Im Bermuda-Dreieck tut sich was: Aus der früheren Pizzeria Gondola wurde ein bayerisches Bierlokal. Die Stadtmetzgerei zog in den ehemaligen Jack-Wolfskin-Laden. Jetzt steht der nächste Wechsel an: Pächter Jochen Breusch (46) gibt die „Café-Bar 22“ ab. Das Szene-Lokal wird von Andreas Muhl, Torsten Müller und Christian Stipinski weitergeführt. Neue Gaststätten indes sind dort nicht erlaubt: Das Dutzend darf nicht überschritten werden.

Text von Leoni Rehnert

Fast 15 Jahre hat der gebürtige Schlüchterner Jochen Breusch die „22“ geführt – erst angestellt, dann acht Jahre selbstständig. Tatsächlich ist der 46- Jährige in der Fuldaer Gastronomie schon die Hälfte seines Lebens tätig. Mit Anfang 20 verabschiedete er sich schließ- lich endgültig vom geregelten Bürojob und zapfte am Tresen der Enzianhütte – hauptberuflich – sein erstes Bier. Er arbeitete im Nachtcafé, sechs Jahre als Barchef im Maritim und schließlich in der „22“. In den Jahren zuvor gab es dort bei „Tante Änne“ Flaschenbier bis morgens früh.

Das ist im Übrigen auch der Grund, weshalb die „Café-Bar“ in dem Viertel überhaupt sein darf. In der Tat dürfen nämlich in dem scharf umrissenen Quartier nur dort Lokale betrieben werden, wo zum Stichtag 9. November 1998 welche gewesen sind – und auch das nur in den jeweiligen Erdgeschossen (siehe Info-Kasten). „Das schreibt der Bebauungsplan vor, der damals beschlossen worden ist“, erklärt Andreas Becker, Leiter des Stadtplanungsamtes Fulda. Der Hintergrund für diese Restriktion war laut Becker das Anliegen, „in diesem historisch gewachsenen Altstadtbereich einen verträglichen Mix aus Gastronomie und Wohnen festzuschreiben“. Da eine Verwaltung aber üblicherweise nicht mit einem Federstrich die Eröffnung eines neuen Lokals untersagen könne – es sei denn etwa wegen Hygienemängeln – habe die Stadt das Baurecht genutzt und zwölf Hausnummern als Gastro-Adressen ausgewiesen. Alle anderen sind für den Betrieb einer Gaststätte tabu.

Auf diese Weise kombiniere man eine lebendige Innenstadt mit dem (nächtlichen) Ruhebedürfnis der Anwohner, sagt Andreas Becker und ergänzt: „Der Bebauungsplan übernimmt hier diese Schutzfunktion.“ Daher kommt es auch, dass im Bermuda-Dreieck zwar nur zwölf Gaststätten erlaubt sind, man aber an mehr als zwölf Adressen essen und/oder trinken kann. Zum Beispiel gilt die Stadtmetzgerei nicht als Gastronomie, sondern ist ein Ladengeschäft – ebenso, wie Fusion Kitchen und Casa España sowie die Cafés Lembach und Mandelrose, „Hier sind die Öffnungszeiten auf 18, maximal 20 Uhr begrenzt worden, sonn- und feiertags muss geschlossen sein“, sagt Michael Schwab, Pressesprecher der Stadt Fulda. Mit diesem Kompromiss werde sichergestellt, dass nachts und an den Wochenenden die Belastung der Anwohner im Bermuda-Dreieck nicht noch weiter steige.

“Ich lass das mal auf mich zukommen.”

Jochen Breusch hört nun Mitte Mai als Pächter der „22“ auf. Seine Gründe sind pragmatisch – einer davon: „Am Anfang waren die Gäste so alt wie ich, um die 30. Mittlerweile ist bereits der zweite Generationswechsel vollzogen und die meisten Gäste 20 bis 25. Das passt nicht mehr“, sagt er. Außerdem sehnt er sich danach, „mal wieder mit meiner Freundin essen zu gehen, ohne dass das Handy klingelt, weil in der Kneipe die Toilette nicht funktioniert, ein Betrunkener Stress macht oder das Bier alle ist“. Ein neuer Job ist noch nicht in Sicht. Der 46-Jährige würde in der Gastronomie bleiben. „Das muss aber nicht unbedingt sein. Ich lass das mal auf mich zukommen“, sagt er.

“Die Bar bleibt, wie sie ist”

Ab Mitte Mai machen dann Andreas Muhl (43), Torsten Müller (45) und Christian Stipinksi (41) als Pächter des Hochstift-Lokals weiter. Die drei sind ebenfalls alte Hasen in der Fuldaer Gastro-Branche: Die Müller-Muhl GmbH betreibt seit siebeneinhalb Jahren das „Schöppchen“, Stipinski war Geschäftsführer der „Altstadt“. Viel ändern wollen sie nicht. „Wir renovieren Toiletten, Wände, Fußböden – machen alles ein bisschen schöner. Aber die Bar bleibt, wie sie ist“, verspricht Muhl, der ab 1. Juni wieder öffnen möchte. Und wenn dann der Neubau der Villa España in der Kanalstraße fertig ist, ist das erlaubte Dutzend im Bermuda-Dreieck wieder komplett.

Das Bermudadreieck

Windmühle
Goldenes Rad
Zur Goldenen Krone
Zum Krokodil
Schöppchen
Big-Apple-Burgers
Café-Bar 22
Villa España
Weinhaus Altstadt
Imbiss Garten Eden
Babos Dönerpoint

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