Die Geschichts-AG der Wigbertschule geht in diesem Schuljahr Historien rund um den Mauerfall nach und kommt mit Zeitzeugen ins Gespräch.

1989 – das ist für die meisten Jugendlichen mittlerweile eine historische Vokabel, die sie auswendig lernen. Denn den Mauerfall haben sie selbst nicht miterlebt und auch die Konsequenzen, die für beide Teile Deutschlands in den 90ern folgten, kennen sie nur aus Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. Wenn im nächsten Jahr das 30. Jubiläum des Mauerfalls gefeiert wird, dann werden die meisten Jugendlichen zu Recht mitfeiern, aber das Gefühl für die Bedeutung dieses Ereignisses muss für sie neu erlebbar und damit lebendig werden, damit auch die Geschichte etwas Lebendiges bleibt und eben nicht zu einer Vokabel der Erinnerungskultur wird.

Diesem Ziel hat sich die Geschichts-AG der Wigbertschule in diesem Schuljahr verschrieben und geht nach dem Motto „Grabe, wo du stehst“ Geschichten rund um den Mauerfall nach. Sie suchen nach Spuren, die die deutsch-deutsche Grenze sowie die Grenzöffnung in ihren Familien sowie im Hünfelder Land hinterlassen haben. Zu den Recherchen gehören in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch Interviews mit Zeitzeugen, die Geschichte durch ihre Erlebnisberichte zum Leben erwecken.

Besonders anschaulich erzählte Wolfgang Christmann, der aus Burghaun stammt und beim Bundesgrenzschutz arbeitete, aus seinen alltäglichen Erfahrungen mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze der Geschichts-AG Ende Oktober. Dabei ging er sowohl auf die Konstruktion der Grenzanlagen wie auch auf den Alltag der Wachsoldaten der DDR sowie des Bundesgrenzschutzes ein. Dass gerade diese so befestigte Grenze zu seinen Lebzeiten noch fallen würde, hätte Wolfgang Christmann nie für möglich gehalten. Aber dass dies geschehen sei, sei ein Glücksfall für ihn persönlich und alle Deutschen. Gleichwohl glaubt er, dass es noch dauern werde, bis alle Deutschen im Denken und im Herzen wiedervereint seien. Dies sei eine wichtige Aufgabe und erfordere auch immer wieder eine Auseinandersetzung mit den Erinnerungen rund um die Ereignisse von 1989. Es müsse gelingen, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu schaffen, die frei von Verletzungen sei.

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