Eine Millionen Tonnen Klamotten entsorgen wir Schätzungen zufolge jedes Jahr in Deutschland – zusätzlich einer hohen Dunkelziffer. Kürzlich habe ich einen Schwung alter Sachen in den Kleidertauschladen und zum Deutschen Roten Kreuz Am Rosengarten gebracht. Wo aber sind all die anderen Männer, die ihre noch tragbaren Stoffe spenden könnten? 

Im Kleidertauschladen der L14zwo habe ich quasi auf dem Absatz kehrtgemacht, so auch ein anderer junger Mann. Ich wollte zwar nix tauschen, sondern nur zuhause ausmisten. Dennoch schaut man sich ja mal um. Gähnende Leere für Männer. Ähnlich im DRK-Kleiderladen: “Sie sind der erste junge Mann, der hier Klamotten spendet”, so die Dame am Tresen, als ich im Frühjahr schon einmal da gewesen bin.

Ich war etwas verdutzt. Ich konnte es nicht glauben, dass viele jüngere Männer das so gar nicht auf dem Schirm haben. Und ich glaube auch nicht, dass nicht jeder mindestens ein T-Shirt, eine Hose, einen Gürtel oder was auch immer hat, was er nicht mehr trägt und entbehren kann. Rund zwei Milliarden Kleidungsstücke liegen kaum oder gar nicht getragen in unseren Schränken rum, oder 40 Prozent aller Klamotten in Deutschland. Das hat Greenpeace 2015 auf Basis einer Umfrage errechnet. Was uns nicht mehr gefällt, wird aussortiert und landet im Container, nachdem es allerdings selten da ankommt, wo wir es vermuten – nämlich kostenlos oder sehr günstig bei Bedürftigen. Oder es wird gar in den Restmüll geworfen, wo’s keinesfalls hingehört.

Auswüchse der Konsumgesellschaft

Kleidung, selbst noch intakte, ist längst zur Wegwerfware verkommen. Die Hälfte der von Greenpeace Befragten hat noch nie was zum Schneider gebracht, jeder achte Deutsche trägt seine Schuhe nicht einmal ein Jahr. Erst vor einigen Monaten habe ich zum ersten Mal den Begriff Fast Fashion gehört – ich war abgestoßen angesichts dieses sinnentleerten, unaufhaltsamen Auswuches der Konsumgesellschaft. Geplanter Obsoleszenz sei dank – künstlich verkürzte Lebensdauer von Produkten. Sollte es nicht im Wesen von Kleidung liegen, möglichst lange zu halten?

Zumindest sollten wir das, was noch tragbar oder reparabel ist, nicht kopflos entsorgen. Vor allem auch ihr, liebe Männer. Klar, wir haben im Schnitt 40 Kleidungsstücke weniger als Frauen. Doch hundertprozentig hast auch du irgendwas im Schrank liegen, was du nicht mehr trägst. Das sollte idealerweise hier vor Ort bei den Bedürftigen ankommen, damit nicht noch unnötig CO2 für den Transport verpulvert wird. Also, bring Entbehrliches doch einfach in den Kleidertauschladen, den DRK-Kleiderladen, in den Caritas-Kleidermarkt oder zur Diakonie. Und nicht in Container.

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QuelleFoto: Daniel Beise

Daniel Beise

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Nachrichtenjunkie bei move36 mit Vorliebe für spitzzüngige Kolumnen.