Zwei schroffe, hessische Typen touren derzeit durch Deutschland, Mütze-Glatze! Simply the Pest aus 50 Jahren ist der Titel ihres Programms – äh nein, Stopp! Seit 20 Jahren rocken sie gemeinsam Deutschlands Bühnen mit derbem Humor. Dragan und Alder haben sie bekannt gemacht. Richtig, das hessische Comedy-Duo Mundstuhl ist gemeint. Die beiden Frankfurter Ande Werner und Lars Niedereicholz haben allerdings kürzlich ein paar Termine abgesagt, da Andes Vater gestorben ist – dennoch haben sie sich wieder aufgerafft, um die Tour fortzusetzen. Im Interview erzählt uns Lars, warum sie ihr Programm Best of 50 Jahre Mundstuhl genannt haben, wie sie überhaupt auf ihren Namen kamen, und warum Kühe ersaufen, wenn sie baden gehen.

Seit Oktober 2015 seid ihr unterwegs – seid ihr sehr im Stress?
Nein, überhaupt nicht. Es macht großen Spaß. In vielen Städten machen wir Zusatztermine, weil alles ausverkauft ist.

1996, vor 20 Jahren, seid ihr gemeinsam durchgestartet – wieso also Best of 50 Jahre Mundstuhl?
Naja, das klingt halt einfach besser als 20 Jahre. Außerdem irritieren wir ja auch ganz gerne.

Beim Titel „Mütze-Glatze“ war ich auch etwas irritiert. Ist das eine Anspielung auf Masturbation oder lediglich auf eure Häupter?
Nö, das hat überhaupt keine sexuelle Bedeutung. Ich trage einfach gern ne Mütze und Ande hat ne Glatze. „Mütze-Glatze“ ist außerdem wie ein Ausruf, der so viel wie „Boah Geil!“ bedeutet; das hat ein bisschen was mundstuhliges.

Mundstuhliges – Das nächste Stichwort. Klingt irgendwie eklig. Wie seid ihr auf diesen Künstlernamen gekommen?
Da wir das schon ungefähr 3845 Mal gefragt wurden, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, jedes Mal eine andere Geschichte zu erzählen: Im Frankfurter Rotlichtviertel hatte Ande damals als Hartgeldstricher den Spitznamen Mund, und ich war Zuhälter und saß immer auf einem Stuhl – deswegen war ich in Szenekreisen als „der Stuhl“ bekannt. So war die Kombo Mundstuhl schnell gefunden.

Vorher wolltet Ihr aber beide Rockstars werden und habt auch in Bands gespielt – was war da so los, Sex, Drugs & Rock’n‘Roll?
Richtig, wir waren auch beide Sänger unserer Heavy-Metal-Bands. 1995 waren wir zusammen mit unseren Bands auf Deutschland-Tournee, die aber so richtig scheiße lief. Dabei haben wir uns kennen gelernt und gut verstanden.

Und wie habt ihr dann zur Comedy gefunden?
Ich habe Ande Anfang 96 dann auf‘n Anrufbeantworter gequatscht, ob er nicht Bock hat, Comedy zu machen. Zwei Tage später hat er mich zurückgerufen und im Frühjahr 96 haben wir uns dann zusammengehockt, Sketche geschrieben, Charaktere wie Dragan und Alder erfunden, und ziemlich schnell sind dann auch die ersten Radiosender auf uns aufmerksam geworden.

Mit den Figuren Dragan und Alder geltet ihr als Erfinder der Kanack-Comedy. Laufen die beiden immer noch so gut?
Ja, auf jeden Fall. Die beiden haben ihren festen Platz in jedem Programm, ich will sie nicht missen. Und die Leute feiern sie nach wie vor.

Okay, habt ihr die Charaktere dennoch mal überdacht – angesichts der vielen Menschen, die zu uns kommen, darunter ja auch viele Muslime?
Nein, wir machen das, was lustig ist; und das finden ja auch jedes Mal hunderte von Leuten witzig. Mundstuhl ist eine reine Spaßfabrik, und wir wollen erreichen, dass unsere Fans mal zwei Stunden alles vergessen und lachen können. Unsere Figuren sind mitten aus dem Leben gegriffen…

…und so seid ihr auch auf Dragan und Alder gekommen?
Richtig, in den 90ern war es naheliegend Immigranten-Comedy zu machen. Ande hat damals in einem Kampfsportstudio in Offenbach gearbeitet und die Jungs halt live miterlebt: “Isch hab krass 3er. Isch hab tiefergelegt. Isch hab krass Handy”. Es ging immer nur um Statussymbole. Irgendwann hat er dann zu mir gesagt: “Ey Alder, mein Handy is stärker wie dein Fax.” Das war die Geburtsstunde von Dragan und Alder – natürlich überspitzen wir all unsere Charaktere.

Und nicht nur das, gerne schießt ihr auch mal unter die Gürtellinie und seid politisch inkorrekt, aber das wollt ihr ja auch sein, oder?
Ja, wir sind die Härtesten, die Motörhead der Comedy. Das ist halt unser Humor, und wir sind halt nicht Eckart von Hirschhausen, einen Kollegen, den wir übrigens sehr schätzen. Unsere Fans kommen aber zu uns, weil sie genau das wollen. Diese gewisse Härte.

Am 7. Mai seid ihr im Gemeindezentrum Künzell – habt ihr eine große Fangemeinde im Raum Fulda?
Ja klar, Hessen ist immer noch unser Kerngebiet. Wir waren schon vor 20 Jahren in Fulda im Kreuz, und in Künzell sind wir jetzt schon zum zehnten Mal, glaub ich.

Würdest du sagen, ihr macht typisch hessische Comedy?
Nein, dazu ist unsere Mundart nicht hessisch genug. Wir schwätzen ja ein hessisch eingefärbtes Hochdeutsch, ansonsten würde unsere Comedy außerhalb von Hessen nicht so gut funktionieren.

Apropos hessische Comedy – habt ihr eigentlich mal was mit Badesalz gemacht?
Ja, ich habe mit Henni Nachtsheim 2012 mal einen Kurzfilm gemacht, „Lokalkolorit“ heißt der. Die Tage der Rivalität sind schon lange vorbei.

Und wann gibt’s mal wieder eine Scheibe von euch?
2015 haben wir ja erst „Ausnahmezustand“ rausgebracht, aber es bietet sich natürlich an, unser jetziges Programm aufzunehmen und als DVD rauszubringen.

Das Programm ist ja ein Best of, erwarten uns trotzdem Überraschungen, neue Charaktere?
Neue Figuren nicht, wir haben ein paar alte ausgepackt und uns natürlich neue, aktuelle Sketche mit den altbewährten Figuren ausgedacht.

Und zu guter Letzt: In einem beliebten Sketch macht ihr euch über Kühe lustig, die ersaufen, wenn sie baden gehen – wie kommt man auf sowas?
(Lacht) Naja, es ist ein wenig bekannter Fakt, dass Kühe keinen, beziehungsweise eine schlechten Schließmuskel haben, und wenn sie ins Wasser gehen, laufen sie von hinten voll und ersaufen. Und sie können sich ja auch nicht gegenseitig warnen, so nach dem Motto: “Hey, geh nicht baden, du hast keinen Schließmuskel!” Kühe sind halt faule Tiere, stehen nur auf der Weide rum und glotzen blöd.

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