Sie sind mehrmaliger Hessenmeister, sind beim bundesweiten Ausscheid schon mehr als einmal auf dem Treppchen gelandet und waren sogar schon zweimal bei der Europameisterschaft dabei: Am Pfingstwochenende steht für die Fuldaer Saintsation Cheerleader die nächste Deutsche Meisterschaft an. Ihr Ziel: sich erneut für die EM zu qualifizieren. Wie die Mädels sich darauf vorbereiten, hat sich move36-Redakteurin Josi mal angeschaut – und eine Runde mitgeturnt.

Ihr Team steht bei den Saintsations an erster Stelle. Das merke ich schon, als ich die Umkleidekabine in der Turnhalle der Grundschule in Lehnerz betrete, wo bereits fröhlich gegackert wird. Die Mädels, die schon da sind, begrüßen mich herzlich. Nach und nach trudeln alle Mitglieder der Jugend- und Damengruppe ein, die hier immer mittwochs zusammen trainieren. „Wie geht’s dir? Alles klar?“, erkundigen sie sich untereinander. Die eine bringt Kuchen mit, die nächste hat ihre Schleife vergessen – naja, was soll’s. Lächelnd beobachte ich das Geschehen. Ich bin total gespannt auf das, was mich heute erwartet. Cheerleading kannte ich bisher nur aus Filmen wie „Girls United“ – mein absoluter Lieblingsstreifen, als ich noch ein Teenie war. Dass es hier um mehr geht, als mit dem Popo zu wackeln und Pompons zu schwingen, war mir also schon klar.

Keep calm an „T-jump”

Nicht klar war mir, wie hart es wird. Nach ein paar Runden Einlaufen geht’s erst mal auf den Stepper. Derya Trzaskowski, eine von zwei Teammitgliedern, die im vergangenen Jahr ihren Trainerschein gemacht haben, leitet die Erwärmung an. „Arme strecken bis in die Fingerspitzen“, brüllt sie über die Musik hinweg, zu der wir uns bewegen. Danach gibt’s eine Runde Bodenübungen wie Sit-ups und Liegestütze. Und eine Übung, die ich leider nicht benennen kann, die mir aber alles abverlangt: Wir sitzen mit gespreizten Beinen auf dem Boden, die Beine gestreckt, die Fußzehen zeigen nach oben, die Hände neben den Knien. Dann heben wir unsere gestreckten Glieder nach oben – alle anderen gut 20 Zentimeter, ich gefühlt etwa zwei. Das ganze gleich danach mit geschlossenen Beinen. Mit voller Kraft versuche ich, meine Beine nach oben zu stemmen und dabei den Rücken gerade zu lassen, den Po auf dem Boden. „Five, six, seven …“ zählen die anderen laut. Gleich geschafft. Beine runter. Ausatmen. Puh.

Nach einer kurzen Trinkpause geht’s an die Jumps: Cheerleading-Sprünge. Dazu teilen wir uns paarweise auf. Immer eine springt, dann wird sich darüber ausgetauscht. Derya zeigt mir zunächst die Abfolge des „T-Jumps“, eine einfache Kombi, bei der die Arme beim Sprung zu einem T ausgetreckt werden. Ich mache einmal mit. Und schon habe ich alles wieder vergessen. Also noch mal. Zum Glück ist meine Partnerin geduldig. Während alle anderen die weiteren Sprünge üben, bleibe ich beim „T-Jump“. Wer neu dazukommt, erklärt mir Trainerin Marta Wielgosik im Anschluss, bekommt immer erst mal alles genau gezeigt und erklärt. Beim normalen Training teilnehmen kann jeder. Zusätzlich findet immer samstags Wettkampftraining statt. Wer da mitmachen will, kann zusätzliche Stunden bekommen, um die Grundlagen zu erlernen. Alles easy peasy bei den Saintsations. Hier ist jeder willkommen.

Zur „Flyerin” ernannt

Auch beim anschließenden Bodenturnen, angeleitet von Kristina Spies, der zweiten frischgebackenen Trainerin, darf ich voll mitmachen. Eine Runde Räder schlagen zu Beginn: für mich noch kein Problem. „Kannst du auch eine Radwende?“, fragt mich Kristina. Äh, nein? Dafür überrasche ich mich aber bei der nächsten Disziplin selbst: eine Brücke aus dem Stand. Mit Deryas Hilfe schaffe ich es ganz nach unten. „Darauf kannst du aufbauen“, lobt sie mich und rät mir, die Arme gestreckt zu lassen. So übt jeder für sich und doch hilft jeder jedem. Eine super lockere Atmosphäre. Bis es ernst wird. Zumindest für mich. Es geht an die „Stunts“: Menschliche Pyramiden. Schluck.

Bei der ersten Runde bin ich die „Front“. Das heißt, dass ich die Mädels beim Heben unterstütze. Zwei Mädels nehmen die Füße der „Flyerin“ und drücken sie nach oben, eine „Back“ spottet von hinten und ich greife die Handgelenke der „Bases“, also der Hebenden, und gebe leicht Druck mit nach oben. Keine allzu schwere Rolle. Das soll sich mit der zweiten Runde ändern, in der Coach Marta mich zur „Flyerin“ ernennt. Ich soll gehoben werden. Ach du Schreck.

Privatvorstellung

Nun stehe ich also zwischen den beiden „Bases”, die „Back” hält mich an der Hüfte und zählt: eins – in die Knie gehen, zwei – mit meinen Füßen in die Hände der anderen springen, Po dabei nach hinten schrecken. Drei, vier – ich werde nach oben gehievt. Mit vollem Karacho. Und soll aufstehen dabei. Das erfordert nicht nur Kraft, sondern auch Mut. Erst beim zweiten Versuch stehe ich. Yes. Was‘ ein geiles Gefühl. Nach unten kommen? Ein Leichtes! Es nennt sich Sweep: Mit gestreckten Armen lasse ich mich in die offenen Arme der anderen fallen. „Beim ersten Sweep schreien immer alle“, erklären mir die Mädels vorher. Und natürlich schrei‘ auch ich.

Zu guter Letzt zeigen mir die Cheerleaderinnen noch ihre Meisterschaftstänze – einmal die Juniors und einmal die Seniors, die beide am Pfingstwochenende in Dresden antreten werden. „Who we are: FSC“, brüllen sie aus vollem Hals, bevor sie loslegen. Mit einem strahlenden Lächeln wickeln sie ihr Publikum, mich, um den Finger. Ich bin restlos begeistert. Seit August üben sie die Tänze, erklärt Marta, mit denen sie bei der Hessenmeisterschaft im Februar schon zwei Titel geholt haben. Für das deutsche Championat seien nur noch ein paar Feinheiten gemacht worden. „Und dann hoffen wir mal, mindestens Dritter zu werden, um uns auch dieses Jahr für die EM zu qualifizieren.“ Langfristiges Ziel der Mädels sei irgendwann mal die WM-Qualifikation. „Wenn wir das schaffen, geh ich in Rente“, sagt Trainerin Marta und lacht.

Die Fulda Saintsation Cheerleader:

Die Fulda Saintsation Cheerleader gibt es seit 2006 – vorher trainierten sie unter einem anderen Namen. Sie gehören zum Postsportverein. Neben ihrer Teilnahme an Meisterschaften treten die Mädels auch bei Spielen der Fulda Saints auf.

Die Gruppe besteht aus drei Altersklassen: Die ganz Kleinen sind die Peewees (sechs bis zwölf Jahre), dann kommen die Juniors (zwölf bis 17) und dann die Seniors (ab 16).

Das normale Training der Juniors und Seniors findet immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Lehnerz statt. Dreimal dürfen Neulinge hier ein Probetraining mitmachen, bevor sie einsteigen. Erste Trainerin ist Marta Wielgosik.

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