“Eltern sollten ihren Kindern ihre Geheimnisse lassen” – Warum das Geheime so wichtig für uns ist

“Eltern sollten ihren Kindern ihre Geheimnisse lassen” – Warum das Geheime so wichtig für uns ist

Wir alle verheimlichen etwas – ob Drogenkonsum, Seitensprung oder nur das Rezept für den besten Hackauflauf der Welt. Manches teilen wir, manches nehmen wir mit ins Grab. Welchen Sinn haben Geheimnisse? Wie wichtig sind sie für uns? move36-Redakteur Daniel hat sich für die am morgigen Donnerstag erscheinende Ausgabe mit dem Heimlichen beschäftig und dafür die Fuldaer Jugendtherapeutin Madlen Senf zu Rate gezogen. Hier liest du das komplette Interview mit der 31-Jährigen. 

Warum haben Menschen Geheimnisse?

Menschen haben Geheimnisse weil sie befürchten, dass ihre private Identität oder soziale Integrität beschädigt werden könnte. So versuchen wir, etwas im Geheimen zu halten, das für uns unangenehm, peinlich oder schambesetzt ist oder uns vielleicht sogar gefährlich erscheint. Wir haben Sorge, von anderen nicht mehr gemocht zu werden. Das Geheimnis dient somit wohl am meisten zum Selbstschutz.

Ist das ein großes Thema unter Jugendlichen bei Ihnen?

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Die Fuldaer Jugendtherapeutin Madlen Senf

Ja. Die Gewissheit, dass das Erzählte nicht weitergegeben wird, ermöglicht den Jugendlichen, auch stark schambesetzte Themen zu besprechen. Voraussetzung hierfür ist natürlich Vertrauen und eine gute therapeutische Beziehung. Natürlich ist mir bewusst, dass auch ich nicht immer alles erfahre. Aber auch Geheimnisse vor Therapeuten sind nicht unbedingt schlecht. Vor allem dann nicht, wenn sie mit Freunden geteilt werden, wo sie gut aufgehoben sind.

Wie wichtig sind Geheimnisse für Jugendliche?

Im Jugendalter zwischen 11 und 18 haben Geheimnisse einen gesonderten Stellenwert. Die Jugendlichen müssen neue Rollen in Freundschaften ausprobieren, Abgrenzung und Durchsetzungsfähigkeit lernen und mit den Gleichaltrigen mithalten, um anerkannt zu werden. Besonders wichtig sind in diesem Lebensabschnitt die Identitätsentwicklung sowie die Entwicklung von Autonomie und somit auch der Aufbau eines selbstständigen Lebens. Und hier kommen die Geheimnisse ins Spiel. Geheimnisse setzen Grenzen, erhöhen die Unabhängigkeit und sind ein Teil der Privatsphäre. Sie sind ein wichtiger Schritt in ein selbstständiges Leben. Eine wichtige Rolle nimmt hierbei die Peergroup (Gruppe der Gleichaltrigen) ein. Sie ermöglicht den Jugendlichen, sich auszutauschen, verstanden zu werden und ein eigenes Norm- und Wertesystem aufzubauen. Geheimnisse, die hier geteilt werden, stärken das Zugehörigkeitsgefühl. Sie sind das Bindemittel, das in Freundschaften Vertrauen schafft, und sie helfen, sich emotional von den Eltern abzulösen

Was behalten Jugendliche vor allem für sich?

Während sich bei kleinen Kindern Geheimnisse eher um Gegenstände drehen, geht es im Jugendalter vielmehr um Gefühle, vor allem um Scham. Die Geheimnisse Jugendlicher drehen sich um Liebe und Sexualität, Konflikte in der Gruppe der Gleichaltrigen. Aber auch delinquentes Verhalten sowie Drogen- oder Alkoholkonsum halten sie aus Angst vor möglichen Konsequenzen oder Nichtverständnis geheim. Daneben geht es, wie schon gesagt, um die emotionale Abgrenzung gegenüber den Eltern. Und das muss auch genauso sein.

Bis wann? Gibt es Grenzen?

Natürlich ist es ein schmaler Grat zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Schutz des Kindes. Eltern möchten ihre Kinder gerne vor allem schützen; ihre Gedanken und Gefühle kennen und sie vor möglichem Unheil bewahren. Haben sie das Gefühl, dass ihnen ihr Kind etwas vorenthält, werden sie neugierig und gehen auf Spurensuche. Dass aber das Hinterherschnüffeln wie Tagebuch lesen oder im Handy stöbern einen massiven Vertrauensbruch darstellt, ist den meisten Eltern so nicht bewusst. Privatsphäre hat nicht nur etwas mit Respekt und Vertrauen zu tun, sondern vor allem mit Loslassen. Und das fällt den meisten Eltern verständlicherweise nicht leicht.

Vielleicht hilft der Gedanke, dass der Bereich, den Eltern im Jugendalter beeinflussen können, sowieso äußerst gering ist. Sie sollten daher ihren Kindern ihre Geheimnisse lassen und ihnen eigene Erfahrungen ermöglichen. Es gibt einfach Dinge, die Eltern nicht wissen müssen. Denn umso mehr sie ihre Kinder bedrängen, desto mehr schotten sie sich ab.

Warum ich lieber mit Freunden als mit Fremden schlafe

Warum ich lieber mit Freunden als mit Fremden schlafe

Zum internationalen Tag der Freundschaft am Donnerstag hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Studie rausgebracht. Das Thema, klar: Freundschaft. Eine der Fragen: Ist Sex unter Freunden okay? Redakteurin Josi ist dazu derselben Meinung wie etwa ein Drittel der Deutschen. Und erklärt euch auch, warum.

Ist Sex unter Freunden okay oder nicht? So lautete eine der Fragen, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Rahmen einer Umfrage 2045 Erwachsenen gestellt hat. Jeder Dritte sagt: Ja. „Friends with benefits werden nun anscheinend von der breiten Bevölkerung akzeptiert“, sagt Soziologe Janosch Schobin von der Universität Kassel. Gut so, sage ich. Warum sollte man sich in Zeiten von flexiblen Arbeitszeiten und Work-Life-Balance gerade bei der schönsten Nebensache der Welt festlegen müssen? Der Spaß sollte im Vordergrund stehen.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass keiner von beiden mehr will, klar. Denn dann leidet die Freundschaft. Laut YouGov-Umfrage befürchten 60 Prozent der Befragten diesbezüglich ein Risiko. Als ich bei uns im Büro in den Raum frage, wie meine Kollegen das sehen, bekomme ich als Antwort: „Wenn man’s vorher ausgemacht hat, ist Sex unter Freunden okay.“ Kommunikation heißt eben das Zauberwort. In jeder Beziehung. Auch nach dem Sex noch: Kommen bei einem Gefühle hoch, sollte man drüber reden.

Sex ohne Liebesbeziehung kam erstmals in den 80ern zur Sprache

Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass ich lieber mit Freunden als mit Fremden schlafe. Denn ganz ehrlich: Wenn ich nicht gerade in einer festen Beziehung bin, geht es doch beim Sex eh nur um körperliche Befriedigung. Und die hole ich mir lieber bei jemandem, den ich schon lange kenne, sowieso gerne habe und obendrein noch sexuell anziehend finde, als bei irgendeinem dahergelaufenen Typen.

Komischerweise war von Sex ohne Liebesbeziehung trotzdem erst in den 80ern erstmalig die Rede – nämlich in Zusammenhang mit der Schwulenszene. Unter Heteros war das Thema scheinbar noch eine ganze Weile verpönt. Und auch heute geht vielleicht nicht jeder d’accord mit meiner Meinung. Doch ich finde, wenn man seine intimsten Geheimnisse teilt, kann man auch mal zusammen in die Kiste springen. Solange keiner verletzt wird.

Onlinedating – wahre Chance oder Massenabfertigung?

Onlinedating – wahre Chance oder Massenabfertigung?

Für jeden bedeutet Onlinedating etwas anderes: die große Liebe, zwanglose Schäferstündchen, tausende qualvolle Dates … Fakt ist, dass diese Apps nicht mehr aus unserem Liebesleben wegzudenken sind. Aber können wir deshalb unsere Liebe nur noch im Internet finden? Ich fände das sehr schade.

Ein Text von Lorena Zapke

Ich nutze Tinder nun seit eineinhalb Monaten, und bis jetzt ist noch nichts Ordentliches dabei rausgekommen. Viele Freunde und Bekannte sagten mir, dass das ganz normal sei, es dauere eben so wie im „echten Leben“. Das mag sein, aber im „echten Leben“ sortiere ich nicht aus tausenden Kandidaten die “besten” aus. Pro Tag hatte ich mehrere Matches, da sollte man doch meinen, dass da mal einer dabei ist. Aber weit gefehlt. Stattdessen schreibe ich mit einer Menge Typen, die mich mittlerweile fast alle nur langweilen. Chatten finde ich ohnehin anstrengend, aber Tinder stellt mein empfindliches Nervensystem besonders hart auf die Probe. Ich habe 24 offene Chats, und in allen führe ich quasi dasselbe Gespräch. Was ich beruflich mache, was meine Hobbys sind usw. Natürlich ist es schwer, den Anfang eines Gespräches zu finden. Aber in Tinder scheinen alle das Leben des Gesprächspartners auf einer Checkliste abzuhaken.

Tinder – ein Schubladensystem

Tatsächlich kann man Tinder gut mit einem Schubladensystem vergleichen, das nach gut und schlecht aussortiert. Entspricht man dem Typ des beurteilenden Menschen, darf man eine Schublade weiter.

Schublade 1: Aussehen. Wer das nicht übersteht, wird „weggeswiped“.

Das ist zweifelsohne der schlimmste Teil der Aussortierung. Denn die Typen, die man sich dabei herausfischt, sind nicht unbedingt immer die nettesten beziehungsweise passendsten. Als ich auf reisen war, habe ich zwei Typen kennengelernt, die nicht schlecht aussahen, aber so gar nicht mein Typ gewesen wären. Hätte ich ein Bild von ihnen auf Tinder gesehen, hätte ich es wohl weggewischt. Aber so verbrachten wir mehrere Wochen fast jeden Tag miteinander und gingen oft feiern. Ich glaube, ich habe selten so viel gelacht wie mit ihnen. Ab und zu haben wir auch mal über ernstere Themen gesprochen und ihre Weltanschauung war einfach atemberaubend. Ich hätte sie am liebsten gleich beide geheiratet, Polygamie ich komme! Auch meine Cousine, mit der ich sieben Monate gereist bin, beteuerte immer wieder, dass sie charakterlich eine 20 von 10 sind. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dass ich diese Menschen niemals kennengelernt hätte, nur wegen eines Bildes, das ich weggewischt hätte, könnte ich weinen. Aber um zu erkennen, hinter welchem Bild ein solcher Typ steckt, müsste ich mit jedem zweiten in Kontakt treten. Da kämen locker mal 1000 Chats zusammen. Klingt sehr anstrengend.

Schublade 2: Beziehung oder etwas Lockeres?

Die meisten Singles sind da streng und haben sich schon genau überlegt, worauf sie ausschließlich aus sind. Deshalb wird diese Frage auch gleich am Anfang gestellt. Stimmt dieser Punkt nicht überein, wird die Konversation sofort abgebrochen, alles andere hätte ja auch keinen Sinn – oder?

Und last but not least Schublade 3: Das formelle Grundpaket muss stimmen.

Hat sie ein zeitaufwendiges Hobby? Da bleibt nicht mehr viel für den Geliebten übrig. Hat er keinen guten Beruf? Das ist ihr zu perspektivlos. Das hat nichts mehr mit Chemie und Spontanität zu tun. Hier zäumt man das Pferd von hinten auf. Erst prüft man alle kleinen Dinge, und dann kann es zum Rest kommen. Lernt man einen Menschen face to face kennen, legen einem solche Dinge keine Steine in den Weg, weil man den Menschen an sich, seine Ausstrahlung, seinen Charakter gern hat.

Gründe, warum Onlinedating nicht für jeden funktioniert

Natürlich waren Aussehen, Hobby und Beruf schon immer wichtige Fragen beim Daten, aber bei den vielen möglichen Kandidaten werden sie zu einem Ausschlusskriterium. Irgendwann wird man so wählerisch, dass am Ende niemand mehr übrig bleibt. Durch die Art, wie wir die Menschen hinter den Profilen aussortieren, jagt man „Mr. Right“ hinterher wie einer begrenzten Ware in einem Kaufhaus. Keiner ist gut genug, es könnte ja immer jemand “besseres” kommen. Dabei sollte das Endergebnis doch eigentlich Liebe oder Spaß sein, oder?

Die einzige Möglichkeit dem entgegenzuwirken, ist, sich einfach mal zu treffen. Irgendwann habe ich einige Typen gefragt, wie lange sie brauchen, bis sie ein Mädchen nach einer Verabredung fragen. Und die meisten antworteten, dass es ein paar Tage bis Wochen dauern könnte, wenn es überhaupt passt und sie das Mädchen sympathisch finden. Liebe Männer, bis ihr euch dazu entschlossen habt, mit mir auszugehen, wohne ich schon lange nicht mehr hier!

Weniger Fassaden und Missverständnisse

Vermutlich ist es auch die Angst davor, was da jetzt nach so langer Zeit des Schreibens rauskommt. Deshalb ist es, denke ich, immer noch am besten einen Menschen zufällig kennenzulernen. Dann hast du ihn nicht vorher mit tausend anderen verglichen und dir jede Menge Erwartungen gemacht. Ihr redet direkt miteinander und die Körpersprache sagt dabei oft mehr, als jedes eurer Worte. Ist er wirklich interessiert? Finde ich ihn überhaupt sympathisch so wie er sich gibt? Jeder kann selbst bei einem kurzen Gespräch abschätzen, ob man mehr möchte oder nicht. Es gibt weniger Fassaden und Missverständnisse, und dein Gegenüber antwortet dir sofort, während er oder sie beim Schreiben länger überlegen kann.

Natürlich begegnet man nicht ständig „Mr. Right“. Dann wäre er auch nichts Besonderes. Dennoch ist es mir lieber, ihm zu begegnen, als ein Foto von ihm in einer App nach rechts oben zu wischen. Für mich wird weiterhin die nächste Bar oder der nächste Club die beste Dating-App bleiben, auch wenn Onlinedating für den ein oder anderen eine tolle Ergänzung oder Chance bietet.column_text css=”.vc_custom_1527238701023{margin-top: 10px !important;margin-right: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;margin-left: 10px !important;border-top-width: 2px !important;border-right-width: 2px !important;border-bottom-width: 2px !important;border-left-width: 2px !important;padding-top: 10px !important;padding-right: 10px !important;padding-bottom: 10px !important;padding-left: 10px !important;border-left-color: #75bc3a !important;border-left-style: dotted !important;border-right-color: #75bc3a !important;border-right-style: dotted !important;border-top-color: #75bc3a !important;border-top-style: dotted !important;border-bottom-color: #75bc3a !important;border-bottom-style: dotted !important;border-radius: 5px !important;}”]Für das kommenden move36-Magazin hat Redakteurin Josephin Dating-Apps mal genauer unter die Lupe genommen und berichtet zudem davon, wie sich ihre eigene Einstellung gegenüber Tinder & Co. gewandelt, nachdem sie Erfahrungen gesammelt hatte.

Von kleinen Schwestern und Streitereien

Von kleinen Schwestern und Streitereien

Wer kennt das nicht: Freundschaft, Liebe, Konkurrenz und Eifersucht. In kaum einer anderen Beziehung liegen Liebe und Hass so nah beieinander wie unter Geschwistern. So wie man sich streitet, so verträgt man sich, so wie man sich verletzt, verzeiht man einander. Ist Streit immer schlimm?

Ein Text von Sanja Winhold 

Wenn ich an meine 17-jährige Schwester Verena denke, verspüre ich oft Sehnsucht. Ich denke gerne an die Zeit von früher zurück. Es sind die Momente, die man für selbstverständliche hält, die das Zusammenleben so toll machten. Das morgendliche Treffen im Bad, die Gespräche vor dem Schlafengehen, bei denen keine von uns müde werden wollte. Die wolkigsten Tage bei Kälte und Regenwetter gehörten zu den Schönsten. Spiel des Lebens war unser Klassiker. Heute leben wir das Brettspiel ohne Brett.

Wie gesund ein Schwestern-Fight sein kann

Doch wie alle Geschwister stritten wir natürlich. Machtkämpfe waren das Thema Nummer eins. Wir beide wollten das Sagen haben. Und wir haben wir uns nicht gerade sittlich verhalten. Haaren ziehen, petzen, manchmal sogar beißen – was Schwestern eben so machen. Das waren Kräfte, die gemessen werden mussten – als hätte man zwei wild gewordene Löwen nach einem Jahrzehnt aus einem Käfig befreit. Doch sind solche Attacken immer schlecht? Was sagen Experten dazu?

Pädagogin und Bloggerin, Stefanie Wenzlick aus München sagt, dass Streit unter Geschwistern gesund sei, solange der Streit nicht eskaliere. Kinder lernen im Streit, wie man Konflikte löst und Kompromisse findet. Die Geschwister würden auf diese Weise nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Gegenüber dadurch besser kennenlernen. Auch wie sie eigene Grenzen ziehen und die der anderen respektieren, wird ihnen im Zoff klar. Zudem lernen sie dabei, sich in den anderen hineinzuversetzen, ihre eigenen Gefühle zu zeigen und die eigene Meinung zu vertreten, ohne den anderen zu verletzen. Man verstehe dadurch, dass nicht alle Menschen gleich sind. Durch Streit lerne man am besten, damit umzugehen.

Trotz Streit ein Herz und eine Seele

Stefanie Wenzlick nennt Gründe, wieso gerade Geschwister mehr streiten als Freunde. Ein Spielkamerad könne den Streit jederzeit beenden, indem er einfach weggeht. Der Druck, eine Lösung für den Konflikt zu finden, sei hier schwächer. Schließlich lebe man mit seinem Kontrahenten nicht unter einem Dach. Unter Geschwistern müsse eine Lösung her, damit man wieder zusammenhalten und friedlich miteinander leben könne. Doch wie stellt man das an?

Meine Schwester und ich hatten ein altbewährtes Verhaltensmuster, nachdem bei uns die Fetzen geflogen waren. Wir gingen uns erst mal aus dem Weg, jeder in sein Zimmer, jeder in sein Schneckenhaus, um sich richtig auszukotzen. Wenn sich das Gewitter wieder gelegt hatte, konnten wir wieder miteinander reden, als sei nichts gewesen. Im Grunde genommen war klar, dass wir uns früher oder später versöhnen. Innige Umarmungen von ihr machten es eigentlich schon wieder gut, außerdem kann ich auf sie nicht lange sauer sein. Und das ist heute noch so.

Lass sie streiten – und sich vertragen

Also – falls du kleine Geschwister oder schon Kiddies hast, lege nicht jeden Zoff auf die Goldwaage. Das Kräftemessen ist ganz normal und gut für die soziale Entwicklung. Lass sie ihren Zwist selbst beilegen. Das müssen sie lernen. Und falls es mal heftiger war und eine Versöhnung für den Moment undenkbar erscheint, reicht vielleicht ein kleiner Stupser, dass einer auf den anderen zugeht. Sie zu zwingen, sich zu vertragen, sollte wenn überhaupt das letzte Mittel sein.

Freundschaften leiden unter der ersten großen Liebe

Freundschaften leiden unter der ersten großen Liebe

Wenn die beste Freundin ihre erste große Liebe gefunden hat, rückst du erst mal an zweite Stelle. Doch kein Grund zur Sorge: Das ist normal.

Ein Text von Carla Gelhausen

Maries Handy klingelt. Klara ist dran. Sie fragt, ob Marie mal wieder Zeit hat. Doch welch Überraschung: Fabian ist bei ihr, und auch die nächsten Tage ist sie mit Fabian verabredet. Klara ist genervt. Nie hat ihre beste Freundin Zeit. Dabei war Marie diejenige, die ihr letzten Sommer erzählt hat, wie blöd sie das findet, dass Nele keine Zeit mehr für sie und nur noch Augen für ihren Freund hat.

Klara fühlt sich vernachlässigt, ganz klar, doch heißt das nicht automatisch, sie sei neidisch oder würde Marie die Beziehung nicht gönnen. Ihr fehlt einfach die gemeinsame Zeit. Das ist ganz normal. Wenn deine beste Freundin frisch verliebt und plötzlich weg ist. Du bist auf dich alleine gestellt und musst gleichzeitig auf die Freundschaft und auf deine Freundin aufpassen, denn die beste Freundin hat immer den klarsten Blick.

Acht geben ohne einzuengen

Du musst darauf achten, wenn deine Freundin gerade dabei ist, etwas zu tun, was nicht gut für sie ist oder auch, wenn sie sich stark in eine bestimmte Richtung verändert. Doch solltest du auch berücksichtigen, dass du deiner Freundin trotzdem zeigst, dass du immer für sie da bist, auch wenn eure Freundschaft gerade etwas leidet. Denn Freunde sind eine selbst gewählte Familie, und mit Freunden gehst du durch dick und dünn.

Deine Freundin wird merken, dass auch ihr die gemeinsame Zeit fehlt und sie wird immer mehr schätzen, was sie an dir hat. Eine beste Freundin/Ein bester Freund ist eben ein Mensch, der alles von dir weiß und dich überall unterstützt, egal wo es mal brennt. Mit Freunden kannst du lachen, weinen, dich streiten, dich vertragen, dich hassen und dich lieben.

Auch du musst verstehen, dass deine Freundin sich nicht aufteilen kann. Sie muss beste Freundin, Partnerin und sie selbst zugleich in nur einem Leben sein. Egal für wen sie sich entscheidet, eine Seite wird immer den Kürzeren ziehen. Vielleicht könnt ihr eine bestimmte Zeit nur für euch zwei reservieren. Dann könnte sie sich die anderen Tage mit ihrem Freund treffen.

Klaras Handy klingelt. Marie ist dran. Sie sagt, dass Fabian gerade mit seinen Kumpels unterwegs ist und fragt, ob Klara Zeit für ein Eis hat. Best-friends-day!

Warum fällt es uns oft schwer, zu vertrauen?

Warum fällt es uns oft schwer, zu vertrauen?

Sind wir wirklich die “Generation Beziehungsunfähig”, wie der deutsche Autor Michael Nast sagt? Einige Jugendliche jedenfalls tun sich schwer, ernsthafte Beziehungen einzugehen. Waren Enttäuschungen von früheren Partnern zu groß, dass sie kein Vertrauen mehr aufbauen können? Selbst wenn, sollte das kein Grund sein, keine Risiken mehr einzugehen. Über gebrochene Herzen und emotionale Blockaden.

Ein Text von Sanja Winhold

Ob Mann oder Frau, die meisten von uns sind doch irgendwie auf der Suche nach der einzig wahren Beziehung, dem einzig wahren Partner, der einzig wahren Liebe. Glauben wir, sie einmal gefunden zu haben, schlendern wir todtraurig durch die Gassen, wenn sie zerbrochen ist. Viele tun sich nach solch einem Schmerz schwer, wieder Vertrauen aufzubauen, sich auf andere Menschen einzulassen, sich zu öffnen. Zu hohe Erwartungen, schwaches Selbstbewusstsein, Streit, der Glaube, die Menschen seien schlecht – die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Doch gerade Vertrauen ist ja die Basis für eine liebevolle, harmonische, respektvolle Beziehung. Wie kann man so etwas wieder aufbauen – ohne Vertrauen? 

Generation Beziehungsunfähig?

Viele Menschen, vor allem aus der Generation Y, wollen das jedoch gar nicht mehr, schreibt der Autor Michael Nast in seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“. Sie neigen zu alternativen Beziehungsmodellen wie Polyamorie oder möglichst unverbindlichen Liebschaften; sie wechseln ihre Partner so häufig wie ihre Schuhe. Wir tragen sie so lange, bis uns etwas nicht mehr passt. Mal sind die Schuhe zu eng, mal ausgelatscht, mal ist die Farbe zu grell, oder sie sind nicht hochwertig genug. 

Und warum? Entweder schrauben wir unsere Ansprüche zu hoch. Oder wir haben gar keine, weil wir ohnehin ja auf nix Festes aus sind. Der Schmerz aus früheren Lieben war zu groß, Vertrauen ist hier unnötig. Und aus Schutz distanzieren wir uns, lassen uns auf nichts mehr ein. Ist es eine dauerhafte Lösung, der Auseinandersetzung mit dem eigenen gebrochenen Herz aus dem Weg zu gehen? Wie sagen wir unseren Ängsten Lebewohl?

Warum es sich lohnt, Risiken einzugehen

Liebes-Coach Simone Sauter aus München sagt, dass Situationen aufkommen, bei denen man von der Vergangenheit eingeholt werden könne. Ihrer Ansicht nach sei es besser, dem Partner offen zu sagen, was man fühlt. Denn nur so könne er dich verstehen. Kommunikation sei das A und O für eine harmonische und liebevolle Partnerschaft. Man solle sich trotz all der Verluste aus vorherigen Beziehungen nicht entmutigen lassen, sich neu zu verlieben.

Schließlich ist der Mensch, den wir neu kennenlernen nicht der oder die Ex. Wenn wir Glück haben, passt der – oder diejenige – sogar besser zu uns. Selbst wenn es die große Liebe war, sollten wir frühere Beziehungen nicht bereuen, verteufeln, aber auch nicht idealisieren, sondern reflektiert daraus lernen und mögliche neue Liebschaften nicht in dieselbe Schublade stecken. Denn nach einer zu Ende gegangenen Liebe wissen wir doch mehr, was wir uns wünschen und was wir auf keinen Fall in einer Beziehung möchten. Damit ich mich in einer Beziehung glücklich fühle, ist es wichtig, dass ich so sein kann, wie ich bin. Dass ich mich nicht verstellen muss.

Denn im Grunde wollen wir doch nur das Eine: gemeinsam glücklich sein.