Homosexuelle Paare haben in Deutschland immer noch nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle. Die „Ehe für alle“ ist hier noch keine Realität. Aber wieso eigentlich? Zeigt doch eine repräsentative Umfrage, dass sich eine klare Mehrheit für die rechtliche Gleichstellung ausspricht. Passend zu dieser aktuellen Studie findet ab heute in Fulda eine Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie statt, die wir thematisch begleiten.
Ein Text von Julia Röbig
Eine repräsentative Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter 2000 Leuten ab 16 Jahren hat ergeben, dass 83 Prozent der Deutschen eine Ehe von Homosexuellen unterstützen - eine klare Mehrheit also. Ganze 95 Prozent der Befragten finden es gut, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle gesetzlich vor Diskriminierung geschützt sind.
Dennoch gibt es nach wie vor Vorbehalte in Deutschland. 38 Prozent empfinden es als unangenehm, wenn Männer öffentlich ihre Liebe zeigen, und 18 Prozent halten Homosexualität sogar für „unnatürlich“. Aber die Studie zeigt einen deutlichen Trend zum mehr Toleranz und Gleichberechtigung, „den der Gesetzgeber nicht länger hinauszögern darf“, so Christine Lüders gegenüber „Zeit Online„, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle. Dass es in Deutschland anders als in 14 Staaten Europas keine „Ehe für alle“ gebe, sei „ein trauriges Zeichen“.
Gleiches Recht für alle
Auch in Punkto Adoption fordert Lüders die vollständige rechtliche Gleichstellung - und wird dabei von anderen Studien bekräftigt. Viele denken heute immer noch, dass Kinder mit homosexuellen Eltern Nachteile in ihrer Entwicklung zeigen. Doch diese Behauptung ist nach den Langzeitbeobachtungen der britischen Forscherin Tabitha Freeman vom Centre for Family Research der Universität Cambridge unhaltbar.
Seit Jahrzehnten beobachtet sie Kinder, die mithilfe einer Samen- oder Eizellspende oder einer Leihmutterschaft gezeugt wurden und in neuen Familienformen leben. Vielmehr seien die Kinder „psychisch stabil, entwickeln sich in der Schule normal und haben Freundschaften“, so die Psychologin. In einigen Studien zeigten sich gar Vorteile gegenüber „herkömmlich gezeugten Altersgenossen“ - das könnte damit zusammenhängen, dass im Labor gezeugte Kinder besonders erwünscht waren.
Kinder entwickeln sich genauso
Auch die Vermutung, Kinder aus Regenbogenfamilien würden eher schwul oder lesbisch werden, schafft Freeman aus der Welt. Die Jungs verhielten sich „nicht weniger jungenhaft und die Mädchen nicht weniger mädchenhaft, wenn sie mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen“.
Schreibfehler gefunden?
Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.



Schreibfehler melden!
Der folgende Textausschnitt wird an unsere Redaktion übermittelt: