“Einhornkatzenarmy”, “Wir züchten Kleintiere”, “Harry Styles Fanarmbänder” – Whatsapp-Gruppen gibt es nahezu für jeden Quatsch und in vielen witzigen und absurden Variationen. Unsere Autorin Anna-Lena Bieneck hat in der aktuellen move36 über den Sinn und Unsinn dieser Gruppen philosophiert und sechs Typen ausgemacht, die man mehr oder weniger in jeder Gruppe findet:

Der Enthusiast

Von simplen Fragen zu kilometerlangen Antworten – der Enthusiast lebt seine Sprachleidenschaft. Eigentlich hast du nur kurz gefragt, wie es ihm geht. Ein einfaches “läuft” oder “passt schon, Näheres später” hätten gereicht. Stattdessen bekommst du einen Roman mit Einleitung, Hauptteil und Schluss, zu dem du erst nach mehrmaligem Scrollen gelangst. Selbstverständlich alles mit bedeutungsschwangeren Emojis angereichert. Oder eine Voicemail, die dir schon nach einer halben Minute auf den Sack geht, weil du ohnehin schon weißt, was alles kommt – und du hast noch zehn Minuten vor dir.

Der Pragmatiker

Das Gegenstück zum Enthusiasten ist der Pragmatiker. Auf die Frage, ob er kommt, antwortet er: Jep. Wann? Antwort: 20. Nicht 20 Biere, die er mitbringt, sondern Uhr. Ist doch klar. Auf die Frage, wie es ihm geht, reagiert er erst gar nicht. Das erzählt der Pragmatiker face to face. Bloß keinen Anlass für weitere Romane schaffen.

Der stille Beobachter

So ähnlich verhält sich der stille Beobachter – kurze und knappe Antworten. Er liest zwar alle Gruppennachrichten, aber macht sich nur bemerkbar, wenn er es wirklich muss. Erst wenn für die Geburtstagsparty wirklich alles geklärt ist, kommt von ihm: “Ich komme gegen sieben, soll ich noch was mitbringen?”

Der Terrorist

Der Terrorist ist der ungeduldigste Mensch, den es gibt. “Hi, wie geht’s euch so?” Zwei Minuten, blaue Häkchen, keine Antwort. “Haaalllooo?! Alles fit?” Der Rest der Gruppe zittert genötigt am Bildschirm: “Puh, soll ich mich jetzt drauf einlassen? Wenn ich einmal schreibe, bin ich gefangen im Chat” – denkt jeder einzelne. Aber letztendlich sorgt die gestreute Angst des Terroristen dafür, dass irgendjemand antwortet.

Der Analphabet

Er hat das Lesen und Schreiben offensichtlich verlernt – der Analphabet. Das höchste der Gefühle in Sachen Sprache ist: “Hallo, i bims *Kackhaufen-Emoji*” – oder was auch immer grade unter seine Fingerkuppen kommt. Seine Nachrichten bestehen allein aus grinsenden Smileys, roten Herzchen und überhaupt der gesamten Palette an Emojis. Was er überhaupt sagen will? Alles und nichts.

Das Phantom

Timing und Takt liegen nicht im Interesse des Phantoms. Du erzählst eine lustige Anekdote, die du unbedingt deinen Freunden in der Gruppe mitteilen willst. Du hast ein fettes Grinsen im Gesicht und wartest aufgeregt auf Antworten. Doch in den nächsten Stunden kommen keine Antworten, schließlich hat nicht jeder immer sofort Zeit und Lust zu antworten. Und nun hat die Stunde des Phantoms geschlagen, das Monate nichts von sich hat hören lassen. Es schickt ein paradiesisches Urlaubsfoto vom Strand mit der neuen heißen Flamme – Herzchen-, Sonne- und Sektgläser-Emojis. Der Wooooow-Effekt bei den anderen in der Gruppe ist immens – wie auch die dadurch ausgelöste Bedeutungslosigkeit deiner Geschichte, auf die niemand mehr reagiert.

Die ganze Geschichte über Whatsapp-Gruppen liest du in der aktuellen move36-Ausgabe.

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QuelleFoto: Christiane Oelrich/dpa
Die Autoren:

Daniel Beise

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Nachrichtenjunkie bei move36 mit Vorliebe für spitzzüngige Kolumnen.