[vc_row][vc_column][vc_empty_space height=”20″][vc_column_text]Alles auf Angriff am ersten Prozesstag im “Fall Goerke” am Amtsgericht Fulda. Der Angeklagte Toni R. hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen – er wittert eine Intrige gegen sich. Die Zeugen hingegen belasten das ehemalige AfD-Mitglied schwer.[/vc_column_text][vc_column_text]Was für ein Tag. Am Amtsgericht in Fulda ist heute der Prozess im „Fall Goerke“ gestartet. Kleines Fazit vorab: Der erste von zwei angesetzten Prozesstagen ist extrem interessant gewesen. Wohl selten haben Außenstehende einen derart detaillierten Einblick in den Zank innerhalb des Fuldaer AfD-Kreisverbands erhalten (Artikel folgt). Zudem sind die Aussagen von Zeugen und Angeklagten teilweise bemerkenswert gewesen. Ob das Gericht dank ihnen der Wahrheit nähergekommen ist? Schwer zu beurteilen.

Auf der Anklagebank nimmt gegen 9 Uhr Toni R. (36) platz. Dem Künzeller wird vorgeworfen, am 11. Februar 2017 den Notruf gewählt, sich als Andreas Goerke ausgegeben und gesagt zu haben, er – Goerke – habe seine Frau ermordet. Daraufhin fuhren mehrere Streifen zum Haus der Goerkes, bereit, einen Mörder zu überwältigen. Dieser und mehrere Vorfälle aus demselben Monat haben der Familie Goerke sehr zugesetzt. „Ich war total am Boden, bin in Behandlung gewesen, bin extra Umwege gefahren, hatte Angst, den Briefkasten zu öffnen“, schilderte Andreas Goerke, der als Nebenkläger auftritt, am Donnerstag vor Gericht.

Hat Ex-AfD-Mann mit Tat geprahlt?

Toni R. ist zu diesem Zeitpunkt Mitglied des AfD-Kreisverbands Fulda und Beisitzer des Vorstands der Jungen Alternativen (JA) in Hessen. Er soll damit geprahlt haben, hinter dem Anruf zu stecken. Das sagte zumindest die Zeugin Hedwig B. (62) aus. B. ist Mitglied der AfD. Mit R. hat sie einmal so etwas wie eine Freundschaft verbunden. Sie habe den Angeklagten immer mal mit ihrem Auto zu Veranstaltungen der Partei genommen. Irgendwann sei die Freundschaft der Parteikameraden jedoch in die Brüche gegangen. „Spätestens als R. mir am Telefon gesagt hat, dass er den Anruf getätigt hat“, sagt die Zeugin B.

Laut eigener Aussage hat die Zeugin immer wieder verdrängt, was Toni R. ihr erzählt hat. Erst im November 2017 habe sie sich anderen Parteifreunden offenbart. „Am 17. November 2017 hatten wir ein Treffen in Freiensteinau. Auf der Fahrt dorthin habe ich es Silvia A.-S. erzählt.“ Eingeweiht hat sie demnach auch den zwischenzeitlichen Sprecher des AfD-Kreisverbandes Heiko L. Auch den lokalen Spitzenpolitiker der Partei, H., habe sie davon erzählt, dass Toni R. ihr gegenüber mit dem Anruf geprahlt habe.

“Ich habe Toni R. erkannt”

Dennoch sind nach diesem Abend weitere Monate verstrichen, bis B. bei der Polizei ausgesagt hat. Am 10. April 2018 ist das gewesen. „Nach der Veranstaltung in Freiensteinau hatte ich irgendwann noch einmal gelesen, dass der Täter noch immer nicht geschnappt wurde“, sagt die Zeugin. „Ich habe immer wieder gehofft, dass es irgendwie rauskommt, dann muss ich nichts sagen.“ Zudem sei ihr aus Reihen der Partei immer wieder gesagt worden: „Lass mal.“ Als B. schließlich aussagt, wird ihr die Aufzeichnung des Notrufs vorgespielt. „Ich habe Toni R. beim Stimmvergleich erkannt“, sagt sie.

Dass ein positiver Stimmvergleich nicht zu 100 Prozent auf den Täter verweist, geht aus den Ausführungen der Sachverständigen Dr. Marianne Jessen hervor. Sie hatte die Stimme eines vormals Verdächtigen im „Fall Goerke“ mit der des Anrufers verglichen. Ihr Urteil: Anrufer und Ex-Verdächtiger seien mit leicht überwiegender Wahrscheinlichkeit identisch. Alles andere als sicher. Zumal unterschiedliche Personen doch sehr ähnliche Stimmen haben können.

Schwere Vorwürfe gegen Zeugen

Im Zentrum des ersten Prozesstags stand neben Toni R. und Hedwig B. der Zeuge Heiko L. (44). Der ist AfD-Aussteiger, war kurze Zeit Sprecher des Kreisverbands Fulda. Keine zwei Tage vor Prozessauftakt ist L. laut eigener Auskunft überfallen und genötigt worden, nicht gegen den Angeklagten auszusagen. Einen Rückzieher hat der Aussteiger jedoch nicht gemacht. „Die Vorkommnisse von Dienstag belasten mich schwer“, sagt er im Amtsgericht. Auch er will R. als den Anrufer erkannt haben. „Für mich ist der Stimmvergleich klar und deutlich“, sagt L. „Es ist mir ein Rätsel, worüber wir hier sprechen.“

Toni R. streitet sämtliche Vorwürfe ab. Zu den Fragen der Nebenklage äußert er sich kategorisch nicht. Vielmehr wirft der Künzeller dem Zeugen Heiko L. vor „Meister der Inszenierung“ zu sein. Er vermutet, L. habe den Überfall auf sich fingiert. Ein Vorwurf, dem L. widerspricht. Ohnehin liefert der Angeklagte R. vor Gericht keine Belege für seine Behauptung.

Die Opfer kommen zu kurz

Zudem glaubt R., dass das Ganze – die Vorwürfe gegen ihn – eine Intrige gegen ihn sei. Der Angeklagte beschreibt das vor Gericht so: In der Partei habe es zur Zeit der Vorfälle zwei Lager gegeben. Zum einen habe er gehört, das andere habe aus den Zeugen Heiko L., Hedwig B. und Silvia A.-S. bestanden. R. unterstellt L. und A.-S. Rachegelüste. Ihn hätten sie sich ausgesucht, weil er sich nicht wehren könnte. Sein Anwalt Michael Euler stellt die Theorie auf, über das JA-Vorstandsmitglied R. habe man dem ungeliebten damaligen Parteisprecher Dietmar Vey schaden wollen.

Was nun wie wirklich ist? Vielleicht bringt der folgende Prozesstag kommenden Donnerstag etwas Licht ins Dunkel. Was heute im Gerichtssaal etwas kurz gekommen ist: In der ganzen Chose gibt es ein Opfer – die Familie Goerke.[/vc_column_text][vc_column_text css=”.vc_custom_1553097801069{margin-top: 10px !important;margin-right: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;margin-left: 10px !important;border-top-width: 2px !important;border-right-width: 2px !important;border-bottom-width: 2px !important;border-left-width: 2px !important;padding-top: 10px !important;padding-right: 10px !important;padding-bottom: 10px !important;padding-left: 10px !important;background-color: #ffffff !important;border-left-color: #000000 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #000000 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #000000 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #000000 !important;border-bottom-style: solid !important;border-radius: 5px !important;}”]

Der “Fall Goerke”: Darum geht’s

Andreas Goerke ist Vorsitzender des antirassistischen Vereins “Fulda stellt sich quer”. In deutlich rechten Kreisen ist der Fuldaer nicht sonderlich beliebt. Im Februar 2017 sehen sich Goerke und seine Familie Psychoterror ausgesetzt. move36 schilderte der Familienvater die Vorfälle damals wie folgt:

  • Am 2. Februar 2017 stehen plötzlich sechs Feuerwehrautos und zwei Rettungswagen vor dem Haus der Goerkes. Ein Unbekannter hatte der Feuerwehr telefonisch mitgeteilt, dass das Haus in Flammen stehe. Das stimmte nicht.
  • Am selben Tag liefern acht Pizzalieferanten Pizzen im Wert von jeweils 150 bis 200 Euro an die Familie.
  • Am 3. Februar kriegt die Familie 500 Bücher geliefert.
  • Außerdem erhält Goerke die Bestätigung über eine Mitgliedschaft in der NPD
  • Am 11. Februar stürmt ein Einastzkommando das Grundstück der Familie und zückt die Waffen. Ein Unbekannter hatte sich beim Notruf als Andreas Goerke ausgegeben und gesagt, er – also Goerke – habe seine Frau ermordet.
  • Am 15. Februar erhält die Familie einen Brief, der eine Morddrohung gegen ihren Sohn enthält.

Toni R. steht nun wegen des Vorfalls am 11. Februar 2017 vor Gericht. Mehrere Personen hatten seine Stimme als die des Anrufers erkannt. Zum Zeitpunkt der Tat ist der Künzeller R. Mitglied im AfD Kreisverband Fulda und Beisitzers des Vorstands der Jungen Alternativen in Hessen gewesen. Zum Ende des Jahres hin hat er die Mitgliedschaft in der Partei niedergelegt.

R. wird von der Staatsanwaltschaft Fulda falsche Verdächtigung und Missbrauch des Notrufs vorgeworfen. Anfangs hatte die Polizei wegen einer möglichen politischen Straftat ermittelt. Goerke und sein Verein sahen sich in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzungen mit Personen aus anderen politischen Lagern ausgesetzt. Daher sei es naheliegend, dass die Vorfälle mit diesen Auseinandersetzungen zusammenhingen, sagte Christian Stahl damals move36. Wenige Wochen vor dem Psychoterror gegen Goerke hatte die Fuldaer AfD ihr Neujahrstreffen im Münsterfeld, auf dem unter anderem Björn Höcke reden sollte, abgesagt. Goerke hatte eine Gegenveranstaltung geplant. Martin Hohmann von der AfD nannte als Grund für die Absage Anfeindungen im Internet.

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