“Sei frech und wild und wunderbar!” – getreu diesem zeitlosen Motto, das die Autorin Astrid Lindgren einmal zum Besten gab, tummeln sich dieses Wochenende wieder tausende Hippies aus der ganzen Welt auf dem Burg Herzberg Festival. Eine Hippie-Bastion abseits von Mainstream und Einheitsbrei.

Vier Tage purer Rock ‘n’ Roll und freie Liebe, vier Tage Dreads, Pumphosen und überall bunte Kettchen, Bänder und Tücher – und natürlich der süßliche Geruch, der das gesamte Festival umhüllt. Vier Tage, in denen Zwänge und Normen der Gesellschaft in Bedeutungslosigkeit verdunsten. It’s Herzberg-Time!

“Das Herzberg hat zwei Dinge: ein riesengroßes Herz und einen riesigen Berg”, so Herzberg-Urgestein und Mitarbeiter Lee (46). Seit 20 Jahren sei dieses Festival sein Leben. Und wie fast jedes Jahr gab’s auch 2016 wieder eine ordentliche Schlammparty. “Regen und Schlamm gehören zu einem perfekten Herzberg einfach dazu”, meint Festival-Chef Gunther Lorz. Im Moment ballert die Sonne, und der Schlamm trocknet.

Götz Widmann und Nigel Kennedy

Musikalisch ist alles dabei, was das Herz begehrt. Auf drei Bühnen – Main Stage, Freak Stage und Mental Stage – heizen über 70 Bands, Sänger und DJs den Blumenkindern ordentlich ein. Bis Sonntagabend gibt’s hier noch progressiven Bluesrock, Stoner und Psychedelic Rock, aber auch Reggae, Folk und experimentelle Sounds auf die Ohren.

Zu den Highlights zählen unter den vielen Musikern die beiden schwedischen Bands “Blues Pills” (Bluesrock) und “Pain of Salvation” (Progressive Metal) wie auch die US-Rocker von Radio Moscow (Stoner Rock). Auch der deutsche Singer-Songwriter Götz Widmann dürfte vielen bekannt sein. Und der britische Violinist Nigel Kennedy präsentierte ausschließlich Musik von Woodstock-Legende Jimi Hendrix.

Der Alt-Hippie zu Besuch

Eine der größten Überraschungen war aber der Besuch von Rainer Langhans – der populäre Alt-Hippie, der am 1. Januar 1967 mit anderen Hippies die legendäre Kommune 1 in West-Berlin aus dem Boden stampfte. Spiegel TV dreht mit Langhans derzeit eine vierteilige Doku über den Summer of Love, neben anderen Festivals auch auf dem Herzberg. “Das Festival ist echt schön und angenehm”, so der 76-Jährige.

“Die Stimmung ist einfach jedes Jahr was Besonderes”, erzählt auch Gunther. “Ich freue mich immer, dass man überall Kinder und Familien sieht.” Das Herzberg ist in der Tat ein Familienfest, ein harmonisches, friedliches Kollektiv, das dieses Wochenende einzigartig macht. Jeder hilft mit, alles möglichst sauber zu halten. Ein Acker voller Kippen und Müll? Fehlanzeige.

Und so steht das diesjährige Herzberg in Anlehnung an das legendäre Woodstock-Festival im Jahr 1969 auch unter dem Motto “Back to the Garden” – die letzte Zeile aus dem Refrain des Songs “Woodstock” der kanadischen Sängerin Joni Mitchell.

“We are stardust
billion year old carbon
we are golden
caught in the devil’s bargain
and we’ve got to get ourselves
back to the garden”

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