“Die Werke der Barmherzigkeit gelten doch für alle Zeit!” Mit dieser Parole fassten Schüler eines katholischen Religionskurses der Wigbertschule ihre Beschäftigung mit dem “Fremden” in der Bibel zusammen. “Ausgangspunkt dieser Beschäftigung waren Bilder, Nachrichten und Diskussionen über die Flüchtlingskrise, mit denen die Schüler tagtäglich konfrontiert werden. In einem solchen Pluralismus bedarf es Orientierung und Wegweisung”, erklärt Religionslehrer und Oberstudienrat Thomas Nüdling. Die Bibel halte mit einem reichen Erfahrungsschatz existenzieller Fragen solche Wegweisungen und auch Lösungen für unsere heutige Zeit bereit.

Ein Text von der Wigbertschule

Wer in den vergangenen Wochen in den Klassenraum des Kurses von Herrn Nüdling in der Wigbertschule gelauscht hatte, konnte die Intensität spüren, mit der die Schüler an die Sache gingen. In fünf Gruppen widmeten sie sich der Thematik. “Wir haben Slogans entworfen, die die Menschen motivieren sollen und sich die Werke der Barmherzigkeit zu Herzen nehmen”, erläutert Sophie Köhler die Arbeit ihrer Gruppe.

“Wir haben das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in die Gegenwart, auf ganze normale Menschen übertragen”, sagen Rosa Diegelmann und Jan Petermann und gehen damit ganz bewusst der Frage nach: Wer hilft heute einem Menschen in Not, und wer geht vorbei?

Energisch gegen fremdenfeindliche Parolen

Schülerinnen bereiten dazu eine energische Argumentation gegen fremdenfeindliche Parolen vor. “Wir stellen die Aussagen des Liedes ‚Damit aus fremden Freunde werden‘ kontrovers denen von Gegnern der Flüchtlinge gegenüber”, betont Veronika Weller.

Loreen Elstner und Leonie Möller sind auf Formen und Farben des Logos zum Jahr der Barmherzigkeit eingegangen und haben allgemeine und persönliche Schlüsse aus der Gestaltung des Logos gezogen. Ihr Fazit: “Das ist ein gutes Logo!”

“Ohne Migranten wäre unsere heutige Kultur nicht so vielfältig”

Seit ihrer Beschäftigung mit dem Thema “Gastfreundschaft” haben Clarissa Bock und Cassandra Jüngst einen anderen Blick auf ihr gesellschaftliches Umfeld bekommen: “Ohne Migranten wäre unsere heutige Kultur nicht so vielfältig, zum Beispiel hätten wir keine so große Auswahl an Essen und auch die jetzige Nationalmannschaft bestünde nur aus wenigen Spielern.”

Unter dem Motto “Ich war ein Fremder gewesen …” stellten die 22 Schüler ihre Unterrichtsergebnisse im Rahmen der “Nacht der Nationen” schließlich einem großen Publikum in der Tanner Stadtkirche vor: Neben Vorträgen und Präsentationen zur “Gastfreundschaft in der Bibel” und zum Logo des Jahres der Barmherzigkeit wurde das Lied “Damit aus Fremden Freunde werden” gesungen und erläutert. Das Gleichnis des “barmherzigen Samariters” wurde dagegen szenisch nachgespielt und dabei mit Sirenengeheul, Trillerpfeifen und Protestbannern gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Werke der Barmherzigkeit demonstriert.

Anmeldung beim Wettbewerb der “Jungen Akademie”

So unterschiedlich wie die inhaltlichen Schwerpunkte der Schüler in der Oberstufe sind, so unterschiedlich akzentuiert waren auch die Ergebnisse. “Je mehr wir uns mit dem Umgang mit Fremden beschäftigt haben, umso weiter öffnete sich das Feld. Gerade die personale Präsentation vor einem breiten Publikum ermöglicht den Jugendlichen ganz neue Chancen”, so Religionslehrer Nüdling.

Fazit: Ein lebendiger, aktueller und schüleraktivierender Unterricht – darin waren sich Schüler, Lehrer und auch das Publikum der Tanner Stadtkirche einig. Mit der Aufführung und den Ergebnissen ihrer Beschäftigung bewerben sich die Schüler nun beim Wettbewerb der “Jungen Akademie” zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2016, den die Deutsche Bischofskonferenz im Rahmen ihrer Jugendseelsorge ausgeschrieben hat.

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