Bitte, Danke, Entschuldigung – höflich, oder gar freundlich zu sein, gehört zu einem harmonischen Miteinander – sollte man meinen. Einige jedoch scheinen diese Höflichkeiten nicht mehr zu kennen oder sie schlichtweg zu ignorieren. Auf ihrem ersten Festival spürte das Volontärin Constanze nur zu gut.

Yeah! Mein erstes kleines Festival. Das Wireless in Frankfurt. Ich freute mich vor allem auf Bausa, KC Rebell, Summer Cem und Rita Ora und natürlich auf viel Spaß mit den Mädels. Also ging es Samstag los, und schon im Zug merkte ich, dass meine Laune langsam abfällt. Nicht, weil ich keinen Bock mehr hatte, sondern aufgrund der Tatsache, dass einige vergessen haben, wie man sich beim Ein- und Aussteigen benimmt. Nämlich, dass du dich als zusteigender Passagier nicht auf Biegen und Brechen durch die Masse drängelst, sondern wartest, bis die anderen den Zug verlassen haben.

Getränke holen schwer gemacht

Irgendwann haben wir es trotzdem geschafft, ohne zu drängeln oder zu schubsen. Doch dem nicht genug: Wir, als vierer Gruppe, wollten in einem Vierer sitzen. Das gestaltete sich schwerer als gedacht: Gefühlt jeder Vierer war von je einer einzelnen Person besetzt, obwohl fast alle Doppelsitze frei waren. Wieso? Ist es denn so schwer, sich umzusetzen, wenn du siehst, dass eine Gruppe zusammensitzen möchte? Dass wir natürlich hätten fragen können, ist uns auch zu spät eingefallen. Aber eigentlich könnte derjenige auch selbst reagieren, oder? Drei Wagons später dann der ersehnte Vierer.

In Frankfurt angekommen, lief alles wie am Schnürchen. Also erkundigten wir voller Vorfreude auf die Acts das Gelände und die, naja, sehr interessanten Outfits der Festivalbesucher. Da es heiß war, musste erst mal was zu Trinken her. Dann Klappe, die Zweite: „Menschen, denen ich gerne ins Gesicht spucken möchte“: Wer regelmäßig unser Magazin liest, weiß, dass ich nicht zu den größten Menschen gehöre, also auch oftmals einfach übersehen werde. Aber dass mich ein 1,80 Meter großer Typ an der Theke einfach wegschubst und sich vor mich drängelt, ist auch mir noch nicht passiert. Beziehungsweise, wenn ich so darüber nachdenke, passiert mir das häufiger beim Feiern. Vor allem in kleinen Locations, die so überfüllt sind, dass ich untergehe. Nach einem „Ehm, geht’s noch?“ und einem weiteren Schubser – dieses Mal von mir – stehe ich dann wieder an meinem Platz. Klar, die feine Art war das nicht, aber anders scheinen es viele nicht zu raffen.

Wer Bier verschüttet, ist blöd

Ich bekam auf jeden Fall irgendwann mein Getränk, bedankte mich höflich bei den Leuten hinter mir, die mich ohne Murren durchließen, und wir zogen endlich los zur Bühne. Tja, und auch da wurden wir nicht verschont. Denn zu sehen gab es für uns anstatt der Künstler eher die Performance von Mädels und Jungs, die sich noch vor uns in die zehn Zentimeter breite Reihe reinquetschten – alle natürlich mindestens einen Kopf größer als wir. Dazu gab es eine kostenlose Bierdusche und eine gefühlte Rauchvergiftung. Wohlgemerkt bei jedem Song.

Ignorantes Vordrängeln scheint ein neuer Trend zu sein: In der Apotheke oder auf der Bank missachten einige einfach den Diskretionsstreifen und stellen sich vor mich. Das passiert mir übrigens am häufigsten mit älteren Herren. Meine Laune war auf jeden Fall am Tiefpunkt, die Liste meiner Top Five „Dinge, die ich hasse“ füllte sich rapide. Das Benehmen der Festivalbesucher hat dazu beigetragen, dass mein erstes Festival ein Flop wurde. Danke dafür!

Schon mal was von Mülltonnen gehört?

„Die Alte soll sich nicht so aufregen“, denkt sich jetzt wahrscheinlich der ein oder andere. Aber ganz ehrlich: Ich erlebe solch asoziales Verhalten nicht nur beim Feiern, sondern auch im Alltag. Und es nervt, es nervt mich tierisch. Und ich spreche nicht nur über Teenager, auch Leute in meinem Alter oder Senioren denken, die Welt gehört ihnen. Spoiler: gehört sie nicht. Ach, eine Sache noch, die in diese Sparte passt: Müll oder Zigarettenstummel auf die Straße werfen gehört sich auch nicht. Das ist ähnlich ignorant, asozial und unhöflich gegenüber der gesamten Stadt, in der man lebt. Schon mal was von Mülltonnen gehört?

Also tue mir und euren Mitmenschen den Gefallen: Sag Danke und Bitte. Entschuldige dich, und an alle werdenden Eltern: Zieht bitte keine Arschlöcher auf. Eine Gesellschaft funktioniert nämlich ohne soziale Regeln, ohne ein rücksichtsvolles Miteinander nicht.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

Fehlerbericht

Der folgende Text wird anonym an den Autor des Artikels gesendet: