Was hat man nicht alles gelesen zum “Black Friday” am 23. November. Ist jetzt auch langsam echt mal gut. Das denke ich mir auch. Aber der aus den USA rüber geschwappte Konsumwahnsinn-Tag, der ja dort fast schon ein Nationalfeiertag ist, hat mich ernsthaft zum Nachdenken angeregt. Was ich gesehen habe, ekelt mich an.

Ein Text von Peter Frankenbach

Wie die Geier stürzen sie sich auf den minderwertigen Billig-Ramsch, den sie eigentlich gar nicht brauchen. Jeder Deutsche kauft ohnehin schon durchschnittlich fünf neue Kleidungsstücke im Monat. Also 60 im Jahr. Dem Markt ist das scheinbar nicht genug.
Rabatte, die uns zu zusätzlichem Konsum verleiten, müssen her. „Das Belohnungssystem freut sich vor allem über den Preisnachlass, über das Kauferlebnis. Ob man den Artikel wirklich braucht, ist eine andere Frage.“, sagt der Neurologe Borwin Bandelow in der Tageszeitung TAZ.

Da ist es egal ob ein Kleidungsstück durchschnittlich zu 70 Prozent aus Plastik besteht. „Macht doch nichts, kann man doch recyceln.“ Bullshit. Aus dem bisschen, was recycelt wird, werden Putzlappen und Malerrollen gemacht. Alles Sachen, die schon nach kurzer Zeit auf dem Müll landen und wie der Rest richtig schön umweltbewusst verbrannt werden. Allein die Textilindustrie macht acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes aus.

Durstige Klamotten

Und wenn wir jetzt schon bei Nachhaltigkeit sind: Auch plastikfreie oder -arme Klamotten schonen die Natur nicht wirklich. Für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts schluckt etwa 2495 Liter Wasser, für eine Jeans fließen 8000 Liter. Zum Vergleich: In eine Badewanne passen gerade mal 150 bis 180 Liter.

Ich will nicht sagen, man soll sich nichts mehr gönnen, aber man kann wenigsten versuchen, seinen Konsum zu reduzieren und so nachhaltiger Leben – das ist gar nicht so schwer. Wir sollten uns immer vor Augen führen: Das ist der Planet, auf dem wir alle Leben und auf den wir angewiesen sind. Aber das machen scheinbar die wenigsten, denn seit 2000 ist die Menge an Kleidung, die hergestellt wird, um 60 Prozent gestiegen – und es wird immer mehr. Einfach beim Geschenke Kaufen im Hinterkopf behalten.

Schmeiß weg, hat ja eh nix gekostet

Der Großteil der Kleidungsstücke ist zum Wegschmeißen gemacht. Das lieg einmal am mickrigen Preis, der die Hemmschwelle senkt.  Aber auch an der Qualität. Genauso wie bei vielen elektronischen Geräten ist hier – besonders bei Kleidungsstücken von Läden wie Primark, H&M und NewYorker – die geplante Obsoleszenz stark zu spüren (Übersetzung: Der Scheiß geht geplant schneller kaputt).

Also ich für meinen Teil werde so´nen Kram nicht mehr kaufen. Und ich hör schon das „Wenn man´s sich leisten kann…“. Leute, dann hat man halt statt fünfzehn nur fünf T-Shirts und statt drei, einen Pullover im Kleiderschrank – aber dafür einen, der ein paar Jahre hält. Kauft man sich einen wertigen Pullover, überlegt man sich zweimal, ob man ihn jetzt einfach wegschmeißt, wenn er ein Loch hat, oder ob man ihn nicht vielleicht doch flicken oder sogar zum Schneider bringen soll. Und wenn man sich dran sattgesehen hat, kann man ihn mit Textilstiften ummodeln oder man bügelt sich nen Patch drauf.

Und wenn´s dann wirklich mal reicht, spendet man ihn und irgendein Grunge-Hipster freut sich, wenn er im Diakonie-Laden nach einem neuen Outfit schaut. Und der würde sich auch über das Loch im Pullover freuen.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.