Der Umzug am Rosenmontag ist das große Finale einer jeden Fastnachtskampagne. Wenn der ausfällt oder abgespeckt wird, ist die Enttäuschung groß. Aber hat deswegen die ganze Kampagne nicht stattgefunden? Hatten alle Aktiven, alle Vereine, alle Fans der Fastnacht deswegen nicht trotzdem eine großartige Zeit seit dem 11.11.?

Ein Kommentar von Felix Weigl

Die Nachricht am Rosenmontag war für die Fuldaer Narren ein harter Schlag. Keine Beschränkung auf kleine Wagen, keine Beschränkung auf Fußtruppen; nein, der Rosenmontagsumzug 2019 fiel komplett aus.

Aber trotzdem war es eine tolle fünfte Jahreszeit. Und nur weil der Rosenmontagsumzug ausfällt, macht es die Kampagne und die vielen Events darin nicht ungeschehen.

Erfahren habe ich es um 13 Uhr, da stand ich vorm Platzhirsch, in dem sich zum selben Zeitpunkt auch die Prinzenmannschaft aufhielt. Ich kann und möchte mir nicht vorstellen, wie es ihr in dem Moment ging. Die Schimmelreiter aus Bronzell waren auch auf dem Platz Unterm Heilig Kreuz, ihre enttäuschten Gesichter sprachen Bände.

Düstere Vorzeichen

Schon am Vormittag beim Magistratsempfang in der Orangerie war der Mannschaft deutlich anzusehen, wie nah es ihnen geht, dass “ihr” RoMo-Umzug abgespeckt oder eventuell gar nicht stattfinden würde – Regen, Sturm und Unwetterwarnungen waren nach einem trockenen Wochenende keine guten Vorzeichen.

Prinz Markus Maurus Musikus der LXXVIII. selbst sah die Schuld allerdings in dem Moment an ganz anderer Stelle. “Wenn die Medien den Rosenmontagsumzug nicht kaputtschreiben, wird er fahren, aber sie haben es doch gemacht”, sagte er in der Orangerie. Kaputtgeschrieben hat hier keines der regionalen Medien den Rosenmontagsumzug. Es gehört zu den Aufgaben von Journalisten, über Risiken von Wetterlagen zu berichten und sie einzuordnen. Ein Bauunternehmer würde auch nicht seine Mitarbeiter bei gefährlichen Stürmen auf ein Baugerüst schicken. 

Spontanpartys und Improvisation

Die Stimmung war also zwischenzeitlich im Keller. Aber so ganz ohne zu feiern, wollten die Fuldaer Narren den Rosenmontag dann doch nicht vorbeigehen lassen. So zogen einige Fastnachtsvereine eben einfach so durch die Straßen. Teilweise “zufällig” begleitet von deren Musikzügen, und sorgten unter anderem auf dem Uniplatz für gute Laune –  trotz Mistwetters.

Auf dem Bahnhofsvorplatz stand der Wagen der Prinzenmannschaft, die Mannschaft selbst stand oben auf ihrem Wagen, umringt von Vereinen und Musikzügen, die dann eben ohne Umzug Party machten. Überall improvisierten Vereine ihre eigenen kleinen Umzüge oder feierten spontane Partys.

Nötige Absage?

Passiert ist also niemanden was. Aber wäre das auch so gewesen, wenn der Zug komplett gefahren wäre? Hinterher lässt es sich immer leicht sagen. Der Sturm “Bennet” hat viele Schäden verursacht, es gab herunterstürzende Äste, in Schlüchtern hat er gar die Fassade der Kreissparkasse zerfetzt. Wer soll garantieren, dass das nicht auch  in Fulda hätte passieren können, wenn die Straßen absolut vollgestopft sind mit Menschen?

Den Zug gegen die ausdrücklichen Ratschläge von Polizei und Feuerwehr durchzuführen, wäre unverantwortlich gewesen. Kein noch so schöner Wagen, kein Finale einer noch so tollen Kampagne, kein Verein und auch kein Prinz wären es wert gewesen, dass auch nur ein Mensch wegen der Durchführung des Umzuges zu Schaden kommt.

Prinz Markus hat später selbst gesagt, dass er sich bei den Worten in der Orangerie wohl etwas weit herausgelehnt hat, gleichzeitig kritisiert er allerdings die “Entscheidungsträger, die Hosen voll gehabt zu haben”. Natürlich ist es besonders bitter, wenn bei beiden Prinzen aus der Günther-Familie der Umzug abgespeckt wird oder gar abgeblasen wurde. Denn vor drei Jahren war Alexander Günther Prinz von Fulda, und bei ihm wurde der RoMo-Umzug wegen Unwetterwarnungen enorm abgespeckt.

Den Entscheidungsträgern allerdings volle Hosen zu unterstellen, ist mehr als unfair. Aber unvergessen bleibt dieser Rosenmontag garantiert. 

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