„Was hat das, was am anderen Ende des Globus passiert, mit uns zu tun?” Diese Frage stellten sich Schülerinnen und Schüler der Wigbertschule bei einem Vortrag über die Beschneidung von Mädchen und Frauen in Afrika. Die Fuldaer Professorin Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe bemüht sich seit Jahren um Aufklärung bei der Bevölkerung, aber auch um Information über dieses Thema in Deutschland, wie etwa bei dem Vortrag an der Wigbertschule.

Ein Text der Wigbertschule Hünfeld

Laut UNICEF sind täglich etwa 6.000 Mädchen und Frauen in 29 afrikanischen Staaten von der „weiblichen Genitalverstümmelung“ betroffen, weltweit sind es nach aktuellen Zahlen über 200 Millionen. Dass das Problem auch in Deutschland Einzug gehalten hat, ist ein relativ neues Phänomen: Hier sind über 48.000 Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund betroffen und Tausende in Gefahr. Die Beschneidungen werden vom Säuglingsalter an bis hin zum Alter von 15 Jahren durchgeführt. Diese Beschneidung raubt den Frauen jegliche Chance auf ein unversehr­tes, gesundes Leben und ihre Sexualität.

Anja Baierlein berichtet aus der Erfolgsgeschichte des FULDA-MOSOCHO-PROJEKTES. Wichtig dabei die Einbeziehung von Männern, so dass auch sie sich dafür entscheiden, sich aktiv zum Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung einzusetzen.

 

Das Fuldaer Mosocho-Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe bemüht sich in einem Projekt in Kenia um Aufklärung bei der Bevölkerung und weist dabei beeindruckende Erfolge auf. Frau Hinkelmann-Toewe wurde 2006 mit dem Menschenrechtspreis des EU-Parlaments ausgezeichnet.

Beschneidung: eine tiefverwurzelte Tradition

Die Dipl.-Sozialpädagogin Anja Baierlein, die das Projekt in Kenia mitbetreut, wie auch Sozialpädagogin Sandra Jensen, die das Projekt ehrenhalber unterstützt, stellten die Arbeit des Fulda-Mosocho-Projekts den Wigbertschülerinnen und -schülern vor. In der 90-minütigen Unterrichtseinheit wurde nicht mit schockierenden Bildern oder perspektivlosen Fakten gearbeitet, sondern es wurden Strategien und Denkweisen von erfolgreich machbarer Entwicklungshilfe präsentiert.

Konzentration bei den Schüler/-innen

 

Das Credo dieses Projekts lautet: „Es ist möglich, die Beschneidung zu beenden, und zwar Hand in Hand mit den Einheimischen.“ Dazu wurden in dem Vortrag die Ursachen und Hintergründe der Tradition beleuchtet; besonders die Wege bzw. Perspektiven für die Überwindung der tiefverwurzelten Tradition standen hier im Fokus. Den Schülerinnen und Schülern wurden an Hand des Beispiels des Fuldaer Mosocho-Projektes effektive, praxiserprobte Lösungswege aufgezeigt.

Man nimmt den Frauen mehr als man denkt

Es gelang den beiden Referentinnen, die Schülerinnen und Schüler für das Thema zu sensibilisieren und Betroffenheit zu erzeugen. Kaum jemand wusste zuvor von der Praxis der Beschneidung. Wichtig war auch zu verdeutlichen, dass die Arbeit vor Ort auf Aufklärung setzt. „Man kann eine Verhaltensänderung, den Bruch mit dieser alten Tradition, nicht erreichen, indem wir uns als scheinbar moralisch überlegen darstellen. Verhaltensänderung, die nachhaltig sein möchte, kann nur in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, mit den betroffenen Männern und Frauen erfolgen. Es muss einsichtig werden, was man den Frauen mit der Genitalverstümmelung nimmt.“, so Anja Baierlein.

Bereits 30.000 Mädchen nachhaltig gerettet

Das Projekt gehört laut einer UNICEF-Studie zu den fünf weltweit erfolgreichsten in diesem Bereich, wodurch in der Projektregion bereits über 30.000 Mädchen nachhaltig gerettet werden konnten.

Die schulische Arbeit ist Teil des Projektes „Weibliche Genitalverstümmelung – mehr Engagement für bedrohte Mädchen und Frauen in Afrika! Ehrenamt stärken, Jugend erreichen, Entscheidungsträger bewegen“ und wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

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