Wer viel und regelmäßig datet, kommt um die ein oder anderen gemeinen Spielchen nicht umhin. Immer, wenn man denkt, man hat schon alles erlebt und gehört, kommt ein neuer Dating-Wahnsinn, verbreitet durch die Medien, daher, auf den man sich einstellen muss und der einem den Spaß an der Partnersuche kaputtmacht. Aktuell: Cushioning.

Aus dem Englischen übersetzt heißt Cushioning Polsterung. Jemanden oder mehrere zu daten, obwohl man in einer Beziehung ist, aber nicht weiß, wie diese weiter geht, meint Cushioning. Eigentlich ist man verliebt, sucht sich jedoch jemanden, der als Kissen (Englisch: Cushion) dient, der einen abfedert, sollte die Beziehung in die Brüche gehen. Statt sich mit vollem Einsatz auf eine Person, eine Beziehung einzulassen, hält man sich lieber noch einen Backup-Lover warm. Natürlich hält derjenige, der unfähig ist, sich zu entscheiden und Spielchen spielt, das geheim.

Denn: Cushioning ist Fremdgehen, ist Betrug. Punkt. Mindestens gegenüber dem Partner, der sich eigentlich in einer recht sicheren Beziehung wähnt. Was die Enthüllung des Betrugs mit sich bringt, braucht man nicht näher erläutern. Es ist das wohl ätzendste und verletztenste Gefühl in der Liebe. Anders verhält es sich natürlich, wenn man polygam lebt und alle Parteien davon wissen und kein Problem damit haben.

Feigheit, Unehrlichkeit und Egoismus

Wer aber heimlich so agiert in der Beziehung oder Affäre, weil derjenige eben weiß, dem anderen würde das gegen Strich gehen, ist allein an seinem eigenen Glück interessiert, ist ein Egomane, vielleicht gar Narzist. Der Partner reduziert auf das Mittel zum Zweck. Generation Optimierungswahn und beziehungsunfähig lässt grüßen – es könnte ja immer jemand “Besseres” kommen, der MIR mehr Glück beschert. Tinder sei Dank ist das heute im Minutentakt möglich. Aber die Technik ist natürlich nicht der Übeltäter, sondern der Mensch.

Egal, um welche fiese Dating-Masche es geht – Ghosting, Benching, Submarining, Lovebombing – sie offenbaren doch alle ähnliche Schwächen und gefühlskaltes Verhalten: Unverbindlichkeit, Feigheit, Unehrlichkeit und Egoismus. Sie demaskieren Menschen, die zu ängstlich sind, um sich einem anderen zu öffnen, die zu erwartungsvoll sind, um sich auf einen anderen voll einlassen zu können – immer eine möglicherweise bessere Option immer im Hinterkopf. Menschen, die noch nicht bereit sind für wahre Liebe, und die vergessen, dass sie dem anderen damit wehtun. Oder es ist ihnen schlicht egal.

Mit offenen Karten spielen

Diese bescheuerten Dating-Maschen gab es schon immer, sie werden mit diesen eingängigen Begriffen medial nur neu aufbereitet und verbreitet. Und diese Verbreitung hat uns misstrauisch gemacht. Sie suggeriert, das passiere ständig. Und wir sitzen gehemmt und skeptisch bei unseren Dates, sind nicht mehr wir selbst. Wie wäre es, diese Trends einfach mal wegzuwischen, aus dem Bewusstsein zu tilgen und mit komplett offenen Karten zu spielen? Denn Ehrlichkeit währt schließlich am längsten.

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QuelleFoto: @yarohork/Fotolia
Die Autoren:

Daniel Beise

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Nachrichtenjunkie bei move36 mit Vorliebe für spitzzüngige Kolumnen.