Yeah! Es ist so weit: Über 11.000 Hippies zelebrieren diese Woche in Osthessen 50 Jahre Burg Herzberg Festival – junge, alte und von überall her. Auch move36 feiert mit – und berichtet natürlich. Videomann Felix und Redakteur Daniel sind für uns vor Ort. Die Strahlen ballern, alles brutzelt und schwitzt. Zumindest geht ein kleines Lüftchen. Nachdem das Burg Herzberg Festival vergangenes Jahr wortwörtlich abgesoffen ist, erlebt es dieses Jahr einen Hitzestart – und die Temperaturen werden sich voraussichtlich auch nicht ändern. “Es gibt eine zusätzliche Wasserversorgung, wir lassen vor den Bühnen mehr Strandmuscheln und dergleichen zu, und offene Feuer sind aufgrund der Trockenheit verboten”, erklärt Mini, der den Aufbau organisiert hat. “Hier herrscht einfach eine Wahnsinnsstimmung, die Leute sind trotz des heißen, fast schon mediterranem Wetters super drauf”, freut sich Herzberg-Sprecher Gunther Lorz. Die Hippies lassen sich hier nie den Spaß verderben. Über 80 Bands, Singer-Songwriter, Künstler und Aktivisten bieten vier Tage ein buntes Programm, zu dem man einfach mal die Seele baumeln lassen kann.

Ein hypnotisch-rockiges Opening

“Es ist eine völlig andere Welt, und man vergisst irgendwie alles um einen herum”, so Sofie Pfeffer, die sich um die Verträge der Bands kümmert. Mainstage, Freakstage, Mentalstage – drei Bühnen, auf denen von Folk über Bluesrock bis Stoner Rock für viele Geschmäcker was dabei ist. Auch der Höllenschuppen, wo’s etwas härter und schneller zu Gange geht, hat sich über die Jahre fest etabliert. Und im Lesezelt hat zu Beginn des Festivals beispielsweise der Autor und Journalist Frank Schäfer Passagen aus seinem Jubiläumsbuch “Burg Herzberg Festival – since 1968” zum Besten. Auf der Mainstage lieferten Yossi Fine & Ben Aylon, drei Musiker verschiedener Herkunft, ein hypnotisch-rockiges Opening. Für die jüngeren Fans war am Freiag Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi ein Highlight. Daneben spielen dieses Jahr unter anderem Kettcar, die wir für die aktuelle move36 interviewt haben, Tanzkommando, Ape Shifter, Motorpsycho, Götz Widmann und Asaf Avidan. Die Herzberg Blues Allstars dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen, sie spielen am Sonntag das Ending auf der Mainstage.

Aufm “Berch” nimmt sich niemand so ernst

Im Jubiläumsjahr der 68er-Generation, jener internationalen Jugendrevolte, über die wir groß in unserer Maiausgabe berichtet haben und die bis heute nachwirkt, feiert auch das Herzberg Festival sein 50. Jubiläum. “Das familiäre, entspannte und unaufgeregte Sich-treiben-lassen, die Geduld im Umgang untereinander auch bei sehr widrigen Bedingungen ist hier das Besondere”, so der Fuldaer Fotograf Christof Krackhardt, der seit vielen Jahren Bilder vom Festival macht. “Das Friedliche hier kommt zustande, indem sich jeder nicht so wichtig nimmt oder dass man dem anderen einfach mal zuhört, was so im Alltag relativ schwierig ist”, sagt auch Herzberg-Sprecher Gunther Lorz. “Und ich freue mich immer, dass man überall Kinder und Familien sieht. Die Kinder zeigen den Erwachsenen, dass man auch ohne Rausch albern sein kann.” “Neben all den wunderbaren Möglichkeiten zur Zerstreuung, die das Festival bietet, bietet es auch einen Nährboden für die Entfaltung eines ungeahnten, kreativen Potentials”, betont Lauritz Heinisch – der 28-Jährige ist der Initiator der Humus-Hood auf dem Festival, wo Initiativen wie Foodsharing oder die Erneuer:Bar einen nachhaltigen Lifestyle ins Bewusstsein rücken wollen.

Viele Höhen, aber auch Tiefen

Wie jedes Jahr eine Zusammenkunft von Hippies jeglicher Couleur, verbreitete die frühere Generation bereits ein Jahr vor dem legendären Woodstock-Festival in 1969 hier Love, Peace & Happiness. Einige Urgesteine von damals dürften heute noch dabei sein. Überhaupt war das Festival eins der ersten seiner Art. Doch es ist nicht das 50. Mal – zwischen 1973 und 1991 sowie 2002 und 2004 fand es nicht statt. Ein Event mit vielen Höhen, aber auch Tiefen wie beispielsweise während der “Kalle-Becker-Years”, wo sich viele Schulden anhäuften. Die heutige Herzberg-Crew um Gunther Lorz, Norbert “Mini” Geier, Wolfgang “Wowo” Wortmann, Katja Schmirler, Hans Cath und Sofia Pfeffer sowie natürlich die vielen Helfer haben es geschafft, das Ding als einen Anziehungspunkt für Festivalgänger aus ganz Europa zu etablieren.

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Love, Peace and Happiness auf dem Burg Herzberg Festival

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