Der Textilhersteller Hess Natur war einer der Vorreiter, die in den 80ern ein Zeichen gesetzt haben. Sie haben schwarze Textilien eine zeitlang aus der Kollektion genommen, da der Vorgang des Schwarzfärbens unvertretbare giftige Farbstoffe enthalten hat und die in Verdacht standen, Krebs zu fördern. Ein Punkt, der wohl den wenigsten geläufig ist.

Giftiger Chemiecocktail ergibt die Farbe Schwarz

In den vergangenen Jahren sind viele ungiftige Farbstoffe entwickelt und die gesundheitlich riskanten Färbemittel verbannt worden. Leider ist der Markt so intransparent, dass selbst Fachleute nur mutmaßen können, wie viel krankmachende Stoffe noch im Umlauf sind. Fast alle unsere Kleidungsstücke werden in fernen Teilen der Welt produziert und die Importe von dort allenfalls stichprobenartig kontrolliert.

Die Leidtragenden beim Einsatz bedenklicher Farbstoffe sind Menschen und Umwelt in den Produktionsländern. (©Lu Guang / Greenpeace)

Das Problem mit der Farbe Schwarz beginnt zuerst mal damit, dass sie eigentlich keine reine Farbe ist. Um Textilien schwarz einzufärben, müssen mehrere komplementäre Pigmente wie Blau, Orange oder Gelb zusammen gemischt werden. Dadurch erhöht sich natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein bedenkliches Gemisch bildet, welches allergieauslösende Dispersionsfarbstoffe oder auch krebserregende Azofarben (synthetische Farbstoffe) beinhaltet. Wenn wir schwitzen oder wenn die Kleidung auf der Haut reibt, lösen sich Schadstoffe und können zu Hautreizungen und Allergien führen, in einigen Fällen reichern sie sich sogar im Körper an. Greenpeace berichtet, dass solche spezifischen Giftstoffe immer häufiger in Menschen nachgewiesen werden. Was sie langfristig in unserem Körper anrichten, kann man erst in einigen Jahren abschätzen.

Die Produzenten in China profitieren von den schwachen Umweltauflagen

Was heute jedoch der Stand der Dinge ist: Die Umweltschäden sind beträchtlich. Die laschen Umweltauflagen und Kontrollen in Asien machen es den Textilfabriken leicht, ihre Abwässer ungeklärt in die Flüsse und schließlich ins Meer zu leiten. Von 435 registrierten Abfluss-Stationen in China hielten sich 2012 zwei Drittel nicht an Umweltstandards, schreibt Greenpeace. Über zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen gelten als verschmutzt, 320 Millionen Menschen haben allein in China keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In Indonesien wurden kürzlich gefährliche und hormonell wirksame Chemikalien in der örtlichen Wasserversorgung nachgewiesen. Jetzt müssten alle Alarmglocken läuten, farbintensive Kleidung zu hinterfragen.

It´s time to detox – Zeit, zu entgiften

 

Es geht auch anders – schwarze Farbe ohne Gift

Längst gibt es schwarze Farbstoffe, die ohne Schwermetalle und Halogenverbindungen hergestellt werden können. Die Firma EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) hat mit dem schwäbischen Bekleidungshersteller Trigema 2006 ein T-Shirt auf den Markt gebracht, gefärbt mit dem laut EPEA-Gründer und Chemiker Michael Braungart „ersten tiefen Schwarz, das man unbedenklich auf der Haut tragen kann“. Das kompostierbare Shirt kommt ohne Schwermetalle aus, ebenso wie der BH, den EPEA im Jahr darauf mit dem Wäschelabel Triumph entwickelte.

Der schwarze Pullover von Trigema ist frei von schädlichem Schwarz. (©Trigema)

„Dreiviertel der schwarzen Kleidung auf dem Markt sind inzwischen nach unserem Vorbild gefärbt“, schätzt Braungart. Doch er meint auch: „Es gibt nach wie vor ein tiefes Schwarz, was extrem gesundheitsschädlich ist und überall in die Biosphäre gelangt.“ Für den Verbraucher ist es schwer, hier gut von böse zu unterscheiden.

Textilsiegel können eine Sicherheit bieten: Der IVN Best setzt so hohe Standards, dass nur wenige Farbstoffe ihn überhaupt erfüllen können. Der Öko-Tex Standard 100 lässt Schwermetalle zwar zu, garantiert jedoch, dass die Rückstände im Kleidungsstück unter bestimmten Grenzwerten liegen. Der GOTS-Standard verbietet Schwermetalle grundsätzlich und geht noch einen Schritt weiter: Da alle verwendeten Chemikalien nach GOTS zugelassen sein müssen, ist auch die Produktion automatisch sauberer. Und das ist wohl das drängendere Problem: Kirsten Brodde, Buchautorin und Greenpeace-Aktivistin, ist der Meinung, dass die Farbstoffe, die über Kleidung auf unsere Haut übergehen können, marginal sind im Vergleich zu jenen Mengen, denen Arbeiter und Umwelt in den Produktionsländern ausgesetzt sind. „Die Rückstände sind lediglich ein Indiz, was sich Verheerendes in der Produktion abspielt.“

Tipps für schwarze Kleidung

  • Die schwarze Kleidung vor dem Tragen unbedingt gründlich waschen. Für Kinder getragene Kleidung bevorzugen.
  • Kleidung mit dem Pflegehinweis „getrennt waschen“ meiden.
  • Allergiker sollten bei Kleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, extrem satte Farben meiden. Das gilt auch für andere Töne mit sehr hoher Farbtiefe: Als problematisch gelten aktuell die leuchtenden Türkisnuancen.
  • Bei schwarzen Nylons oder anderer Synthetik-Wäsche kann der Preis ein Indiz sein, dass die Farbe in der Faser eingesponnen wurde und somit nicht ausblutet. Ein Beweis ist es aber nicht.
  • Auf Öko-Siegel wie GOTS oder Öko-Tex-Standard 100 achten.
  • In den Geschäften Interesse an der Herstellung von Mode zeigen und somit den Druck auf die Hersteller vorantreiben: Nachfragen, nachfragen, nachfragen!

Wie kann ich mir sicher sein?

90 Prozent der Kleidung, die wir tragen, wird in Asien produziert, insbesondere in China, Bangladesh und Indien. Dabei profitiert die Textilindustrie von den mangelhaften Umweltschutzauflagen ihrer Produktionsländer und kann unsere Shirts, Hosen und Co. für wenig Geld in den Verkauf bringen.

Doch der Färbeprozess, muss keinen riesigen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Die gängigen Öko-Mode-Zertifizierungen (Öko-Tex Standard 100, GOTS, IVN, Bluesign) garantieren, dass möglichst wenige bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden, achten auf eine möglichst umweltfreundliche Produktion und stellen zudem sicher, dass soziale Mindeststandards eingehalten werden. Eine gute Idee ist es auch, Second Hand Kleidung zu kaufen, bei der sich bedenkliche Stoffe meist schon ausgewaschen haben. Das ist nicht nur für unseren Körper besser, sondern schont auch unser Grundwasser, das sonst durch Chemikalien belastet wird, die sich beim Waschen freisetzen.

Wichtig ist, zu hinterfragen, wo die Marken herstellen und ob die Textilhersteller soziale Standards einhalten. Das ist schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Der günstige Preis von diversen Textilherstellern sollte einen skeptisch stimmen und zum Nachdenken anregen. Möchte ich giftige und bedenkliche Mode tragen?

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