Seit einigen Tagen gibt es in Fulda sieben neue In-Gang-Setzer (IGS). Die Leiterin des Selbsthilfebüros Osthessen Christine Kircher, ihre Mitarbeiterin Septi Sakti und fünf der sieben Ehrenamtlichen sprachen mit uns über ihre Arbeit und machten Mut, sich zu engagieren.

Text von Lea Marie Kläsener

Fulda hat jetzt sieben neue In-Gang-Setzer (IGS). Hast du noch nie gehört? Wir auch nicht. Deshalb haben wir fünf der sieben im Selbsthilfebüro besucht. In Fulda gibt es bereits viele Selbsthilfegruppen, aber es kommt immer wieder vor, dass das Telefon klingelt und Nachfragen mit: „Können Sie sich vorstellen, selbst eine solche Gruppe zu gründen?“ beantwortet werden müssen. IGS begleiten eine neue Gruppe bei der Gründung, zeigen, wie eine Gruppensitzung laufen kann, welche Regeln sie sich selbst geben könnten und wie sich eine lockere Gesprächskultur etablieren lässt.

Bisher wurden neue Gruppen immer von Selbsthilfebüroleiterin Christine Kircher begleitet. Aber sie habe einfach nicht die Zeit, allen Gruppen die nötige Zeit zu widmen, daher sei die Betreuung mangelhaft gewesen, sagt sie. Dafür sind jetzt Marmar Narwim, Iness Hadhri, Marion Kronberg, Schajma Zajraeva, Medina Zajraeva, Maria Semmler, Serife Demir und Eva-Maria Fleck da. Betreut werden die sieben In-Gang-Setzerinnen von Christine Kircher und Septi Sakti.

Die neuen IGS sollen eine moderierende Rolle einnehmen, die Gruppenmitglieder „an die Hand nehmen“. Christine Kircher macht klar: Die IGS sollen „nicht Führung, sondern Begleitung“ einer Gruppe darstellen. Auch bereits bestehende Gruppen, die Schwierigkeiten bei der Kommunikation haben oder „im Gespräch immer wieder in dieselben Fallen tappen“ können sich im Selbsthilfebüro Hilfe holen und um einen IGS als Unterstützung bitten. Dieser setzt sich dann dazu und gibt nach Aufforderung Feedback.

Wer sind die In-Gang-Setzerinnen?

Die Sieben sind zwischen Anfang 20 und Mitte 50 und interessiert daran, „Menschen zu helfen“. Sie sind Studentinnen, Ehrenamtliche und Berufstätige. Und sie sind Frauen. Denn wie so oft bei sozialem Engagement sind es vor allem Frauen, die bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen. Es sei ein Dauerproblem, so Christine Kircher. „Ganz wenige junge Männer sind bereit, sich unbezahlt sozial zu engagieren. Das bleibt immer noch an uns Frauen hängen.“ Dabei ist sie sich sicher: „Jungen Männern entgeht ganz viel, wenn sie diesen Bereich für sich ausklammern.“

Die neuen IGS haben in den vergangenen Monaten ein In-Gang-Setzer-Seminar absolviert. Nach einem allgemeinen Infotreff habe das Selbsthilfebüro Termine für Einzelgespräche festgesetzt, in denen man sich dann menschlich kennengelernt habe, so Marmar. Mithilfe des Gesprächs wurde beschlossen, wer zur Schulung zugelassen wird. Nach drei Wochenenden Unterricht in Frankfurt am Main erhielten die IGS nun ihre Zertifikate. Alle vereint der „riesige Spaß“ an den Schulungen, so Medina, und der Ehrgeiz, „etwas Sinnvolles im Ehrenamt zu tun“, sagt Eva. „In Selbsthilfegruppen verschwinden die sozialen Trennungen“, erklärt Septi. „Die Betroffenen sind durch ihr Schicksal gleich, die Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede. Dadurch lernen sich verschiedene Kulturen kennen.“

Da hilft es, dass viele der IGS bis zu vier Sprachen beherrschen. Sie leben alle schon lange in Deutschland, haben Wurzeln in der Türkei, Afghanistan, Tschetschenien oder Indonesien. Die Arbeit mit internationalen Selbsthilfegruppen nimmt stark zu, in Fulda hat Septi die Leitung des Bereichs Migration inne. Sie erzählt, dass in anderen Kulturen das Konzept von Selbsthilfe noch nicht so bekannt ist, daher anfangs oft Aufklärungsarbeit besteht.

„Immer nur freiwillig“

Als IGS muss man empathisch sein. Die Moderation der Gruppen verlangt ein Feingefühl, da sich die Mitglieder nicht eingeschüchtert oder bedrängt fühlen sollen. Der IGS zieht sich nach einiger Zeit schleichend zurück, die Gruppe bestimmt letztendlich, wann sie bereit dazu ist, die Moderation selbst zu regeln. Das Selbsthilfebüro steht den IGS sowie den Gruppen fachlich zur Seite, und ist bereit für Rücksprachen, Christine Kircher und Septi haben nämlich selbst auch die Schulung absolviert. Die IGS sind zu nichts verpflichtet, alles passiere „immer nur freiwillig“, so Christine Kircher.

So kannst du dich engagieren

Das Selbsthilfebüro ist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Die Arbeit, die diese Menschen leisten, ist im höchsten Maße unverzichtbar und kann nicht genug unterstützt werden. Wenn du Interesse hast, dich sozial zu engagieren oder selbst IGS zu werden, kannst du dich im Selbsthilfebüro Osthessen melden (Petersberger-Str. 21 Fulda, 0661-910 98 46, selbsthilfe.osthessen@paritaet-selbsthilfe.org).

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

Praktikant move36

Beiträge: 253