Die Loheland-Gründerinnen Louise Langgaard und Hedwig von Rohden errichteten 1919 bis 1934 in Eigenregie auf einem großen Wald- und Ackergrundstück, in der Nähe von Künzell 22 Schul-, Wirtschafts- und Wohngebäude und gestalteten die naturnahe Schulsiedlung. Die Mischung aus künstlerischer Vielfalt und Frauenpower ließ einen außergewöhnlich-experimentellen Ort für Frauen entstehen, wo sie sich bis heute beruflich bilden. Dieses Jahr feiert Loheland 100-jähriges Jubiläum. 

Die Loheland-Gründerinnen Louise Langgaard und Hedwig von Rohden.

Die beiden Frauen mit klaren Visionen waren Leiterinnen des “Seminars für klassische Gymnastik”. Die Loheland-Gymnastik ist eine Kunst der Leibesübung. Die Frauen haben sich in der Gymnastik stark mit den Fragen beschäftigt, wie: “Wer bin ich im Raum? Oder: “Wie begegnen wir uns?”. Nach langer Suche nach einem geeigneten Standort wollten sie eine Ausbildungsstätte nach ihren Vorstellungen und Idealen aufbauen. “Eine neue Generation Weib soll in Loheland ihren Ursprung finden. Die Frauen, die in Loheland leben, sollten ruhig und sicher in sich ruhen”, sagte Gründerin Langgaard. Genau diese Ruhe hat Loheland als Grundstück ausgestrahlt und somit alle Anforderungen erfüllt, um eine Landkommune zu werden. Die Frauen waren begeistert von der Rhön und sahen viel Potenzial in der Gegend.

Ohne Geld und ohne Plan

“Am Anfang bestand das Grundstück ausschließlich aus Wald und Ackerboden”, sagt Frau Mollenhauer-Klüber, die das Archiv der Loheland-Stiftung betreut. “Ohne Geld und ohne einen abstrakten Plan bauten sie erst einmal ein Notwohnhaus, wo die Schülerinnen unterrichtet werden konnten”. Einige wohnten in der Aufbauphase bei den Bauern im Dorf. Von der Pike auf bauten sie gemeinsam weitere Häuser und erhielten dabei Unterstützung von Architekten. Die Planungen übernahmen Walther Baedecker und sein Hamburger Architekturbüro und der Fuldaer Architekt Hermann Mahr.

Die Frauen arbeiteten immer gemeinschaftlich, kochten gemeinsam und schliefen auf beengtem Raum. Diese Zustände förderten den Teamgeist und so entstanden weitere Gebäude – bis heute 40 an der Zahl. Um auf eigenen Beinen zu stehen und finanziell abgesichert zu sein, mussten die Frauen in der 15-jährigen Aufbauphase kreativ bleiben. Sie gingen mit ihrem hergestellten Handwerk auf Messen, tanzten in verschiedenen Städten und züchteten sogar Doggen. Doch der Plan ging auf – Lohelands Konzept wurde sehr erfolgreich und international bekannt.

Amazonen-Staat in der Rhön

Doch im katholischen Fulda war Loheland zu der Zeit der Gründung ein Fremdkörper, da das freie und künstlerische Konzept bei den Konservativen auf Ablehnung stieß. Amazonen-Staat in der Rhön, Tänzerinnen-Kloster und andere Spitznamen zeugen von der Skepsis gegenüber den Neuankömmlingen auf dem Herzberg bei Dirlos. Entgegen dem Klischee waren die Loheländerinnen aber hochproduktiv und fleißig: Durch den Erlös der kunstgewerblichen Werkstätten wurde die Bildung finanziert.

Als Loheland gegründet wurde, entstand auch die erste Waldorfschule in Stuttgart. In Deutschland gibt es 245 Waldorfschulen – eine davon ist Rudolf-Steiner-Schule auf dem Loheland-Gelände. Die Schule gehört seit 2013 zu den Unesco-Projektschulen als einzige in Hessen, deren Ansatz Friedenserziehung und interkulturelle Kommunikation ist. Unter anderem wurde die Siedlung Loheland unter einer Vielzahl von Mitbewerbern von einer Bauhaus-Jury unter die 100 bundesweiten Orte der Moderne gewählt; die Kunstschule Bauhaus wird dieses Jahr ebenfalls 100 Jahre alt.

Auf dem weitläufigen Gelände der Siedlung befinden sich heute ein Waldorfkindergarten, die Rudolf-Steiner-Schule, Demeter-Landwirtschaft, eine Berufsfachschule für Sozialassistenz, das Archiv der Siedlung, eine Schreinerei, ein Tagungshotel mit Gartencafé und ein Laden und Wohnhäuser.

Passend zum Doppeljubiläum „Waldorf100“ und „Loheland100“ finden viele interessante Veranstaltungen statt. Weitere Informationen zu den Terminen und Rundgängen findest du auf www.loheland.de und im Infokasten.


Woher kommen Waldorfschulen?

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart gegründet. Auf Initiative der Gründer Emil und Berta Molt entstand für Kinder der Arbeiter der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik eine Bildungsstätte, in der nach der Reformpädagogik von Rudolf Steiner zwölf Gründungslehrer lehrten. Die Vorstellung der Waldorfpädagogik: Kinder und Lehrer lernen gemeinsam. Und wenn das geschieht, findet Waldorfpädagogik (gemeinsame Entwicklung) statt. Die Waldorfschulbewegung ist mit etwa 1100 Schulen und über 2000 Kindergärten zur größten freien Schulbewegung weltweit geworden.

Die geschützte Gesamtanlage ist mit den Ackerflächen, dem Garten und dem bewaldeten Gebiet 54 Hektar groß.

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Veranstaltungen

Internationale Werklehrertagung

Werklehrer aus der ganzen Welt treffen sich jedes Jahr zu einer Werklehrertagung, um gemeinsam in verschiedenen Kursen miteinander zu arbeiten. “Passend zum Doppeljubiläum ‘Waldorf100’ und ‘Loheland100’ freuen wir uns sehr, dass die diesjährige Tagung von der Rudolf-Steiner-Schule Loheland ausgerichtet wird”, so Loheland. Unter dem Motto „Wie klingt die Welt – 100 Jahre Waldorfpädagogik“ wird vom 12. bis 17. April auf dem Loheland-Gelände gesägt, gebohrt, geschweißt, gehämmert und gehobelt. Das Klangprojekt „Wood-Harmony“ steht hierbei besonders im Vordergrund. Mit Klanghölzern von Schulen aus der ganzen Welt werden Klangkunstwerke, Xylophone, Musikinstrumente und so weiter gebaut. Gekrönt wird das Projekt mit einem Abschlusskonzert am Dienstag, 16. April um 15 Uhr. 

Festwoche zu 100 Jahre Waldorfschule

Musik-Flashmob

Am Freitag, 10. Mai, findet ein Flashmob auf dem Uniplatz statt.

Handwerkermarkt

Am Sonntag, 26. Mai, findet der 7. Kunst- und Handwerkermarkt Lohelands von 10 bis 18 Uhr statt.

Loheland – gelebte Visionen für eine neue Welt – Ausstellung im Vonderau Museum Fulda

Vom 27. September bis 5. Januar 2020 gibt es eine Ausstellung im Vonderau Museum in Zusammenarbeit mit der Loheland-Stiftung. Die Ausstellung präsentiert Objekte und Dokumente aus dem Zeitraum 1919 bis 1934 teilweise erstmals öffentlich und gliedert sich in fünf Themenkreise:

1. Loheland im Netzwerk der europäischen Avantgarde – eine Chronologie
2. Das Herz Lohelands: Körperbildung, Gymnastik, Tanz, Theater, Musik
3. Die Loheland-Werkstätten: Kunsthandwerkliche Produktion auf der Grundlage gymnastischer Schulung
4. Bildkünstlerisches Schaffen als Ausgangspunkt für kreatives Leben und Arbeiten
5. Die Siedlung Loheland: architektonische Positionen und Ort des biologisch-dynamischen Landbaus

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