Was hat sich unter dem ehemaligen Kulturzentrum L14 befunden? Seit dessen Abriss haben Archäologen mehrere Funde gemacht. Sie könnten aus dem Mittelalter stammen. Es gibt jedoch noch wenige Anhaltspunkte. Nun ist es fast genau ein Jahr her, dass der Abriss der Sheddachhallen der früheren Fabrik Schmitt in der Langebrückenstraße begonnen hat. Die Hallen sind bereits vorher in schlechtem Zustand gewesen. Hier und da sackte das Dach ab, stürzte stellenweise sogar ein. Mittlerweile steht von dem Gebäude, in dem sich das Kulturzentrum L14 befunden hat, längst nichts mehr. Auf dem Areal sollen Wohnungen entstehen. Bevor die Bauarbeiten beginnen, haben jedoch Archäologen das Sagen.

Sie wollen wissen, was sich auf dem Gelände vor der Firma Schmitt und ihrer Vorgängerin Firma Schwarz befunden hat. Während ihrer Grabungen sind die Archäologen bisher in etwa eineinhalb Meter Tiefe vorgedrungen. Vor einem Monat sind sie auf eine Mauer und Keramik aus dem Mittelalter gestoßen.

Klopf auf Holz

Nun berichtet Dr. Frank Verse, Stadt- und Kreisarchäologe, move36: „In der letzten Zeit sind vermehrt Holzeinbauten – Pfähle, Verschalungen – zutage getreten.“ Die seien älter als die Fabrik der Gebrüder Schwarz, die 1840 gebaut wurde. Wie Dr. Verse zu diesem Schluss kommt? „Das ist relativ einfach: Die Fundamente der Firma schlagen die Holzbefunde durch, sie haben diese beim Bau beschädigt.“

Das Gebäude der Firma entstand während der Industrialisierung. „Damals sind die siedlungstechnisch guten Bereiche Fulda längst besiedelt gewesen“, sagt Dr. Verse. „Deswegen hat sich die Besiedelung während dieser Zeit in den Auenbereich verschoben.“

Kohlenstoff-Methode soll Alter bestimmen

Die Funde belegen nun, dass das Areal an der heutigen Langebrückenstraße bereits zuvor genutzt worden ist. Wann die Nutzung begonnen hat, hat Archäologe Verse noch nicht festgestellt. „Im Katasterplan von Jestädt aus 1727 ist in diesem Bereich Gartenland eingetragen“, sagt er. „Wir wissen jedoch nicht, ob die Holzreste damit in Verbindung stehen. Dazu haben wir noch nicht genug gefunden.“ Verse geht davon aus, dass die Reste aus dem Barock oder gar aus dem Mittelalter stammen.

Wie geht’s nun weiter? „Wir suchen nun Vergleiche“, sagt der Experte weiter. „Gibt es woanders ähnliche Funde?“ Außerdem würde sein Team mit Hilfe der C14-Methode das Alter der Funde bestimmen. Organismen enthalten unter anderem die Kohlenstoffe C13 und C14. C14 ist radioaktiv, es zerfällt, sobald ein Organismus stirbt. Bei einem Baum, nachdem dieser gefällt wurde. Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen C13 und C14.

Verzögert sich Wohnungsbau?

Auch auf der Grabungsstätte in der Langebrückenstraße werden die Archäologen noch eine Weile zugange sein. „Die Grabungen werden noch etliche Wochen dauern“, sagt Verse. „Im Fundbereich arbeiten wir mit feinen Geräten, Spaten und Kelle also. Dort haben wir auch Scherben- und Metallfunde geborgen.“

Wie lange das Ganze noch dauert, kann Verse nicht sagen. „Es kann sein, dass nur noch wenige Kulturschichten mit Funden folgen, die wir bearbeiten. Vielleicht arbeiten wir uns aber bis zum Fuldakies vor.“ Da könne sich der Beginn des Baus der Wohnungen, die hier entstehen sollen, verzögern.