Für das besondere Zusatzangebot und ihre Selbstverpflichtung zu den Zielen des Globalen Lernens erhält die Richard-Müller-Schule Fulda (RiMS) vom World University Service (WUS) die Auszeichnung zur „Grenzenlos-Schule“.

Ein Text von Johanna Frank

„Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Gestaltenden von morgen. Es ist unser Bildungsauftrag, dieser Generation das Know-how und die Möglichkeiten zu vermitteln, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten“, findet Claudia Hümmler-Hille, Schulleiterin der Richard-Müller-Schule in Fulda in ihrer Ansprache. Die Herausforderungen für die moderne Berufswelt seien Globalisierung und Nachhaltigkeit. Junge Menschen sollten daher schon früh reflektieren, inwiefern sich ihre Entscheidung auf das Leben von Menschen in anderen Regionen der Erde auswirken. Dies ist eines der zentralen Leitbilder der RiMS und engagierte Lehrkräfte an der Schule, wie Steffen Schaake, füllen es mit Leben. Bereits elfmal haben er und seine Auszubildenden mit „Grenzenlos“ Lehrkooperationen zu vielfältigen Themen umgesetzt, die sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientieren.

“Eure Schule leuchtet von der Spitze her”

Für dieses besondere Engagement wurde der RiMS nun die Auszeichnung „Grenzenlos-Schule“ von Dr. Kambiz Ghawami (WUS) verliehen. „Eure Schule leuchtet von der Spitze her“, lobte Dr. Ghawami die Initiative der Schulleiterin und Herrn Schaake und beleuchtete die Projekte der Schule, wie die Einführung von Mehrwegbechern und Flaschen an Automatenstationen oder auch die Beschäftigung mit eher schwierigen Themen, wie der weiblichen Genitalverstümmelung (Fulda Mosocho-Projekt). Diese seien wichtige Bestandteile, um die „Akzeptanz für Veränderungsprozesse in der eigenen Gesellschaft zu erhöhen.“ Es gelte, den universellen Charakter der Menschenrechte zu verwirklichen.

Ziel der Lehrkooperationen ist es, dass Auszubildende vor ihrem Eintritt ins Berufsleben begreifen, inwiefern sich ihre alltäglichen Entscheidungen auf die Lebensumstände in vielen anderen Regionen der Welt auswirken. Dieses Wissen bekommen sie von Grenzenlos-Aktiven wie Sanimgul Yeszhan vermittelt. Yeszhan studiert an der Goethe-Universität Frankfurt Erziehungswissenschaften und kommt aus Kasachstan. Ihr Thema „Virtuelles Wasser“ zeigt den Zusammenhang zwischen unserem Textilkonsum sowie der stillen Naturkatastrophe in ihrem Land: Der Aralsee trocknet aus, da dort großflächig Baumwolle für unsere Mode angebaut wird, die viel Wasser verbraucht. Allein das Wissen darum, kann schon etwas im eigenen Denken verändern, finden auch die Schülerinnen und Schüler der RiMS, die den Workshop besucht haben.

RiMS verpflichtet sich freiwillig zu globalem Lernen im Unterricht

Als „Grenzenlos-Schule“ hat sich die RiMS zu globalem Lernen im Unterricht freiwillig verpflichtet. Zudem trägt die RiMS auch zu Hessens Nachhaltigkeitsstrategie bei, die im Jahr 2018 ihr 10jähriges Jubiläum feiert. „Grenzenlos“ ist nämlich Mitglied der Dachmarke „Nachhaltigkeit lernen in Hessen“.

Wie man ganz im Sinne von „Grenzenlos“ handeln und arbeiten kann, veranschaulichte Katja Ecker, die in Fulda ein Bekleidungsgeschäft betreibt, in dem sie nachhaltig und fair produzierte Mode jenseits des „olivgrünen Sack-Images“ anbietet. In ihrem Beitrag schilderte Ecker eindrücklich, dass sie der Anblick der menschlichen Schicksale beim Einsturz einer großen Textilfabrik 2013 in Bangladesch mit über 1000 Todesopfern und unzähligen Verletzten zum Umdenken bewogen habe. Die Textilindustrie habe aufgrund ihrer Größe eine besondere Verantwortung, der sie aber bisher nur unzureichend nachkomme. Ecker verwies auf die Gefährdung von Gesundheit und Umwelt durch toxische Färbemittel, Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter, Kinderarbeit und auch die extreme Überproduktion. „Grüne Mode ist nachhaltig und unter fairen Bedingungen produziert und orientiert sich an dem Grundsatz, die Welt mit dem eigenen Handeln für alle lebenswert zu erhalten“, so Ecker. Wichtig sei es, sich bewusst zu machen, dass hinter jedem Kleidungsstück ein Mensch stehe, der es produziert hat. Dieser habe für seine Arbeit Wertschätzung verdient.

Mit den Verantwortlichen der Schule freuten sich auch die anwesenden Gäste und Kooperationspartner Prof. Dennermarck und Frau Metzger (Theolog. HS), Herr Schmidt (Staatl. Schulamt, Frau Schindler (Vorsitzenden das kulturpolit. Ausschusses), Frau Krönung (Frauenbüro), Herr Habig (antonius netzwerk mensch), Dr. Imhof (Verein Zukunft Bildung), Herr Maisch (SMOG) und Herr Bien (Perspektiva). Die musikalische Begleitung des Festakts meisterte die Schulband #nofilter mit Bravour.

Das Projekt „Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ wird gefördert von den Ländern Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Dr. Ghawami überreicht Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille die Urkunde und die Plakette “Grenzenlos-Schule” (Foto: Johanna Frank)

Dr. Julia Boger (links), Dr. Kambiz Ghawami (rechts) und Sanimgul Yeszhan (3.v.li) (WUS) freuen sich mit Direktorin Hümmler-Hille und Lehrer Steffen Schaake (2. v. li) und seinen Schülerinnen und Schülern über die Auszeichnung (Foto: Johanna Frank)

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