Wie geht Integration? Diese Frage stellen wir uns seit 2015 die erste Flüchtlingswelle in Deutschland ankam und Städte und Kommunen vor große Herausforderungen stellte. Auch die Schulen, denn sie mussten plötzlich mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die Schreckliches erlebt haben, gar nicht oder kaum die deutsche Sprache verstanden, geschweige denn sprechen konnten, aber dringend einen geregelten Schulalltag und Freunde brauchten, um zu verarbeiten, um anzukommen. Wir stellen dir junge Menschen von der Richard-Müller-Schule und ihre Berufswünsche vor.
Die Geschwister Delan und Zidan Tami sind mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. „Wir kommen aus Kobani, ich glaube, die Zerstörung der Stadt war ein großes Thema auch hier“, erklärt Zidan ruhig. „Wir sind in die Türkei geflüchtet. Ich war mit meiner Familie neun Monate in der Türkei. Wir fanden aber, dass das nicht sicher für uns ist.“ Seine Eltern wollten eine gute Ausbildung für ihre Kinder, einen sicheren Ort. Als Ältester von vier Geschwistern fiel es auf Zidans Schultern, sich um die Jüngeren zu kümmern.
„Die erste Zeit war sehr schwer, auch für mich persönlich. Als Ältester in der Familie, mein Englisch war perfekt – das kann ich sagen –, deshalb musste ich auch alles machen, wenn meine Geschwister, meine Eltern etwas brauchten.“ Inzwischen sei die Familie aber gut angekommen: „Meine Geschwister reden besser Deutsch als ich. Die deutsche Sprache ist ein bisschen schwer für meine Eltern, natürlich, das ist wegen des Alters. Jetzt gehen sie in einen Deutschkurs und wir helfen ihnen, damit wir besser in der Gesellschaft ankommen.“ Jetzt könne sich Zidan wieder etwas mehr auf sich konzentrieren.
Zidan stand vor der Flucht kurz vor dem Abitur. In der Türkei wollte er die Prüfung machen, die wurde aber 20 Tage vor dem angesetzten Termin abgesagt. Auf dem Weg nach Deutschland gingen seine Zeugnisse verloren, so dass der 19-Jährige hier komplett von vorn anfangen durfte. Jetzt hat er den Hauptschulabschluss in der Tasche, möchte im Sommer den Realschulabschluss draufsetzen. Sein Ziel, hier Informatik zu studieren, ist in weite Ferne gerückt, aber nicht unerreichbar. „Ich möchte trotzdem das Abitur machen und studieren. Mein Traum war, dass ich Informatik studieren kann. Und ich glaube, das ist nicht so unterschiedlich in den Ländern. Ich will das schaffen.“
Seine jüngere Schwester Delan ist 17 und macht gerade ihren Hauptschulabschluss und hat schon ganz konkrete Ziele, wie es danach weitergehen soll. Gemeinsam mit ihrer Freundin Rita Kale möchte sie Apothekerin lernen. Dafür muss sie auch den Realschulabschluss noch schaffen. „Die Schule hier und in Syrien unterscheiden sich natürlich sehr. In Syrien ist alles sehr leicht, man kann alles selbst studieren. Aber hier finde ich die Schule besser, weil es auch Aktivitäten gibt, man auch etwas Schönes machen kann.“
Am Anfang sei ihr die Sprache schwerer gefallen als Zidan. „Mein Bruder hat in einem Jahr seinen Hauptschulabschluss gemacht, das war für mich zu schwer. Aber ich glaube, jetzt schaffe ich das.
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