Vergangene Woche fand in Fulda erstmals die Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie statt. Am Donnerstag sprach die Berliner Rapperin Sookee im Café Chaos über Sexismus im Deutschrap. Sie hat sich dem sogenannten Queering-Hip-Hop verschrieben - ein Sub-Genre, das die Stereotype im Rap-Mainstream infrage stellt. Unsere Praktikantin Rebecca hat sich ein paar Gedanken dazu gemacht.

Ein Kommentar von Rebecca Traud

Eines der Dinge, die jeder über Rap zu wissen glaubt, ist, dass er von Grund auf sexistisch ist. Die Szene ist von Männern dominiert. Werden wir mit dem Thema konfrontiert, schießt uns meist sofort das Bild vom typischen Gangsterrapper in den Kopf, der in Musikvideos mit Goldkettchen und Basecap in teuren Caprios begleitet von halbnackten Damen rumcruist. Die Stereotypen sind in dieser Szene kaum zu übersehen. „Ich weiß ’ne Menge über Ärsche|Von Schlampen, die ich fickte oder von deinem, der nichts wert ist“ - und schon hat Haftbefehl in seinem Song „Ich dreh durch“, die Frau zum Objekt und sein Gegenüber niedergemacht. Allein in diesen zwei Zeilen bestätigt er alle Klischees, die Rap so mit sich bringt.

Die Männer plustern sich in ihren Texten auf. Ich bin am besten, am coolsten, hab die meisten Skillz und - natürlich – auch die meisten Frauen. Frauen werden einfach gesammelt, gezählt und verglichen. Beschreibung für das weibliche Geschlecht fallen im Rap meistens so aus: Schlampe, Hure, die Alte. Hauptsache erstmal austeilen, aber ihrem konstruierten Image kommen viele Rapper auch nicht unbedingt nach. Coolness ist das jedenfalls nicht. Punkt.

Schwulenfeindlichkeit als Stilmittel

Neben den Frauen bekommen es auch Homosexuelle ab. So rappt zum Beispiel Megaloh in seinem Song „Rap ist“: „Ich King, du Schwul.“ Die Künstler selbst rechtfertigen ihre Äußerungen mit dem Wort Battlerap. Dabei geht es in erster Linie darum, andere zu dissen, um sich zu erhöhen. Die Kunst dabei ist, nicht einfach mit irgendwelchen Schimpfwörtern um sich zu hauen, sondern mit rhetorischer Finesse sein Gegenüber abzuschwächen und die eigene Stärke und Männlichkeit auszudrücken - es ist also schon eine Kunstform, deren Inhalt man nicht immer auf die Goldwaage legen sollte.

Gleichwohl sollten wir die unablässige Verwendung des Wortes „schwul“ äußerst kritisch sehen. Während es der Duden als „homosexuell veranlagt“ definiert, stellen es einige Rapper in einen komplett anderen, einen beleidigenden Kontext - nämlich als Synonym für schwach und minderwertig. Das ist gegenüber ihren vielen, vor allem jungen Fans grob fahrlässig, da sie diese falsche Bedeutung in ihren Sprachgebrauch übernehmen - und heraus kommt ein homophober Teenager, der keine Ahnung hat, was er eigentlich für einen Dünnpfiff labert.

„Nein, diese ganze Homophobie im Hip-Hop, das ist ganz dumm. Ohne Scheiß jetzt, das ist ganz dumm.“ Das sagt der Frontmann von Kraftklub, Felix Brummer. Und damit hat er Recht! Homosexualität ist keine ansteckende Krankheit, kein schwerwiegender Virus, und minderwertig sind Schwule schon gar nicht. Minderbemittelt - nicht minderwertig - ist es hingegen, Schwule so zu diffamieren.

Entwicklung im Genre?

Einige Rapper haben’s anscheinend mittlerweile begriffen. So fügte Megaloh zu seiner Erklärung hinzu. „Aber das macht es nicht besser, es ist ganz klar Diskriminierung.“ Der Rapper hat seine früheren Ansichten heute geändert und performt live: „Ich King, du Null.“

Auch andere Künstler wollen dem Sexismus und der Homophobie im Rap-Mainstream die Stirn bieten. Also erklären die Fantastischen Vier erstmal wie’s läuft: „Wie’s anfängt, weiß keiner so genau|doch im Grunde sucht jeder Mann eine Frau|Wobei so mancher Mann besser mit Männern kann|und so manche Frau lässt lieber Frauen ran“

K.I.Z. kritisieren Sexismus mit Sarkasmus und Ironie

Ein ganz eigenes Beispiel in dieser Sache sind die Berliner Rapper von K.I.Z. Es gibt wohl kaum eine Rapformation, die zum Thema Sexismus so auf die Kacke haut. Ihre Texte platzen geradezu vor Sarkasmus und Ironie, in zahlreichen Songs treiben sie die Stilisierung der Frau zum Sexobjekt so auf die Spitze, dass man es eigentlich nur als Kritik an den verbreiteten Starallüren und dem Sexismus verstehen kann. Dennoch verstehen es viele, bis auf ihre Fans natürlich, einfach nicht. K.I.Z. sind nach wie vor umstritten, auch wenn sie sich als Zeichen ihrer Akzeptanz von Schwulen gerne mal den Bruderkuss auf der Bühne geben. Die Diskussion um die Band, immer mit dem Hinweis, das pubertierende 15-Jährige ihre Text vielleicht in den falschen Hals bekommen, ist hier vielleicht sogar Mittel zum Zweck. Denn durch die Debatte fangen vielleicht mehr Leute an, darüber nachzudenken, was sie so nachsingen.

Es gibt leider nach wie vor sexistische und homophobe „Künstler“ im Deutschrap - wenn man sie überhaupt so nennen kann. Doch die Gegenbeispiele, die dagegen ankämpfen, sind inzwischen genauso laut und respektiert. Die Kunst für Hip-Hop-Fans liegt oft darin, zu unterscheiden, welche Rapper ihren Sexismus ernst meinen und welche uns damit den Spiegel vorhalten wollen.

Sookee’s Song „Pro Homo“ erklärt wie Sookee zum Thema steht.

QuelleFoto: M-SUR/fotolia
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