Sind wir wirklich die “Generation Beziehungsunfähig”, wie der deutsche Autor Michael Nast sagt? Einige Jugendliche jedenfalls tun sich schwer, ernsthafte Beziehungen einzugehen. Waren Enttäuschungen von früheren Partnern zu groß, dass sie kein Vertrauen mehr aufbauen können? Selbst wenn, sollte das kein Grund sein, keine Risiken mehr einzugehen. Über gebrochene Herzen und emotionale Blockaden.

Ein Text von Sanja Winhold

Ob Mann oder Frau, die meisten von uns sind doch irgendwie auf der Suche nach der einzig wahren Beziehung, dem einzig wahren Partner, der einzig wahren Liebe. Glauben wir, sie einmal gefunden zu haben, schlendern wir todtraurig durch die Gassen, wenn sie zerbrochen ist. Viele tun sich nach solch einem Schmerz schwer, wieder Vertrauen aufzubauen, sich auf andere Menschen einzulassen, sich zu öffnen. Zu hohe Erwartungen, schwaches Selbstbewusstsein, Streit, der Glaube, die Menschen seien schlecht – die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Doch gerade Vertrauen ist ja die Basis für eine liebevolle, harmonische, respektvolle Beziehung. Wie kann man so etwas wieder aufbauen – ohne Vertrauen? 

Generation Beziehungsunfähig?

Viele Menschen, vor allem aus der Generation Y, wollen das jedoch gar nicht mehr, schreibt der Autor Michael Nast in seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“. Sie neigen zu alternativen Beziehungsmodellen wie Polyamorie oder möglichst unverbindlichen Liebschaften; sie wechseln ihre Partner so häufig wie ihre Schuhe. Wir tragen sie so lange, bis uns etwas nicht mehr passt. Mal sind die Schuhe zu eng, mal ausgelatscht, mal ist die Farbe zu grell, oder sie sind nicht hochwertig genug. 

Und warum? Entweder schrauben wir unsere Ansprüche zu hoch. Oder wir haben gar keine, weil wir ohnehin ja auf nix Festes aus sind. Der Schmerz aus früheren Lieben war zu groß, Vertrauen ist hier unnötig. Und aus Schutz distanzieren wir uns, lassen uns auf nichts mehr ein. Ist es eine dauerhafte Lösung, der Auseinandersetzung mit dem eigenen gebrochenen Herz aus dem Weg zu gehen? Wie sagen wir unseren Ängsten Lebewohl?

Warum es sich lohnt, Risiken einzugehen

Liebes-Coach Simone Sauter aus München sagt, dass Situationen aufkommen, bei denen man von der Vergangenheit eingeholt werden könne. Ihrer Ansicht nach sei es besser, dem Partner offen zu sagen, was man fühlt. Denn nur so könne er dich verstehen. Kommunikation sei das A und O für eine harmonische und liebevolle Partnerschaft. Man solle sich trotz all der Verluste aus vorherigen Beziehungen nicht entmutigen lassen, sich neu zu verlieben.

Schließlich ist der Mensch, den wir neu kennenlernen nicht der oder die Ex. Wenn wir Glück haben, passt der – oder diejenige – sogar besser zu uns. Selbst wenn es die große Liebe war, sollten wir frühere Beziehungen nicht bereuen, verteufeln, aber auch nicht idealisieren, sondern reflektiert daraus lernen und mögliche neue Liebschaften nicht in dieselbe Schublade stecken. Denn nach einer zu Ende gegangenen Liebe wissen wir doch mehr, was wir uns wünschen und was wir auf keinen Fall in einer Beziehung möchten. Damit ich mich in einer Beziehung glücklich fühle, ist es wichtig, dass ich so sein kann, wie ich bin. Dass ich mich nicht verstellen muss.

Denn im Grunde wollen wir doch nur das Eine: gemeinsam glücklich sein. 

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