfans (hier geht es zu einer Fotostrecke) gewesen sein, die sich am Samstag auf den Weg zur Propstei in Johannesberg gemacht haben.

Das Konzept des Propsteipop

Wie viele Besucher genau da gewesen sind, kann Naemi nicht sagen. Gehofft hatte sie auf 300. Einige, die ein Ticket gekauft hatten, seien jedoch nicht gekommen, sagt die Mitorganisatorin. „Das ist wahrscheinlich auch wetterbedingt gewesen.“ Kann echt gut sein. Das Wetter ist am Wochenende wirklich nicht gerade bombig gewesen.

Immerhin hat sich der leichte Regen am Samstag schnell aus dem Staub gemacht. Keine Gefahr also für das erste Propsteipop und die Auftritte der Musiker. Auf der Bühne standen unter anderem die deutschen Bands Razz, Kid Dad und Walking on Rivers. Sie versorgten das Publikum mit Indie-Rock, Alternative Rock und Folk-Rock.

Dass Naemi und Konstatin ausgerechnet diese Art Bands ausgewählt haben, spricht für das Konzept des Propsteipop. Die beiden, die sich bereits seit neun Jahren kennen, wollen mit dem Festival vermehrt junge Leute ansprechen und jungen Künstlern Raum bieten. „Mit dem diesjährigen Genre Indie-Rock wollen wir jüngere Leute erreichen, von denen es in Fulda unter anderem durch die Hochschule viele gibt“, sagt die 20-Jährige.

Naemi und Konstantin würden gerne weitermachen

Gegen Abend ist es am Samstag auf dem Propsteipop in Johannes dann noch richtig stimmungsvoll geworden. Nachdem die Sonne untergegangen war, tauchten Scheinwerfer die gesamte Location in sanftes, verschiedenfarbiges Licht. Genau richtig, um abzuschalten und die Musik zu genießen. Naemi und Konstantin hingegen hatten da noch einiges zu tun – und für den kommenden Morgen stand auch noch der Abbau auf dem Plan.

Wie geht es mit dem Festival nun weiter? Naemi sagt, sie hätten durchweg positives Feedback bekommen – auch die Bands seien zufrieden gewesen. Sie und Konstantin würden nächstes Jahr sehr gerne weitermachen mit dem Propsteipop. „Das ist allerdings auch eine Frage des Geldes.“ So ein Event muss sich halt erst einmal finanzieren.

“Das ist Wahnsinn”: Festival-Report vom Haune-Rock 2019

“Das ist Wahnsinn”: Festival-Report vom Haune-Rock 2019

Der Stress und das Zittern während der vergangenen Woche haben sich gelohnt. Organisator Sascha Ruppert ist mehr als zufrieden mit der dritten Auflage des Haune-Rock in Odensachsen. In den Tagen vor dem Start ist er jedoch mehrfach gefragt worden, ob das Festival dieses Jahr abgesagt wird.
Als auf dem Haune-Rock 2018 die letzten Brötchen gegessen waren und der Festplatz in Odensachsen vollkommen geräumt gewesen ist, konnte Sascha Ruppert erst einmal durchschnaufen. Ab zu den Schwiegereltern und ein paar Bier auf das gelungene Festival bei Mörderhitze trinken. „Nach zwei Flaschen waren wir aber alle schon richtig platt“, erzählt der Organisator des Festivals move36 im Rahmen des Haune-Rock 2019. Das Event hatte am ganzen Team ordentlich gezehrt.

Dieses Jahr dürfte es Sascha nicht anders gehen. Von Hitze blieben die Veranstalter und die Besucher bei der dritten Auflage des Festivals zwar verschont. Dafür hat es teilweise ziemlich geschüttet.

Aussichten verunsichern Haune-Rock-Fans

Die Woche vor dem Beginn des Events ist für Sascha kein Zuckerschlecken gewesen. Die Wetterdienste meldeten für das gesamte Wochenende Regen und Gewitter. Was für ein Mist. Kann ja keiner wissen, wie viel es wirklich schütten, wie heftig es donnern und blitzen würde. „Mich haben einige Leute auf Facebook angeschrieben und gefragt, ob das Haune-Rock abgesagt wird“, sagt Sascha. Das Festival ist zwar erst drei Jahre alt. Dennoch hat es bereits über die Region Osthessen hinaus Fans gewonnen. Dieses Jahr kamen Besucher aus Göttingen, Aschaffenburg oder den Niederlanden. Manche sind bereits das dritte Mal dabei gewesen.

Am Freitag schaut es dann schließlich endgültig gut aus für das Festival. Klar, Regen – und ein paar Blitze irren am Himmel umher. Eine Absage steht da aber nicht im Raum. Für die Besucher gilt es halt, entweder ungeschützt dem Regen zu trotzen, oder sich etwas einfallen zu lassen. Während des Auftritts der Band Mandowar, die mit ihren Mandolinen sehr eigene Interpretationen von Metal-Klassikern wir „Fear of the dark“ von Iron Maiden auf die Bühne zaubern, schnappen sich zwei Gruppen Plastikplanen und spannen sie über ihre Köpfe.

Radio Havanna fackeln nicht lange

Bereits vor den Mandolinen-Rockern hatten die Punk-Rocker von Radio Havanna einen beachtlichen Auftritt am Freitagnachmittag in Odensachsen. Mit Pyrofackeln ließen die Suhler es auf und abseits der Bühne brennen. Zwischendurch verteilten sie ein paar „Pfeffi“ an die Crowd. Am Ende regnete es bunte Papierschnipsel vom Himmel.Zu diesem Zeitpunkt ist Organisator Sascha heilfroh, dass alles so gut läuft – und dass die Zuschauer mitziehen. Vor dem Auftritt der Band Thunder Mother steigt er auf die Bühne und richtet sich an die Haune-Rock-Fans: „Es ist echt Wahnsinn, was ihr hier trotz des Wetters macht.“

Thunder Mother sind dann eines der Hightlights der 2019er Auflage des Festivals. Sowohl für Sascha, als auch für viele Besucher, mit denen wir gesprochen haben. Echter Hardrock eben. Die Band aus Schweden besteht ausschließlich aus Frauen. Wer nicht in Odensachsen gewesen ist, hat dieses Jahr noch einmal die Chance, sie in der Region live zu sehen. Mitte August treten Thunder Mother auf dem Rhön-Rock in Hünfeld-Oberfeld auf.

Killerpilze surfen auf dem Haune-Rock

Am Samstag ist schließlich Tag der großen Namen auf dem Haune-Rock 2019. Als vierte Band treten am Abend Extrabreit auf. Die Jungs – oder Herren –  sind während der Zeit der Neuen Deutschen Welle so richtig bekannt geworden. An sich handelt es sich aber um Alt-Punk-Rocker. Einer ihrer Hits: „Hurra, hurra die Schule brennt“.

Als anschließend die Killerpilze, die sich „Die gefährlichste Band der Galaxie“ nennen, auftreten, kocht die Crowd. Frontman Jo Halbig surft zwischenzeitlich auf dem Publikum. „Die haben zwei Songs gebraucht, und schon hatten sie das Publikum im Griff“, sagt Sascha. Den Abschluss des Haune-Rock 2019 machen Samstagnacht One Step Closer, eine „Linkin Park“-Tribute-Band. Für Organisator einer der absoluten Höhepunkte des Festivals – als absoluter Fan der us-amerikanischen Nu-Metal-Band. Mit einem Feuerwerk setzen die One Step Closer den knallenden Schlusspunkt des Festivals.

2020 wird noch größer

Sascha Ruppert ist mit der dritten Auflage des Haune-Rock mehr als zufrieden. Trotz des schlechteren Wetters seien mehr Leute als 2018 gekommen, sagt er. „Wir haben für jeden Tag etwa 1000 Tickets verkauft.“

Die Planungen für 2020 haben derweil schon vor einigen Wochen begonnen. Was genau die Besucher dann erwartet, verrät Sascha noch nicht. Das Festival werde jedoch größer werden, sagt er – und hat dabei die Bands, die auftreten werden, im Blick.

Broadway-Feeling in Fulda: „Der Medicus“ feierte Premiere

Broadway-Feeling in Fulda: „Der Medicus“ feierte Premiere

Ein Publikum, das immer wieder „Bravo“ ruft und Glücksschreie ausstößt, ein Ensemble, das gar nicht aufhören will zu spielen, und ein Abend, der so reich an Gänsehaut-Momenten, ekstatischer Freude und atemberaubenden Choreografien ist, das man glaubte, am Broadway zu sein und nicht im Schlosstheater: Beim Fuldaer Musicalsommer wurde nach der „Päpstin“ mit dem „Medicus“ auch die zweite Premiere frenetisch gefeiert.

Ein Text von Bernd Loskant

Bereits im vierten Jahr wird das Musical nun auf der Bühne des Schlosstheaters aufgeführt, und wer es noch nicht gesehen hat, sollte in den nächsten Wochen die Gelegenheit nutzen – im nächsten Jahr wird es wegen des neuen “Robin-Hood”-Musicals aus der Feder von Dennis Martin und Chris de Burgh keine Wiederaufnahme geben.

Samstagabend, kurz nach halb acht. Die Stimmung ist überschäumend, wie auch Spotlight-Produzent Peter Scholz registriert. „So viel Applaus schon vor der Aufführung, das ist neu“, ruft er den Gästen zu. Dann verweist er darauf, dass der „Medicus“, der vor 1000 Jahren spielt, viele aktuelle Bezüge habe. Denn es geht auch um das Verhältnis von Christentum, Judentum und Islam und letztlich um die friedliche Koexistenz der Kulturen.

Ein Ensemble, das kaum zu stoppen ist

Nicht umsonst wurde das Buch von Noah Gordon vor einiger Zeit zu den beliebtesten Büchern aller Zeiten gewählt. Die Geschichte des jungen Christen Rob Cole, der von England aus ins ferne Isfahan in Persien reist, um sich dort von einem der besten Ärzte seiner Zeit ausbilden zu lassen, fasziniert in seiner Buchform, als Film – und nicht minder in der Musical-Fassung.

Choreografisch ist das Musical zweifellos das aufwändigste der bisherigen Spotlight-Produktionen. Das Ensemble der Tänzer ist kaum zu stoppen, legt auch nach Ende der Aufführung noch einmal die besten Nummern aufs Parkett – und selbst bei der Premierenparty sind die Jungs und Mädels nicht müde und wirbeln über den Dancefloor im Foyer des Schlosstheaters. Auch schauspielerisch steigt das Niveau von Spielzeit zu Spielzeit. Viele der Darsteller aus den vergangenen Jahren erkennt das Publikum wieder, und besonders heraus sticht in diesem Jahr Christian Schöne. Der Typ, der 2012 im Borat-Anzug bei DSDS nicht nur positive Schlagzeilen machte, ist unglaublich gereift und gehört inzwischen zur ersten Garde der deutschen Musical-Darsteller. Gerade noch als Anastasius bei der „Päpstin“ auf der Bühne, ist er als Schah Karim der heimliche Star im „Medicus“, wie der immer wiederkehrende Szenenapplaus für den Künstler zeigt.

Doch es sind nicht nur die Profis wie „Medicus“ Sascha Kurth oder Johanna Zett (seine große Liebe Mary Cullen), die begeistern. Das gesamte Ensemble wirkt extrem gut eingespielt – und auch die Lokalmatadoren Jörg Alt und Torsten Paul müssen sich hinter den professionellen Darstellern nicht verstecken. Das gilt im Übrigen auch für die Kids, die den jungen Rob Cole und seine Schwestern spielen: Colin Cäsar sowie Lucy und Romy Babilon.

Bis zum 4. August hast du noch die Chance

Wer den „Medicus“ schon mal gesehen hat, wird sich übrigens bei der neuen Fassung nicht langweilen. Wieder wurde an Details der Show gefeilt und getüftelt, so dass es auch für „Wiederholungstäter“ immer wieder Überraschungsmomente gibt.

Bis zum 4. August wird der „Medicus“ im Schlosstheater aufgeführt. Tickets für die Vorstellungen, die noch nicht ausverkauft sind, gibt es unter anderem bei den Geschäftsstellen der Fuldaer Zeitung.

“Fulda hätte ausgerockt”: Djane für kulturelle Freiräume

“Fulda hätte ausgerockt”: Djane für kulturelle Freiräume

Diesen einen Satz, wir hören ihn immer wieder, gerade von jungen Leuten: “Fulda hat zwar viel zu bieten – aber…” Dieses Aber meint vor allem fehlende Subkultur und kaum Entfaltungsmöglichkeiten für die verschiedenen Szenen, es meint das Sterben zahlreicher Locations in den vergangenen Jahren wie Klangkeller, Café Panama oder die Sonne.

Für die aktuelle Sommerausgabe haben die move36-Redakteure Sascha und Daniel möglichst viele Kulturschaffende und Szenekundige gefragt, ob Fulda bald im Einheitsbrei ertrinkt – und: wessen Initiative eigentlich gefragt ist, dass es wieder mehr Nischenkultur gibt? Ein umfassender, streitbarer Blick auf Fuldas Szenen mit so vielen Stimmen, dass du in den kommenden Wochen online bei uns noch mehr Meinungen und Interviews zum Thema liest. 

Verena Schulenberg ist Djane und organisiert die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum mit.

Heute: Verena Schulenberg (43) engagiert sich ehrenamtlich beim Jugendhilfeverein Youropa sowie in der Nähbar und dem Kleidertauschladen in der L14zwo. Zudem ist sie Djane beim Musikkollektiv Zirkeltraining und organisiert die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum im Umweltzentrum (im oberen Bild zu sehen) mit. Um in der Stadt wieder mehr kulturelle Freiräume zu etablieren, hat sie einen interessanten Vorschlag: eine/n “Subkultur-Botschafter/in”

Was verstehst du unter Subkultur?

Subkultur ist für mich eine Kultur jenseits der großen Institutionen oder des großen kommerziellen Erfolges – eine Kultur, die ein urbanes Lebensgefühl weckt und lebt, das Menschen zusammenbringt und so durch Begegnung und Spannung zur Identifikation mit der Heimatstadt beiträgt.

Und wie ist es um die Subkultur in Fulda und Umgebung bestellt? Was geht, und was fehlt?

Generell werden viele Veranstaltungen, die junge Leute ansprechen, die sich Jugendliche und Studenten leisten können, von Privatpersonen und Initiativen organisiert. Diese opfern ihre Freizeit für das Image der Stadt – ohne dieses Engagement hätte Fulda längst “ausgerockt”. Zum Beispiel die Kulturwoche Genießen unterm Apfelbaum oder die Partys vom International Soundclash. Es fehlen aber Orte für Soziokultur, wo Musikveranstaltungen und Partys stattfinden können. In Kneipen und Bars kann man schließlich nicht tanzen.

Wer ist vor allem gefragt, hier Initiative zu ergreifen?

Meiner Meinung nach braucht es eine stärkere Vernetzung der Szene, einen Zusammenschluss der Fuldaer Kulturschaffenden, zum Beispiel in einer IG Subkultur (Anm. d. Red. Interessengemeinschaft Subkultur), die in Dialog gehen sollte mit der Stadt Fulda. Nicht nur meckern, sondern machen. Veranstaltungen wie das Genießen unterm Apfelbaum zeigen: Engagement wird von der Stadt unterstützt. Klar, da ist noch viel Luft nach oben. Aber ich bin mir sicher, es finden sich Lösungen, wenn man miteinander spricht. Auch die Studenten der Hochschule, die inzwischen über zehn Prozent der Fuldaer Bevölkerung ausmachen, sind gefragt sich zu engagieren.

Du siehst also auch die Jugend selbst in der Verantwortung, sich Angebote zu schaffen. Was aber kann man an der Stadt kritisieren?

Es braucht einen strukturellen Identitäts- und Imagewandel, der zulässt, dass es mehr soziokulturelle Angebote gibt, der zulässt, dass leerstehende Räume kreativ genutzt werden können. Es gibt in Fulda Kulturorte, die nicht jeden Tag genutzt werden, wie zum Beispiel den Kulturkeller. Diese sollten Bands oder DJ-Kollektive sowie andere Kulturschaffenden gegen geringe Nutzungsgebühren zur Verfügung gestellt werden. Man könnte zudem eine/n „Subkultur-Botschafter/in“ installieren, der/die als Vermittler/in für ein besseres Zusammenspiel von Stadt und Szene sorgt. Hier könnte man eine kontinuierliche Arbeitsgruppe etablieren, die schaut, welche Räume nutzbar sind, oder beispielsweise bei Konflikten mit Anwohnern wegen der Lautstärke Lösungen findet. Sie sollte dafür sorgen, dass die freien Szenen, die Jugendkulturen wieder mehr Platz in der Stadtentwicklung bekommen.

Zum Schluss ein paar offene Worte: Was wünschst du dir für Fulda?

Ich wünsche mir, dass die Stadt versteht, dass zur Lebensqualität und Lebendigkeit einer wachsenden und sich verändernden Stadt auch gehört, dass Künstlerinnen und Künstler jenseits der großen Institutionen oder des großen kommerziellen Erfolges nicht verdrängt werden, dass alternative Klubkultur – fern ab von S-Club und Musikpark – auch ihren Platz bekommt. Dort, wo Stadt oder städtische Beteiligungsgesellschaften Gebiete entwickeln, sollte der freien Szene sowie der Sub- und Jugendkultur wieder systematisch ein angemessener Stellenwert eingeräumt werden, ohne am gleichen Standort Wohnbebauung oder das zigste Hotel in Fulda zu planen. Das kann ich sonst echt nicht ernst nehmen.

Das Cover der aktuellen Ausgabe, Titelthema: Verschwindet in Fulda die Subkultur? 

#81, Magazin, Subkultur, Szene, move36