Gut eineinhalb Jahre sind vergangen, seitdem sich die Bürgerinitiative L14 gegründet hat, um das soziokulturelle Zentrum in seiner Gesamtheit an dieser oder einer anderen Location zu retten. Nun dauert es nicht mehr lange, bis sie den Hof räumen müssen. Wo geht’s hin? Wie ist die Stimmung bei der BI? Und wie ist die Unterstützung seitens der Stadt? Matthias Söhlke (46) und Elvira Schulenberg (42) sind vorsichtig optimistisch. 

Nun rückt das Ende in der L14 näher, kürzlich wurde bekannt, dass die Investoren den Abriss beantragt haben – wie ist die Stimmung bei euch?

Elvira: Aktuell wieder besser, da an der kommenden Zwischenlösung viele mitgewirkt haben. Ein Dämpfer war allerdings, dass die Option, im Vorderhaus in der L14 unterzukommen, für uns ziemlich plötzlich vom Tisch war, weil die Investoren es weiterverkaufen wollen.

Matthias: Grundsätzlich war die Stimmung in den vergangenen Monaten schwankend, leider ist über die beiden Jahre das Engagement auch bei wichtigen Punkten auf einen Kern Aktiver geschrumpft.

Und wie ist die Stimmung bei den Nutzern der kulturellen Angebote? Wie war das Interesse in den vergangenen Wochen?

Matthias: Wir wurden permanent auf die Entwicklungen angesprochen, weil es durch die Berichterstattung viele mitbekommen haben. Vor allem viele Erst- und Zweitsemester haben in der letzten Zeit Events hier besucht, die L14 finden alle super, haben wir gemerkt.

Elvira: Wir hatten ja beim Hoffest und Weihnachtsmarkt Besucherrekorde, das Interesse war definitiv größer.

Habt ihr schon angefangen einzupacken?

Elvira: Nein, die AWO hat schon ein paar Sachen eingepackt, aber wir packen im Februar ein.

Wo geht es dann hin?

Matthias: Das können wir voraussichtlich in Kürze bekanntgeben, wenn hoffentlich die Verträge unterzeichnet sind. Das wäre eine Zwischenlösung, wo alle Initiativen und Vereine samt Jugendwerk der AWO unter einem Dach bleiben können. Zwischenzeitlich hatten wir großes Interesse an dem Gelände von Herzig und Marschall in der Künzeller Straße, doch dann erfuhren wir, dass die Stadt das erst vor Kurzem für ein Katastrophenschutzzentrum gekauft hat. Diese Blase ist dann leider geplatzt.

Elvira: Ja, das war eine unentdeckte Perle in Fulda mit industriellem Charme und Außenbereich.

Habt ihr bei der neuen Location einen Außenbereich?

Matthias: Nein, leider nicht. Die Synergien, die über den Hof in der L14 entstanden sind, hatten natürlich eine Menge Charme. Das geht jetzt verloren.

Die Alternative sei eine Zwischenlösung, sagst du. Wo wollt ihr auf lange Sicht hin?

Matthias: Wir würden gerne in zwei Jahren den Betriebshof an der Weimarer Straße beziehen, wobei uns die Stadt auch unterstützt.

Elvira: Allerdings sind zwei Jahre vielleicht etwas optimistisch, die Machbarkeitsstudie mit einem Architekten wird jetzt die erste große Hürde, um auszumachen wie und wo wir das Areal genau beziehen können und was alles gemacht werden muss. Über die Lenkungsgruppe des Stadtumbauprogramms für das Areal sind wir da ja unmittelbar involviert.

Klingt erst mal vielversprechend. Hat euch die Stadt gut unterstützt?

Matthias: Es gab Phasen, in denen wir über die mangelnde Kommunikation nicht besonders erfreut waren, doch aktuell sind wir recht zufrieden.

Elvira: Ja. Wenn wir bei Gängen durch die Stadt Orte entdeckt haben, die infrage kommen, hat uns die Stadt recht fix Unterstützung bei der Suche nach den Vermietern zugesagt, das waren kurze Dienstwege. Außerdem haben wir Geld aus dem Stadtumbauprogramm für den Umzug bekommen.

Würdet ihr euch dennoch allgemein mehr Untersützung für nachhaltige, nicht profitorientierte Subkultur wünschen?

Matthias: Ja. Wobei es natürlich auch Impulse von unten braucht, damit die Stadt überhaupt weiß, wo sich gerade etwas regt. Im Vergleich zu Gießen beispielsweise hat Fulda ja keine jahrhundertelange universitäre Kultur, in der kritische Geister immer viel hinterfragt haben. Daher braucht die Stadt vielleicht etwas länger, um sich hier und da zu öffnen. Doch mit der zunehmenden Studentenanzahl ändert sich das langsam.

Elvira: Ich habe auch das Gefühl, dass die Initiativen beispielsweise in der Stadtverordnetenversammlung mehr gehört werden. Durch das Sichtbarmachen vor allem der L14 in den vergangenen zwei Jahren tritt schon ein verändertes Kulturverständnis ein – das “Genießen unterm Apfelbaum” ist ein Beispiel dafür. Wir haben ja zum Glück die Freiheit, selbst aktiv zu werden und solche Events zu realisieren.

Was würde passieren, wenn die Initiativen nicht an einem Ort zusammen bleiben können?

Elvira: Bei der Stadt hat man jetzt auch verstanden, wie wichtig es ist, dass wir an einem Fleck bleiben, damit die Synergien nicht verloren gehen.

Matthias: Ja, der Reiz liegt gerade in der Gesamtheit der Angebote. Das ist zwar sehr spekulativ, aber sollte das wirklich nicht klappen, wird’s düster und es könnte für Unfrieden sorgen.

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QuelleFoto: Daniel Beise
Die Autoren:

Daniel Beise

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Nachrichtenjunkie bei move36 mit Vorliebe für spitzzüngige Kolumnen.