Bei einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag sind am 24. Juli in Ansbach insgesamt 15 Menschen verletzt worden. Der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien, kam dabei ums Leben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Momentan wohnen fast eine Million Flüchtlinge in Deutschland. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden oder sind noch auf der Suche danach. Doch ein Ankommen wird nicht leichter, je mehr Angst und Hass ihnen entgegen schlägt. Und Amokläufe wie München oder Terroranschläge wie Würzburg und Ansbach machen das Ankommen hier nicht einfacher. Es wurde viel darüber gesprochen, doch was sagen Flüchtlinge zu den schrecklichen Ereignissen? Wir haben sie gefragt.

Ein Text von Mirhosain Hosaini

Aber am Anfang wollte ich selbst ein paar Sätze sagen. Auch ich bin Ausländer, auch ich bin neu in Fulda und mache derzeit ein Praktikum in der move36-Redaktion. Terror-Anschläge müssen unbedingt verurteilt werden, egal wo sie passieren und welche Gesellschaft mit welchem Glauben attackiert wird.

Anschläge sind undifferenzierte Angriffe. Täter aus anderen Nationen oder Ideologien bringen zwei große Probleme mit sich: Es sind zum einen unschuldige Menschen, die ihre Opfer werden. Aber sie schüren zum anderen auch Misstrauen und Missverständnisse zwischen Nationen und Zivilisationen. Selbst wenn die Täter eine Gruppe oder ein paar Politiker sind, fällt das Licht auf alle Mitglieder ihrer Nation, all sie werden darunter leiden. So wie viele Flüchtlinge jetzt, die friedlich sind und hier Schutz suchen.

Die Frage ist, wie wir mit dieser Situation umgehen und miteinander zurechtkommen. In einer so komplizierten Situation ist wichtig, dass beiden Seiten das Ereignis mit fairem und realistischem Blick beurteilen. Ich denke, das ist ein hilfreicher und wirksamer Weg, um ein ruhiges Leben und eine friedliche Welt zu erhalten.

Milad Heidari, 25, aus Afghanistan
Milad lernt momentan Deutsch und singt in seiner Freizeit auf afghanischen Festen.

Letzten Monat haben Terror-Anschläge Deutschland und Frankreich erschüttert. Als du der Nachricht gehört hast, wie war dein Gefühl dabei?

MiladIch war schockiert und sehr traurig. Ich habe mich geschämt und war sauer. Der Anschlag, der in Würzburg passiert ist, am Anfang haben die Medien gesagt, dass der Täter ein Afghane war. Diese Nachricht hat mich kaputt gemacht, bis Experten gesagt haben, dass seine Paschto-Aussprache auf Pakistan hinweist. Wir leben hier ein ruhiges Leben. Diejenigen, die so etwas machen, sind die Ursache dafür, dass wir hier sind.

Wenn du mit so einem Menschen reden, ihm begegnen könntest, was würdest du ihm sagen?

Ich kann nicht verstehen, warum jemand so böse sein kann. Ich hätte mit ihm gesprochen und auf ihn eingeredet.

Warum tun Menschen so etwas?

Vielleicht fühlen sie sich missverstanden, vielleicht haben die zu wenige Information über ihre Religion, vielleicht sind sie jung und arm, dass sie leicht durch radikale Gruppe missbraucht werden. Eine solche Tat geht aber gegen die Grundsätze der Religion und humanitären Prinzipien.

Momentan laufen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Welche Bedeutung haben sie für dich?

Olympia kann die beste Rolle für Freundschaft zwischen den Nationen spielen.

Gibt es etwas, das du unseren Lesern sagen möchtest?

Ich bin seit neun Monaten in Deutschland, ich habe neue Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden. Wenn ich wegen der Sprache Hilfe brauchte, die Deutschen waren immer da. Ich möchte mich bei allen, die mir geholfen haben, aufrichtig bedanken.

Hassan Mayak, 19, aus dem Iran

Hassan sagt, er lernt momentan die deutsche Sprache.

Letzten Monat haben Terror-Anschläge Deutschland und Frankreich erschüttert. Als du der Nachricht gehört hast, wie war dein Gefühl dabei?

Ich war traurig und habe mich gefragt, warum Deutschland die Flüchtlinge willkommen heißt. Auch mich. Es sind nicht alle gleich. Wir können nicht alle mit den wenigen Bösen vergleichen. Ich denke, nur diejenigen, die in ihrer Heimat Probleme haben, sollten hier bleiben dürfen. Wer sowas macht, gehört nicht dazu.

Wenn du mit so einem Menschen reden, ihm begegnen könntest, was würdest du ihm sagen?

Warum bist du nach Deutschland gekommen? Verdammt.

Warum tun Menschen so etwas?

Dummheit, oder unterdrückt zu sein. Keine Ahnung. Vielleicht psychische Probleme.

Momentan laufen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Welche Bedeutung haben sie für dich?

Olympia gibt eine Botschaft der Freundschaft an die Nationen und sagt nein zu Terror.

Ebadollah Zafizada, 17, aus Afghanistan

Ebadollah ist Schüler und macht derzeit ein Praktikum.

EbadollahLetzten Monat haben Terror-Anschläge Deutschland und Frankreich erschüttert. Als du der Nachricht gehört hast, wie war dein Gefühl dabei?

Zorn auf diese Art Menschen. Ich war schockiert.

Wenn du mit so einem Menschen reden, ihm begegnen könntest, was würdest du ihm sagen?

Ich hätte auf ihn eingeredet und hätte gesagt, das ist eine ganz böse Tat, damit schadest du den netten Menschen. Viele werden durch deine Tat verleumdet.

Warum tun Menschen so etwas?

Ignoranz, ein falsches Verständnis vom Leben. Dieser Typ Mensch macht Fehler, aber das hat Einfluss auf das Leben von den anderen. Als ich die Nachricht gehört habe, konnte ich paar Tage nicht ruhig rausgehen. Ich fühlte, die Leute schauen mich an. Es war schwer.

Gibt es etwas, das du unseren Lesern sagen möchtest?

Ich wollte sagen, wenn jemand so etwas gemacht hat, repräsentieret er nicht alle Ausländer in einer Gesellschaft.

Fotos: Mirhosain Hosaini

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