Ohrenschmaus und Brettspielstoff für Kaffeejunkies: “Seize the Bean” und Marcel Brell sind echt heißer Scheiss

Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets auf den Markt – neuer Kram, den wir unbedingt haben müssen. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß raus und geben unseren Senf dazu. Heute werfen wir unseren Blick nach Berlin, mit der Single “Keine Worte” von Marcel Brell und dem Brettspiel “Seize the Bean”.

Ein Text von Bene Reinisch

Der heiße Scheiß klingt diese Woche nach verdammt guter Musik mit Ohrwurmcharakter. Dafür verantwortlich ist Marcel Brell, der mit seiner neuen Single „Keine Worte“ erstmals einen Song mit Tanzcharakter veröffentlicht.

Das Erstaunliche: weder verliert seine charakteristische Stimme an Emotion, noch büßt der tiefgründige Text Inhalt ein. Auch im Video setzt der Wahlberliner wie gewohnt stilsicher auf die schlichte Schiene und liegt damit genau richtig.

Also zugespitzt und auf den Punkt – wie immer – und trotzdem clubtauglich. Daumen hoch und dickes Kompliment dafür. Meine Lieblingspassage „Ich würde dich gerne in Worte kleiden, ohne dass es zwickt“.

Kaffee, Karten und coole Typen

Ein Text von Mariana Friedrich

Zur Abwechslung stellen wir heute mal ein Brettspiel vor, das noch nicht offiziell erschienen ist. Aber es ist in vielerlei Hinsicht besonders.

Worum geht es bei “Seize the Bean”? Kaffee. Genauer gesagt kleine Cafés, wie man sie beispielsweise in Berlin einfach an jeder Ecke findet. Du eröffnest dein Café, möchtest dir deine Stammgäste aufbauen und dich in der Region etablieren. Dazu musst du gute Reviews sammeln und deinen Hype vermehren. Aber zu viel Hype ist auch nicht prickelnd, denn dann rennen dir die Leute die Bude ein, und die Gefahr steigt, auch mal einen unzufriedenen Kunden zu haben.

“Seize the Bean” ist ein Deckbuilding-Kartenspiel. Das heißt, du gestaltest während des Spiels dein individuelles Kartendeck. Das Deck sind bei “Seize the Bean” deine Kunden, die sich morgens in der Schlange vor deinem Café anstellen. Es gibt verschiedene Kundentypen wie Biker, Selbstständige, Partypeople, Musiker, die alle ihren Kaffee/Espresso/Latte auf unterschiedliche Weise bevorzugen. Der eine möchte hochqualitativen Fairtrade-Kaffee, der nächste billige Bohnen mit Soja-Milch. Wieder andere wollen Kuchen, Donuts oder Croissants zum Getränk. Natürlich gibt es auch den besten Freund, der nur zum Schnorren vorbeikommt und den Opa, der mit seinen Geschichten vom Krieg die anderen Kunden vergrault.

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Foto: Mariana Friedrich

Kaffee bitte!

Eine Runde stellt einen Tag im Café dar. An dem musst du Kunden bedienen, deine Lager auffüllen, Dinge planen und neue Kunden anlocken.

Bist du am Zug, musst du zuerst deine Kunden bedienen. Und hier kommt der erste Clou des Spiels: die Spielkomponenten. Nix mit Holzwürfeln, der Kaffee wird durch wunderschöne kleine Kaffeebohnen symbolisiert, die Milch durch Milchtütchen und der Süßkram durch Zuckerwürfel, die tatsächlich wie echte Zuckerwürfel aussehen. Zum Verlieben.

Doch weiter im Spiel. Zufriedene Kunden hinterlassen positive Reviews, die man in Form kleiner Token sammelt, und lösen Aktionen aus, die dich im Spiel voranbringen. Kannst du einen Kunden nicht bedienen, wird er ungeduldig und schreibt im schlimmsten Fall eine schlechte Review.

Sind deine Kunden bedient, ist Zeit für deine Aktionen. Jeder Spieler hat genau zwei davon. Das System dahinter ist recht clever.

Seize the Bean, Quality Beast, Kaffee, Brettspiel, Berlin

Was du machst, verwaltest du auf deinem Spielerboard. Das hat auf der linken Seite drei Aktionsfelder für Produktaktionen und auf der rechten Seite drei Felder für Upgradeaktionen. Nimmst du dir über Upgradeaktionen eine Upgradkarte für deine Produktpalette – führst beispielsweise Sojamilch-Latte Macchiato ein -, legst du die Upgradekarte auf der linken Seite an dein Spielbrett an. Auf der Karte sind auch wieder drei Aktionsfelder, die nun die Aktionen auf den Spielbrettfeldern Feldern erweitern. Wie das aussieht, zeigt das Bild. So werden deine Aktionen immer stärker.

Auf der rechten Seite des Spielerboards kannst du über Karten beispielsweise Konzerte veranstalten, deinen Hype erhöhen und mehr Kundenkarten aus dem allgemeinen Vorrat – der Stadt – nehmen und deinem Deck hinzufügen. Je mehr Hype du hast, umso mehr Kunden stehen am nächsten Morgen in deiner Warteschlange und wollen bedient werden.

Jede Upgradekarte gehört dabei zu einer Kundengruppe. Je mehr du also für eine bestimmte Gruppe bietest, umso mehr Kunden aus der Gruppe kommen auch über Mundpropaganda zu dir.

Darum ist “Seize the Bean” einen Blick wert

Das Spiel wirbt noch bis Mitte Februar auf Kickstarter um Sponsoren und hat innerhalb weniger Tage bereits seine ersten Finanzierungsziele übertroffen. Die Entwickler dahinter sind ein kleines und sympatisches Team aus Berlin, das sich unter dem Label “Quality Beast” zusammengefunden hat und die Berliner Cafészene in ein Brettspiel gießen will. So quirlig bunt wie die Hauptstadt ist präsentiert sich auch “Seize the Bean”.

Die Grafiken des Games sind einfach nur köstlich; einige davon möchte man sich sofort an die Wand hängen. Die Komponenten habe ich bereits erwähnt. Es macht Spaß, damit zu spielen.

Aber, und ja, es gibt einige Abers. Das Spiel selbst ist noch nicht komplett fertig. Die Spielmaterialien sind noch sehr friemelig, die Kärtchen für gute und schlechte Reviews beispielsweise klein und unhandlich, einige Karten sind noch Prototypen, einige Aktionen fühlen sich overpowered an. Im Spiel fehlt, dass man mit seinen Mitspielern interagiert. Eigentlich kann man bequem nebeneinander herspielen, ohne sich in die Quere zu kommen. Aber warum sollte ich dann überhaupt mit anderen Menschen spielen?

Das Regelbuch insgesamt ist noch ein Work-in-Progress-Produkt und wird derzeit gemeinsam mit einem Profi auf dem Gebiet intensiv überarbeitet. Denn: “Seize the Bean” ist noch in der Entwicklung.

Und genau das ist der Punkt: das Spiel muss noch nicht perfekt sein. Es wird sich in den nächsten Monaten noch entwickeln. Das viele Feedback, das das Team bereits bekommen hat, fließt in die Überarbeitung ein. Die Quality Beaster antworten schnell und dankbar auf jeden Hinweis, auf jede Idee.

Es gehört also ein wenig Vertrauen dazu, das Spiel jetzt zu funden. Vertrauen, dass die Entwickler aus ihrem Rohdiamanten ein echtes Schmuckstück machen. Aber das gehört zu Crowdfunding-Projekten einfach dazu. Wer dazu bereit ist, könnte sich ein echt hübsches Spiel mit Berliner Flair sichern.

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Benedikt Reinisch

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