Fulda ist schön. Wir haben Stadtschloss und -park, den Dom, eine großartige Altstadt und natürlich die Rhön vor der Haustür. Im Sommer draußen vorm Café in der Sonne sitzen und genüsslich ‘ne Fritz Kola trinken – das ist Fulda. Soviel zur Tagesplanung. Aber was macht man abends?

Ein Kommentar von Peter Frankenbach

Ich treffe mich öfter mal mit Kumpels auf ein Bier – mal zu Hause, mal in ‘ner Kneipe. Doch so richtig feiern war ich schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr. Fuldas Partyszene motiviert mich nicht wirklich. Was geht denn hier auch noch?

Naja, da wären zunächst die vielen Kneipen – mit denen sich Fulda für meinen Geschmack zu viel brüstet. Keine Frage, hier ist für jeden was dabei. Ob alternativ wie das Eck oder gediegen und schick wie das Markt2. Aber so heftig ist das hier jetzt auch nicht, dass man ständig mit seinem Kneipenviertel werben muss. Und die fragwürdige Sperrstunde sei mal dahingestellt. Da ist die ein oder andere Stadt liberaler.

Es gibt Neues – neben vielem, was immer gleich ist

In Punkto Konzerte und Bühnenshows sieht es hier auch nicht so schlecht aus. Es spielen große und kleine Künstler; es gibt Kabarett, Comedy oder Poetry Slams; du kannst auf Rock-, Pop- oder auch Akustik-Konzerte gehen. Doch selten alles an einem Wochenende. Die Auswahl ist eher spartanisch. Schade auch, dass die Kneipen sich nicht öfter mal in Livemusik-Events versuchen.

Und sobald man am Wochenende mal richtig die Sau rauslassen möchte, hat manch einer ein Problem. Klar, wir haben den ein oder anderen größeren Klub, der sich zuweilen an Neuem versucht. So gab es kürzlich im Kreuz eine Goaparty, die hier offiziell schon lange nirgends mehr stattgefunden haben. Fortsetzung folgt am 8. Dezember. Und dieses Wochenende steigt ebenfalls im Kreuz erstmals die Orient Vibes. Der S-Club lädt oft namenhafte DJs ein, wie dieses Wochenende die Gebrüder Brett. Und wer kein Problem damit hat, immer zur selben Charts-Playlist zu tanzen, ist im Musikpark super aufgehoben. Die Großraumdisko betitelt ihre Events zwar immer anders und lockt mit Sauf-Rabatten in allen möglichen Varianten – doch im Prinzip ist es immer dieselbe Party.

Es fehlen weitere Klubs!

Wer hier wirklich jedes Wochenende feiern geht, stumpft irgendwann ab und merkt gar nicht, dass er gerade den 26. Remix von Major Lazer´s „Lean on you“ an diesem Abend hört. Oder du stellst nach drei Wochen auf einmal fest, dass du auf fünf 90er-Partys warst. Ich konnte mir das alles ein paarmal geben, dann war aber auch gut. Hinzu kommt, dass in den vergangenen zwei, drei Jahren einige alternative Locations verschwunden sind: der Klangkeller, das Café Panama, das Underground. Und in der neuen Location der L14 können wegen der Nachbarn keine Partys stattfinden.

Versteht mich nicht falsch: Natürlich gibt es hier auch mal das ein oder andere annehmbare Klub-Event. Das ist aber schwer auszumachen, wenn die Veranstaltungen meist dieselben sind. Es fehlt die Vielfalt, die Auswahlmöglichkeit, die vielleicht zwei, drei weitere alternative Klubs ermöglichen würden.

Fulda hat keine Open-Air-Kultur

Und noch eine Sache: Es ist zwar Winter, doch es gibt in Fulda einfach keine Open-Air-Kultur. Das eine Schlossklang, was diesen Sommer nicht stattfand und zudem sehr kommerziell und mainstream ist, zählt nicht. In Mittelhessen, bei Frankfurt, Kassel oder sonst wo kann man jedes Wochenende irgendwo draußen feiern gehen – ob tags oder nachts, es gibt ein Angebot. In Fulda haben es verschiedene Kollektive immer wieder versucht und beispielsweise das Irrlichter Open Air organisiert. Doch nach Aussagen der Veranstalter sei es hier extrem schwierig, so etwas auf einer Grünfläche hochzuziehen. Immer wieder würden ihnen Steine in den Weg gelegt.

Über etwas mehr Experimentierfreudigkeit würden sich sicher viele Junge und gerade auch die Erstis freuen. Denn: Der Markt ist mit Chartmucke längst übersättigt. Ich denke das steht außer Frage.

Komm Fulda, das kannst du besser.

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