Ich muss mich schon stark zusammenreißen, nicht laut loszulachen. „NoFap” – zu deutsch „kein Masturbieren” – heißt eine neue Bewegung aus Amerika (woher auch sonst), in der Männer dem Masturbieren abschwören. Es kommt sogar noch besser. Ihre Anhänger nennen sich selbst Fapstronauten – da muss ich mir dann wirklich mit der Hand vor die Stirn schlagen. Die ganze Idee kommt mir ziemlich lächerlich vor, ist aber durchaus ernst gemeint.
Ein Text von Markus Mende
Der amerikanische Schauspieler Alexander Rhodes ist Begründer der Bewegung. Sechs Mal am Tag hat er früher selbst Hand angelegt. Nachdem ihm 2011 eine Studie offenbart, dass das Testosteron-Level des Mannes um knapp 50 Prozent steigen soll, wenn er eine Woche lang nicht masturbiert, postet er dies öffentlich auf Reddit und bekommt breiten Zuspruch. Mittlerweile hat er daraus eine eigene Internetseite und ein Subreddit mit dem Slogan „get a new grip on life” gemacht, in dem sich viele Pornosüchtige, Masturbationsanhänger und Neu-Abstinente jeden Alters ihre Geschichten erzählen. Die größte Gruppe sind die 25- bis 29-Jährigen, die mit dem einfachen Zugang zu Internetpornos aufgewachsen sind.
„NoFap“ hat sogar ein eigenes „Reboot“-Camp, in dem man lernt, sich das Pornoschauen und Masturbieren abzugewöhnen. Mit Videoanleitung. Viele dokumentieren ihre Erfahrungen auch auf Youtube. In Deutschland ist der Trend vor ungefähr einem Jahr angekommen. Auch hier gibt es schon einige Selbsttester, wie den Youtuber Vackurah:
Die Idee dahinter ist folgende: Wer nicht masturbiert, stärkt sein Selbstvertrauen, fühlt sich vitaler und hat mehr Mut, Frauen anzusprechen. Denn die über 225.000 Fapstronauten sind der Meinung, dass Pornos krank machen. Dazu kommt, dass sich die meisten der Geschichten auf Reddit sehr ähneln – die Männer dort fühlen sich schon nach wenigen Tagen Abstinenz wie neue Menschen, berichten von mehr Selbstvertrauen oder wie sie ihre langjährige Flamme nun doch nach einem Date gefragt haben. Könnte natürlich auch ein Placebo-Effekt sein, aber so vielen Quellen muss ja auch ein Fünkchen Wahrheit innewohnen, oder?
Masturbieren hält gesund
Dabei hat das Masturbieren auch viele positive Aspekte. Diverse Studien zeigen, dass Selbstbefriedigung bei Depressionen hilft, Endorphine ausschüttet und sogar Prostata-Krebs und Diabetes vorbeugen kann. Außerdem baut es Stress ab. Und der Penis wächst mit seinen Aufgaben. Benutzt man ihn nicht, kann das Muskelgewebe schrumpfen und er kleiner werden.
Doch wenn sich die Herrschaften ohne Masturbation besser fühlen, warum nicht? Aber wir sind doch nicht mehr im 17. Jahrhundert, als das noch als Sünde galt. Ein bisschen übertrieben ist das schon. Dabei gehört es doch zum natürlichen Sexualtrieb, auch mal – wie man so schön sagt – die Palme zu wedeln. Respekt allerdings dafür, dass ihr die Finger von euch lassen könnt!
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