„Du Schwuchtel!“, „Opfer!“, „Kümmeltürke!“ – solche Beleidigungen knallen sich Streithähne gerne mal an den Kopf. Auch wenn es oft gar nicht so gemeint ist: Manches Schimpfwort ist diskriminierend und zeugt von rassistischem Gedankengut, das leider in der Gesellschaft weit verbreitet ist. An der Konrad-Adenauer-Schule kennt man bei solchen Beleidigungen kein Pardon, denn die Realschule trägt seit 2001 die Plakette „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Bei einem Tag gegen Rassismus stellten die neunten Klassen das Thema in den Mittelpunkt des Unterrichts und beschäftigten sich mit den Folgen von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung.

Zum Auftakt des Tages versammelten sich die Schüler in der Aula. Bei einer Podiumsdiskussion diskutierte move36-Chefredakteur Bernd Loskant mit Experten und Schülern darüber, wie verbreitet rassistische Äußerungen im Alltag sind. Eine Studie habe ergeben, dass mehr als 15 Prozent der Gesellschaft ausländerfeindlich eingestellt seien, sagte der Journalist und fügte an: „An eurer Schule wären das 120 von 800 Schülern.“ Angesichts der alarmierenden Zahlen reiche es nicht, nur gegen Rassismus zu sein, sondern man müsse auch aktiv etwas dagegen zu tun.

In der Schule erlebe sie Rassismus sehr selten, erzählte Zehntklässlerin Celina – noch seltener, seit die Flüchtlinge bei ihnen seien. An der Schule werden 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in zwei Klassen unterrichtet. Darya, deren Vater Türke und ihre Mutter Polin ist, berichtete vom Getuschel, wenn sie erzählte, dass sie erst als junges Mädchen getauft wurde. „Früher hat mich das fertiggemacht, heute ist das nicht mehr so.“ Und Nihan erinnerte sich an Beschimpfungen in der Grundschule. „Aber ich habe nie darauf geachtet.“

“Baut Partnerschaften auf!”

Dass sich die drei Schülerinnen in der Schulgemeinschaft so gut aufgehoben fühlen, sei etwas Besonderes, sagte die ehemalige SPD-Europaabgeordnete Barbara Weiler. Das fand auch der ehemalige Schulamtsdirektor Dr. Michael Imhof, der daran erinnerte, welche Folgen Rassismus und Vorurteile in der deutschen Geschichte hatten. Hass und Antisemitismus habe es schon im Mittelalter gegeben, sagte er. Die Nazis hätten sich dann diese tief verankerten Vorurteile brutal zu Nutze gemacht.

Dr. Reinhardt Asche, der Asylsuchende für die Organisationen Amnesty und Welcome In in Fulda berät, berichtete von viel Begeisterung und einer großen Bereitschaft der Bevölkerung, die etwa 4000 Flüchtlinge im Landkreis Fulda zu integrieren. Asche machte jedoch auch große Probleme bei der Integration aus: mangelnde Mobiliät der Geflüchteten, zu wenig Deutschkurse und kaum Wohnraum. Asche hatte eine klare Botschaft an die Schüler: „Baut Patenschaften auf und nehmt die Leute an die Hand und mit in Vereine.“

Was tun, wenn man Zeuge von Rassismus wird?

So könnten beide Seiten voneinander lernen – „und umso besser klappt Integration.“ Denn: „Erfahren diese Menschen keine Solidarität in der Gesellschaft, werden sie vereinsamen und verängstigen“, sagte Barbara Weiler. Deshalb sei es so wichtig, sich in einer Gemeinschaft sicher zu fühlen – wie der Schule. „Hier sollen die Schüler ja nicht nur Wissen und Kompetenzen erlernen, sondern auch Haltung“, betonte Imhof.

Auf die Frage von Bernd Loskant, wie man denn handeln solle, wenn man Zeuge von rassistischen Äußerungen oder eines Übergriffs werde, waren sich alle auf dem Podium einig: Courage zeigen und deutlich machen, dass so ein Verhalten absolut unakzeptabel ist. „Nur bitte nicht selbst in Gefahr bringen“, riet Weiler.

Nach der Diskussion gab’s verschiedene Workshops

Schulleiterin Anke Schüler erklärte, der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sei für die Konrad-Adenauer-Schule eine große Verpflichtung. Sie dankte Lehrer Stefan Metzler, der den Tag gegen Rassismus maßgeblich organisiert hatte.

An die Podiumsdiskussion schlossen sich verschiedene Workshops an, die von Barbara Weiler, Michael Imhof, Reinhardt Asche, Vertretern des Bündnisses „Fulda stellt sich quer“ und der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank geleitet wurden.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.