In der L14 tut sich wieder was. Am Wochenende lädt die Bürgerinitiative, die für den Erhalt des soziokulturellen Zentrums kämpft, dazu ein, den Hof in der Langebrückenstraße 14 zu bepflanzen und die Grünfläche im hinteren Teil des Areals aufzumotzen. Diese hat die BI “Vonderau-Park” getauft – nach dem Fuldaer Heimatforscher Joseph Vonderau (1863 – 1951).

Aber zunächst musste das Gelände für die Aktion entrümpelt werden. Zahlreiche aktive der BI räumten Garten und Hof über Ostern auf. “Vor allem der Garten war eine einzige Müllhalde”, so Matthias Söhlke, Sprecher der BI. Den hinteren Hof würden zudem viele als eine Möglichkeit sehen, ihren Müll einfach abzuladen. Etliche Reifen und Lattenzäune werden dann für die Pflanzungsaktion “L14 blüht” wiederverwendet. So sah das Müll-Endprodukt dann aus:

Der Garten ist noch ziemlich verwuchert, aber Platz für Kreatives ist nun allemal. “Es soll ja auch ein schöner, verwilderter Garten bleiben”, sagt Söhlke. Die Aktiven haben eine ordentliche Ladung Pflanzenerde bestellt, die im Innenhof abgeladen wird. Dann heißt’s austoben: “Hochbeete bauen, Gefäße befüllen, Erde schaufeln, Reifen bemalen, Paletten sägen, Kisten schrauben, Pflanzen setzen, buddeln, basteln, begrünen von und für Groß und Klein” – so die BI in ihrer Pressemitteilung. In der warmen Jahreszeit solle natürlich auch Kultur im Vonderau-Park stattfinden, zum Beispiel die Hoermahl-Konzertreihe vom Café Panama, so Söhlke.

Das Ganze hat allerdings auch einen politischen Hintergrund: “Nach intensiven Gesprächen zwischen den handelnden Parteien sowie einer Absichtserklärung der Stadt Fulda, einen Teil des ehemaligen Fabrikgeländes für den Erhalt der Soziokultur zu erwerben, ist nun seit mehreren Monaten Stillstand eingekehrt”, so die BI. Daher habe sie nun beschlossen, zu handeln und den Hof in eine urbane Landschaft zu verwandeln. “Wir haben gedacht, wir machen einfach mal und schaffen Fakten, wir haben ja nichts zu verlieren”, so Söhlke. “Das ist ein Signal, dass wir über Juni hinaus hier bleiben wollen.” Dann läuft nämlich das bestehende Mietverhältnis aus. Was danach passiert? Stadt und Investoren halten sich derzeit bedeckt. Und die Initiativen hängen in der Luft.

Ein historisches Fleckchen in Fulda

“Mit Begrünung wollen wir was machen, womit alle sympathisieren können – auch unsere Nachbarn”, erklärt der Sprecher. Der Name Vonderau-Park ist natürlich keine Willkür, er soll auch ein Zeichen an die Stadt für dieses historische Stückchen Erde senden: Der Fuldaer Heimatforscher Joseph Vonderau führte hier Ende des 19. Jahrhunderts Grabungen durch. Zahlreiche seiner archäologischen Funde sind heute im Vonderau Museum ausgestellt und belegen, dass bereits 8000 v. Chr. Menschen dieses Gebiet aufsuchten. Erste Siedlungen datiert Vonderau anhand von Scherbenfunden auf 750 v. Chr. bis Christi Geburt.

Was die Grünfläche oder das gesamte Areal noch an so frühen historischen Schätzen ausspuckt – es wäre spannend, zu erfahren. Im Zuge der Pflanzungsaktion wird der Vonderau-Park offiziell eröffnet, danach wird er immer zugänglich sein. Der erste Spatenstich erfolgt um 10 Uhr, für die Gaumen sorgen die Initiativen Foodsharing, SlowFood und die Küche für alle.

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QuelleFotos: Daniel Beise
Die Autoren:

Daniel Beise

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