Es ist der Traum eines jeden Gardemädchens, doch was bedeutet es eigentlich, Prinzenmariechen zu sein? Auf allen Fastnachtsterminen unterwegs, immer gute Laune, dabei eine Tonne von Make-up im Gesicht: Ist das nicht superanstrengend? Schon, meinen Theresa Ihrig, das ehemalige, und Helen Wagner, das neue Prinzenmariechen der Fuldaer Karnevalsgesellschaft. Aber: Es lohnt sich.
Ein Text von Josephine Chilinski
Es ist der Ball der Stadt Fulda. Die Prinzenmannschaft marschiert in die Orangerie ein, alle Augen auf sie gerichtet. Theresa trägt ihr neues, extra für sie genähtes Kostüm, lässt stolz den Blick über die Leute schweifen, ein strahlendes Lächeln auf den Lippen: „Das war einer der Momente, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind“, berichtet sie. An manchen Tagen waren wir von morgens bis abends unterwegs. Man musste ständig abrufbereit sein, denn es konnte immer noch ein Termin mehr dazukommen.“ Insgesamt habe die Prinzenmannschaft rund 180 Einsätze gehabt. Klar will man sich da zwischen- durch am liebsten einfach nur mal auf die Couch schmeißen, sagt Theresa: „Aber die Lust war immer da.“
Und was sagt der Arbeitgeber dazu?
„Ich hatte den Vorteil, dass ich zu der Zeit noch als Versicherungskauffrau selbstständig war. So konnte ich mir meine Termine legen, wie ich wollte.“ Ist man als Prinzenmariechen im Amt, müsse der Chef aber auf jeden Fall voll dahinterstehen, erklärt Theresa. Denn auch unter der Woche ist die Mannschaft unterwegs. Dazu kommt, dass man nach der Kampagne eigentlich erstmal eine Woche Urlaub bräuchte, wie die 24-Jährige lachend feststellt. Gelohnt hat sich der Stress für Theresa allemal – allein schon wegen ihres Kostüms vom Fuldaer Modeatelier Franc. „Das hatte ich zum ersten Mal an, als wir die Fotos für den Dräscher gemacht haben, davor nur einmal zur Anprobe. Da war ich schon einen kurzen Moment sprachlos“, erinnert sie sich.
Auf der Bühne begeisterte die Bronnzellerin dann mit ihrem Solotanz die Massen. Die Choreo dafür habe sich ihre Tante für sie ausgedacht, berichtet Theresa. „Sie hat uns vorher jahrelang trainiert. Also habe ich mich an sie gewandt.“ Ihr Lied, ein Mix aus Klassikern wie „Dein ist mein ganzes Herz“ von Heinz Rudolf Kunze und Wolfgang Petrys „Weiß der Geier“, habe Theresa selbst zusammen- geschnitten. „Dazu habe ich mir einfach ein paar Lieder rausgesucht, zu denen man sich rhythmisch gut bewegen kann.“ Zum Ende der Kampagne zog sich Theresa bei einem ihrer Auftritte einen Muskelfaserriss zu. Bevor es mit dem Tanz losgeht, stehe die Prinzenmannschaft nach dem Aufwärmen immer noch eine Weile auf der Bühne, erklärt sie. „In der Zeit hat sich mein Körper wohl wieder abgekühlt.“ Bis auf diesen kleinen Unfall habe die 24-Jährige an das Jahr keine schlechten Erinnerungen. Vor blöden Anmachen schützten sie ihre beiden Adjutanten Volker und Andi, sagt sie dankbar. „Wenn ich so zurückdenke, war ich eigentlich nie alleine. Mir konnte nichts passieren.“
Nach 15 Jahren hängt sie die Tanzschuhe an den Nagel
Nach dieser Erfahrung und fast 15 Jahren Garde will die Bronnzellerin ihre Tanzkarriere ab dem nächsten Jahr allerdings nur noch auf das Trainerdasein beschränken. „Mit 25 reicht’s mir dann einfach. Ich tanze, seit ich neun bin“, erklärt sie und lacht. Die letzten Jahre war sie für die Bronnzeller Garde- und Showtanztruppe sozusagen Spielertrainerin: Sie übte die Tänze mit den Mädels ein und stand noch selbst mit auf der Bühne. Das 50. Jubiläum des Carnevalvereins Bronnzell im nächsten Jahr soll Theresas letzter Showtanz-Auftritt sein.
Wer Prinzenmariechen werden möchte, könne sich laut der 24-Jährigen direkt beim FKG mit Lebenslauf und Fotos „bewerben“. Natürlich sei es aber einfacher, an das Amt zu kommen, „wenn man schon einen Prinz an seiner Seite hat“.
Neue Kampagne, neues Prinzenmariechen
Auch ihre Nachfolgerin, Helen Wagner, kam mit etwas Glück an den begehrten Job. Ihr Vater, Stephan Wagner, der als Ex-Prinz einer der Prinzenväter des neuen Amtsinhabers Johannes Hohmann ist, habe ihr eines Abends am Abendbrottisch gesagt: Helen, das klappt dieses Jahr, erzählt die 18-Jährige. „Ich wusste erst mal gar nicht, was ich sagen soll.“ Prinzenmariechen zu werden, das war für Helen schon immer ein Traum. „Ich war schon karnevalsbegeistert, als mein Vater Prinz von Fulda war. Da war ich sechs Jahre alt“, sagt sie. 2011 trat die Fuldaerin der FKG bei, wirkte zunächst bei den Klamottos, der Kindergruppe, mit, tanzte später bei der Sternchen- und schließlich bei der Tanzgarde.
Dass sich für die noch frischgebackene Abiturientin in diesem Jahr ihr Traum erfüllt, das habe sie etwa seit Februar gewusst. „So konnte ich gut um die Kampagne herum planen.“ Zwischen Abitur, Reisen und einem geplanten Studium ab dem Sommersemester muss sich die Fuldaerin während der Fastnachtszeit keine Sorgen um einen grummeligen Chef machen.
Sich vor der Kampagne schon Tipps und Anregungen zu holen, war für die 18-Jährige dadurch jedoch schwierig, sagt sie. „Ich konnte niemanden direkt fragen, da ich ja sonst das Geheimnis gelüftet hätte.“ Aber dann hat Helen noch eine Ansprechpartnerin gefunden: ihre Vorgängerin. „Theresa hat mir schon ihre Hilfe angeboten.“ Prinzenmariechen wissen eben am besten, wie es ist, ein Prinzenmariechen zu sein.
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