Wer Michelle Neugebauer in Petersberg-Steinau finden will, der muss nur dem Klang der Posaunen, Trompeten und Saxophone nachgehen. Denn wenn das symphonische Blasorchester des Musikvereins Steinau/Steinhaus loslegt, ist es mit der Stille vorbei. Ist das Ensemble OSW – Osthessen Symhonic Winds – nämlich komplett, schmettern 46 Musiker die Melodien. Den Takt gibt die 24-Jährige vor – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Ein Text von Anke Zimmer

Seit drei Jahren leitet Michelle Neugebauer das Orchester ihres Heimatortes. Nicht, weil sie so gerne den Ton angeben würde, nein. Sondern „weil das Orchester zu meinem Leben gehört, denn ich bin damit groß geworden“, sagt die junge Frau.  Seit 18 Jahren spielt sie Saxophon, später kamen Waldhorn, Klarinette und Posaune dazu. Ein Klavier gab es vorher schon in ihrem musikalischen Leben. Als der bisherige Leiter vor drei Jahren das Amt aufgeben musste, sprang sie als Nachfolgerin ein.

Ein bisschen überrumpelt fühlte sie sich schon. „Doch das Aus des Orchesters drohte, und da ich gerade meinen Dirigentenschein machte und ohnehin langjährige Dirigentenerfahrungen im Jugendorchester hatte, habe ich mich dann doch recht schnell entschlossen“, sagt sie und lacht. „Ein bisschen mulmig war mir am Anfang schon. Ich war 21 Jahre jung, bin mit etwas über 1,60 Meter nicht gerade riesig, und sollte plötzlich gestandenen Musikern sagen, wo es lang geht.“

Sie hat sich durchgesetzt, und zwar nicht mit Härte oder einer donnernden Stimme, sondern mit Witz und Charme. „Was soll ich denn nur mit euch machen“, ruft sie den Frauen und Männern lachend zu, wenn Takt 114 von „Mary Poppins“ aus dem Ruder läuft. Oder 195 aus „Der König der Löwen“: „Eure Lieblingsstelle“, ruft sie augenzwinkernd. „Herz anschalten“, befiehlt sie. Die Mitglieder im Alter von 13 bis 70 Jahren gehorchen und blasen los. „Na ja, mein Herz ist noch nicht ganz ausgefüllt“, ruft sie dem Orchester zu. „Aber es war schon schön.“

Die beiden Musicals gehören zu dem Programm, mit dem das Orchester im Herbst sein Jahreskonzert bestreiten wird. Dafür wird ein bis zwei  Mal in der Woche geübt, Register- und Zusatzproben kommen hinzu, und Michelle Neugebauer ist es gelungen, dass auch Mitglieder, die längst nicht mehr in der näheren Umgebung wohnen, dennoch regelmäßig in Steinau aufschlagen und dem   Team treu bleiben. „Da wird dann schon mal der ein oder andere abgeholt oder heimgebracht, wenn es nicht anders geht“, erzählt sie.

Wenn es nur das Dirigieren wäre, würde schon reichlich Freizeit draufgehen. Aber das ist nicht alles, was Neugebauer für „ihr“ Orchester macht. Sie sucht die Stücke aus – „natürlich in Absprache mit den anderen Musikern“ –, arrangiert sie um für das OSW,  organisiert das Jahreskonzert und ein paar andere, kleinere Auftritte, kümmert sich um die Werbung, initiiert einen Projektchor, der die bis dato nur instrumentalen Stücke vokal ergänzt, „und zwischendurch backe ich, um bei längeren Sonntagsproben alle bei Laune zu halten“. Ihr Kuchen versüßt denn auch so manche Kritik. Denn nur, weil die Orchesterleiterin die Musiker nicht rund macht oder vorführt, heißt das nicht, dass sie nicht deutlich sagt, wenn hier die Töne haken und dort der Rhythmus völlig daneben ist. „Warum sollte ich auch jemanden scharf kritisieren, es geht doch um den Spaß an der Sache“, hebt sie hervor.

Mit dem Spaß an der Sache namens Musik fing bei ihr auch alles an. In ihrer Familie spielte eigentlich nur ihr Opa ein Instrument, er war auch lange Vereins- und dann Ehrenmitglied. Eines Tages schenkte ihr Onkel ihr ein Keyboard. Sie fing Feuer. Klavier und Blasinstrumente folgten, sie nahm privaten Musikunterricht und wurde mit neun Jahren „normales“ Mitglied im  Steinauer Orchester in der Bläserklasse. „Musik, das ist einfach mein Ding.“ Gibt es ein Instrument, das  ihr nicht so liegt? Michelle Neugebauer muss nicht lange überlegen: „Gitarre“. Und dann folgt wieder ihr sympathisches Lachen.

Ihr Engagement ist natürlich sehr zeitintensiv. Da sie Vieles alleine stemmt, dauert es einfach, bis alles so läuft, „wie ich es mir vorstelle“. In Stunden sei das nicht zu berechnen. Lob oder Anerkennung erwartet sie dafür nicht. „Es ist doch selbstverständlich, dass ich all das mache.“

Und was ist, wenn das Orchester mal nicht im Mittelpunkt steht, wenn sie sich zum Beispiel mit Freunden trifft? „Ein Großteil davon macht auch Musik“, erklärt sie. „Dann treffen wir uns zum ,Spaßmucken‘. Und ich kann endlich mal wieder selbst ein Instrument in die Hand nehmen. Das bleibt als Chefin leider nahezu aus.“

So funktioniert die Abstimmung

  • Unsere 15 Nominierten werden in den nächsten Wochen in der Fuldaer Zeitung und auf move36.de vorgestellt. Die Liste aller Nominierten findest du hier.
  • Per Onlinevoting wählen Leser und die Jury  ihre Favoriten.
  • Der Sieger wird am 29. Mai im Lokschuppen in Hünfeld verkündet.
  • Der Preis ist mit insgesamt 3000 Euro dotiert. Doch jeder der Nominierten wird in jedem Fall ein kleines Dankeschön in Höhe von 100 Euro bekommen.

Das hat die Siegerin des ersten Jugendpreises mit ihrem Preisgeld gemacht.

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QuelleFoto: Anke Zimmer
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Redaktion move36

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Joscha Reinheimer

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Leiter Video Unit, News-Moderator, Ex-Koch und Nervensäge