Die “Große Freiheit” kommt nach Fulda. Klingt ein wenig nach einem Hippie-Event, hinter dem Titel verbirgt sich allerdings eine wirklich spannende Ausstellung zum Thema Liebe, Lust und Sexualität. Was da genau passiert, erfährst du hier.

In der März-Ausgabe des move36-Magazins haben wir Angelika vorgestellt. Angelika Weber ist HIV-positiv und lebt mit der Diagnose seit vielen Jahren – und mit den Vorurteilen und falschen Informationen, die über dieses Krankheitsbild immer noch im Umlauf sind.

Was weiß ich eigentlich über HIV? Was über Aids? Für viele verbindet sich mit den Begriffen nach wie vor das Bild von dahinsiechenden, entkräfteten Menschen. Das HI-Virus und Aids, die Krankheit, die es auslöst, sind heute gut bekannt. Übertragbar durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, unheilbar, … und weiter? Laut der Bevölkerungsbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hätten 15 Prozent der Befragten Bedenken, einen HIV-Infizierten zu umarmen, 32 Prozent hätten ein Problem damit, vom gleichen Geschirr wie ein Infizierter zu essen, und ein Kuss käme für 55 Prozent eher nicht infrage. Dabei ist eine Ansteckung auf keinem dieser Wege wahrscheinlich. Selbst bei Oralverkehr bestehe ein sehr geringes Risiko, informiert die Aids-Hilfe.

Ängste und fehlendes Wissen, das kennt Angelika gut. Aids ist, so erlebt sie es, ein Tabuthema. Sie könne über ihre Krankheit nicht so reden wie andere über eine Diabetes. Aids werde nach wie vor mit Homosexualität und geteilten Heroinspritzen assoziiert.

Liebe und Sexualität

Und Aids ist nur eines der Themen rund um Liebe, Lust und Sexualität, das viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Für unsere Novemberausgabe haben wir uns mit drei jungen Menschen getroffen, die trans* sind. Sie haben uns erzählt, welche Probleme es mit sich bringt, wenn man feststellt, dass das Spiegelbild nicht mit dem gefühlten Selbst übereinstimmt, wenn das körperliche Geschlecht nicht zum gelebten Geschlecht passt.

Viele Jugendliche fühlen sich alleingelassen, sobald sie in die Pubertät kommen und sich zum ersten Mal mit ihrer Sexualität beschäftigen. Wenn Eltern und Lehrer dann vor einem offenen Umgang mit dem Thema zurückschrecken, gar eine Norm etablieren, die der Jugendliche nicht erfüllt, ist die Krise programmiert. Bin ich nicht “normal”? Was ist falsch mit mir?

Die Ausstellung “Große Freiheit” setzt genau da an. Auf über 50 Exponaten informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Spaß an Sex und Schutz vor HIV, aber auch viele andere sexuell übertragbare Infektionen. Die Ausstellung bietet Gesprächsangebote, lädt offen ein, sich mit diesen Themen zu befassen. Deshalb sind gerade Schulen angesprochen, das Angebot zu nutzen. Aus Fulda hat sich bisher allerdings nur eine angemeldet. Ob sexuelle Aufklärung in der Region wirklich so unwichtig ist?

Neben der Ausstellung gibt es noch einiges mehr zu erleben. Die Aidshilfe aus Fulda und das Projekt “Hessen ist geil!” haben spannende Gesprächspartner für begleitende Veranstaltungen eingeladen. Am 27. April begrüßen sie Björn Beck, den Kampagnenkoordinator der Aidshilfe Hessen, der darüber spricht, ob und wann Sex happy macht. Er geht darauf ein, wie Scham, Leistungsdruck und gesellschaftliche Rollenvorgaben das Sexualleben beeinflussen können. Am 28. April wird der Film “Romeos … anders als du denkst!” gezeigt.

Ausstellung “Große Freiheit

Die Ausstellung ist vom 23. April um 14 Uhr und anschließend bis 29. April täglich von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Schulklassen und Gruppen sollten sich frühzeitig unter www.große-freiheit.de anmelden. Auch kurzfristige Anmeldungen ab dem ersten Ausstellungstag sind unter Tel.: (0160) 7 00 07 00 noch möglich .

Vor Ort beantwortet das BZgA-Ausstellungsteam gemeinsam mit lokalen Partnern Fragen rund um das Thema Sexualität. Mit dabei sind der AIDS-Hilfe Fulda e.V., AIDS-Hilfe Hessen e.V., donum vitae Regionalverband Osthessen e.V., Beratungsstelle Fulda, Landkreis Fulda, Fachdienst Gesundheitsamt, pro familia Ortsverband Fulda, Sozialdienst katholischer Frauen Fulda e.V.. Beteiligt an der Vorbereitung der Ausstellung waren die Staatlichen Schulämter Fulda, Hersfeld-Rothenburg, Main-Kinzig-Kreis, Vogelsbergkreis und das Fuldaer Frauen- und Gleichstellungsbüro.

Die Aidshilfe bietet zu verschiedenen Zeiten während der Ausstellung Gespräche zu den Themen queeres Leben in Fulda und Osthessen, Coming-Out-Hilfe, uvm. an. Die Termine sind:

  • 24.04., 12 Uhr bis 16 Uhr
  • 25.04., 12 Uhr bis 16 Uhr
  • 26.04., 10 Uhr bis 16 Uhr
  • 27.04., 13 Uhr bis 17 Uhr
  • 28.04., 11 Uhr bis 17 Uhr
  • 29.04., 11 Uhr bis 17 Uhr

Darüber hinaus wird es am Mittwoch, 25. April von 12 bis 16 Uhr die Möglichkeit geben, sich anonym auf HIV testen zu lassen. Der Test kostet an diesem Tag nur 5 Euro, ist für Schüler/-innen und Studenten/-innen sogar kostenfrei.

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QuelleFoto: and.one/Adobe Stock
Die Autoren:

Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.