Ein Ex-Mitglied von AfD und JA muss in Fulda vor Gericht. Der Angeklagte aus Künzell soll sich als Andreas Goerke ausgegeben und einen Mord gestanden haben. In einigen Wochen kommt es zum Prozess. Das maximale Strafmaß: mehrere Jahre Haft.

Kommt es nun ganz dick für ein ehemaliges Mitglied der Fuldaer AfD? Wie das Amtsgericht Fulda move36 am Donnerstag bestätigt hat, ist die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Toni R. aus Künzell zugelassen.

R. ist demnach unter anderem wegen falscher Verdächtigung angeklagt. Dafür droht ihm laut Amtsgericht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Zudem soll der Künzeller den Notruf missbraucht haben. Hier drohen ihm bis zu einem Jahr Haft oder Geldstrafe.

“Frau ermordert”: R. soll sich als Goerke ausgegeben haben

Ende September 2018 hat die Staatsanwaltschaft Fulda Anklage gegen Toni R. erhoben. Der junge Mann aus Künzell steht demnach unter Verdacht, am 11. Februar 2017 bei der Polizei angerufen und sich als Andreas Goerke ausgegeben zu haben. Dabei soll er detailliert geschildert haben, wie er – der vermeintliche Andreas Goerke – seine Frau getötet habe. Kurz darauf stürmte laut Aussage von Goerke ein Einsatzkommando mit gezückten Waffen dessen Grundstück.

Goerke ist Vorsitzender des antirassistischen Vereins „Fulda stellt sich quer“. Wenige Wochen vor dem Vorfall am 11. Februar hatte sein Verein gegen eine interne Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes Fulda mobil gemacht. Dort sollte der Thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke auftreten. “Fulda stellt sich quer” und andere Gruppen wollten vor Ort demonstrieren. Die AfD sagte die Veranstaltung schließlich ab. Es habe Anfeindungen gegeben, man wolle die Parteimitglieder schützen, lautete die Begründung.

Toni R. ist damals nicht nur Mitglied der AfD, sondern auch Teil des Vorstands der Jugendorganisation der Partei – Junge Alternative – gewesen. Laut Informationen von move36, soll R. damit geprahlt haben, hinter den Vorfällen rund um Goerke zu stecken.

Angeklagter spricht von Verschwörung

Nachdem die Staatsanwaltschaft im September vergangenen Jahres Anklage gegen den Künzeller eingereicht hatte, bestritt dieser die Vorwürfe gegenüber move36. Vielmehr sprach er von einer Verschwörung gegen sich. “Ich habe damit nichts zu tun”, sagte er. “Die, die hinter der Verschwörung stecken, wollen eigentlich einen anderen treffen. Der ist aber zu mächtig. Sie haben mich als schwächstes Glied ausgesucht.”

move36 hat allerdings von Zeugen erfahren, die R. belasten. Sie sollen ihn als den Anrufer, der sich als Goerke ausgegeben hatte, identifiziert haben.

Toni R. ist mittlerweile bereits einige Monate nicht mehr Mitglied der AfD. Sein Fall wird laut Amtsgericht am 21. und 28. März (ursprünglich hatten wir “21. und 23. März” geschrieben) jeweils ab neun Uhr verhandelt. „Grundsätzlich ist die Verhandlung öffentlich“, sagt Christoph Mangelsdorf, Pressesprecher des Gerichts. Ob gegebenenfalls ein Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt, bleibe abzuwarten.

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