Vielleicht hast du’s schon in unserem gerade erschienen Magazin im „Szenegezwitscher“ (S. 86) gelesen: Im Kreuz gibt’s eine neue Partyreihe, die mal wieder etwas mehr Subkultur und Underground-Feeling nach Fulda bringt. Am 20. Oktober fand die erste „Narayana“ statt, eine Goaparty, die Stanley Wortmann (27) ins Leben gerufen hat. Da hat er Connections mit einem DJ aus Gießen geknüpft, der bei der zweiten Auflage am Samstag auf dem Line-up steht: Philipp Schill (29) aka Psy Schilly von chaishop.com. Außerdem legen HotzenPlotz und Sagar Shetty auf.

Wir haben mit Philipp und Stanley über die Szene und die Mucke gesprochen – und darüber, ob sich diese Subkultur in Fulda etablieren kann.

Stanley, die erste Party im Oktober war ein Versuch, hast du mir im Kreuz erzählt. Du hättest mit allem gerechnet – zwischen 20 und 200 Leuten. Es ging eher Richtung 200. Wie war das Feedback?

Das Feedback war überragend. Die Stimmung und die Gäste waren einfach nur wunderbar. Ich hatte lange nicht mehr ein so entspanntes Gefühl bei einer Party, und ich mache das schon recht lange. Viele haben uns gelobt und hilfreiche Tipps geben. Das ist mir sehr wichtig, weil wir uns so im Positiven weiterentwickeln können. Die Kreuz-Mitarbeiter waren auch voll des Lobes wie auch unsere Gast-DJs aus Köln.

Glaubst du, die Goaszene kann sich in Fulda festigen?

Es war, wie bei unserem Treffen im Kreuz schon angedeutet, eine Wundertüte für mich. Es hätten im schlimmsten Fall 20 Besucher sein können, weil das etwas Neues war und keiner genau wusste, wie viele Leute wir erreichen, die sich zum Kommen entscheiden. Ebenso war die Art der Dekoration neu für mich, hier haben wir auch einige hilfreiche Tipps bekommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir hier gemeinsam was Langfristiges aufbauen können. Dafür werde ich mit voller Energie kämpfen.

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Stanley Wortmann will mit einer neuen Goaparty-Reihe das Fuldaer Nachtleben vielseitiger machen.

Warum holst du Goa jetzt nach Fulda?

Ich habe den Ansporn, immer neue Eventkonzepte zu kreieren und auszuprobieren, um das Fuldaer Nachtleben zu erweitern. Ich hatte das Gefühl, es ist der richtige Moment gekommen, hier eine Goaparty zu starten. Weil die Szene in vielen anderen Städten immer größer und erfolgreicher wird.

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Philipp Schill aka Psy Schilly aus Gießen legt am Samstag im Kreuz auf.

Philipp, du bist seit über zehn Jahren als DJ und Festivalgänger in der Szene unterwegs. Wenn eine Subkultur immer populärer wird, geht oft eine Kommerzialisierung damit einher. Zugespitzt gesagt: Die Partys werden fürs Geld und nicht die Feiernden gemacht. Ist Goa für dich noch underground und unkommerziell?

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt immer noch viel mehr Partys, die diesen Underground-Flair mitbringen. Auf der anderen Seite kann ich nicht abstreiten, dass es in den letzten Jahren einen starken Anstieg an kommerzialisierten Partys gegeben hat. Schlussendlich liegt es im Auge des Betrachters, was underground ist und was nicht.

Du legst über Hessens Grenzen hinaus auf, standest mit internationalen Größen wie Astrix und Atma auf einem Line-up – was zeichnet Goa für dich aus? Sowohl die Partys als auch die Musik?

Goapartys zeichnen sich in erster Linie für mich durch das friedliche und gleichberechtigte Miteinander der Community aus – das Zusammengehörigkeitsgefühl, was man spürt, wenn man gemeinsam auf dem Dancefloor steht und für einen kurzen Moment aus unserem System ausbrechen kann, das einzigartige Zusammenspiel von verschiedenen Künstlern, wie Deko-Teams, DJs, Jonglagekünstlern, Bodypaintern und noch vielen mehr, die eine Party in ein Wunderland verwandeln. Die Musik zeichnet sich durch die treibende und mitreißende Baseline aus. Psytrance hat etliche Facetten, die für eine riesige Dynamik auf dem Dancefloor sorgen. Kaum einer sitzt einfach nur da, alle tanzen – und zwar so, wie es ihnen gerade gefällt, ohne Angst haben zu müssen, dafür schief angeschaut zu werden.

Als Kenner der Partys: Was war gut im Kreuz? Was kann man besser machen?

Was ich auf jeden Fall sagen muss: Die PA-Anlage (Beschallungsanlage Anm. d. Red.) im Kreuz ist einfach der Hammer. Es gibt natürlich immer Dinge, die entweder sofort gut funktionieren oder solche, die daneben gehen. Eine gute Partyreihe muss wachsen, und die Mitwirkenden müssen sich einspielen. Die Deko ist zum Beispiel noch ausbaufähig.

Erwartet uns denn was Neues bei der zweiten Auflage, Stanley?

Ja, an der Deko haben wir noch etwas gearbeitet. Außerdem freut es mich sehr, dass Philipp als weiterer DJ dabei ist. Mir ist es wichtig, eine Verbindung zur bestehenden Goaszene in Hessen aufzubauen. Wir wollen die Party Schritt für Schritt weiterentwickeln. Bei jeder kommenden Party etwas mehr Deko, und mal schauen, was uns noch so einfällt. 

Was ist Goa?

Es ist kein Zufall, dass die Szene den Namen des kleinsten indische Bundesstaat an der Westküste des Landes trägt. In Goa fanden in den später 80ern die ersten Outdoor-Trance-Events statt. Die Kultur expandierte innerhalb weniger Jahre nach Europa; vor allem hier wurden die Musikstile weiterentwickelt.

Heute sammeln sich die vielen verschiedenen Stile unter dem Oberbegriff Psytrance. Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren haben sich etliche Subgenres herausgebildet – der Komposition und Schnelligkeit der aus 4/4-Takten zusammengesetzten Musik sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das Tempo geht von 120 bpm (Beats per minute) bis zu 180 und noch schneller. Genrebezeichnungen wie Progressive Trance, Full-On, Darkpsy, Forest, Hi-Tech oder Psycore stehen dabei für die unterschiedlichen Stile innerhalb des Psytrance. Anders als im Trance sind die Kicks der Baseline hier wesentlich energischer, deeper und vulominöser, wodurch ein stampfend-galoppierender Charakter entsteht – daher stampfen viele auch auf die Musik. Auch die Melodien und Soundelemente sind hypnotischer, organischer und mechanischer. Ihre Ursprünge hat die Musik unter anderem im Psychedelic Rock, Trance, Acid House, Techno, Eurobeat und Reggae.

Anfang der 90er versuchten Rucksacktouristen, oft aus Deutschland und Israel, sich mit Goa von der House- und Technoszene abzugrenzen. Stark beeinflusst von der Gegenkultur der 68er, nahmen sie Eindrücke von den indischen Outdoor-Partys mit in ihre Heimat, wo die Kultur ihren Lauf nahm. So ist es auch nicht überraschend, dass in der Szene asiatische Lebensstile und Kunst, Naturverbundenheit, ein nachhaltiger Lifestyle und teils esoterische Ansichten sehr präsent sind. Noch heute prägen Hippies und Alternative diese Subkultur. Sie wird allerdings immer populärer und findet bei vielen Anklang, die offen sind für elektronische Musikstile.

Goapartys steigen ja oft draußen, an Grillhütten oder einfach unter freien Himmel – planst du für den Sommer schon was für outdoor?

Soviel sei gesagt: Ich arbeite mit Hochdruck an der Open Air Saison 2019 in Fulda. Das betrifft nicht nur Goa. Mehr dazu, sobald es Positives zu berichten gibt. 

Und zu guter Letzt: Philipp, was für einen Sound wirst du uns um die Ohren schmettern? Zumal sich im Goa in den vergangenen Jahren ja etliche Substile entwickelt haben.

Ja, das stimmt. Die Musik ist extrem vielseitig geworden. Von mir gibt’s treibenden, biomechanischen Full-On bis hin zu UK Psychedelic – unter anderem von DJs wie Mandala, Tristan, E-Motion, Sentinal 7, Spirit Architect oder E-Mov.

Okay, dann eine tolle Party am Samstag und vielen Dank euch beiden für die Einblicke.


Ein Vorgeschmack auf Philipps Sound gefällig? Auf Soundcloud gibt’s massig Sets von ihm. So auch von den anderen beiden DJs HotzenPlotz und Sagar Shetty.

Damit du auch mal verschnaufen kannst, gibt’s im Café gediegenere Sounds von Rumscheid und Naigo.

Noch keine Vorstellung, was Goa ist? Dann hier ein paar Videos von großen, bekannten Goafestivals:

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