Ich war zehn als ich meinen ersten Comic las. Es war ein Lucky-Luke-Comic. Der Cowboy, der schneller als sein eigener Schatten zieht, musste mal wieder die Daltons einfangen, die – gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen –  schon eine Bank ausraubten. Seitdem bin ich Comic-Fan.

Ein Text von Manuel Raab

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich Comics früher bequem im Supermarkt kaufen konnte. Da lagen dann neben der „Auf einen Blick“ und der „Auto Motor Sport“ die Superman-, Spiderman-, Batman und X-Men-Comics. Heute sind Comics hier von zahlreichen Fernsehzeitschriften, Boulevard-Magazinen und Zeitungen verdrängt. Jennifer Lawrence grinst mich von gefühlt 50 Zeitschriften an. Wo sind die Comics geblieben?

Nach wie vor sind Comics ein populärer Lesestoff. Immerhin wurde 2015 in Dortmund die erste deutsche Comic Con veranstaltet. Weitere Städte folgten. Ab 2016 veranstaltete auch Berlin eine Convention zum Thema Comics und seit 2017 gibt es sowohl in Frankfurt am Main als auch in Stuttgart eine Comic Con. Die Besucherzahlen steigen stetig.

Wo ist der nächste Comicladen?

Bekamen also die Bildgeschichten eine neue Heimat in speziellen Comicbuchläden? Immerhin hat das Genre in den letzten Jahren durch Filme wie Spider-Man mit Tobey Maguire, den Avengers und Serien wie Gotham oder The Flash wieder einen gewaltigen Popularitätshype erfahren. So wurden Superhelden aus dem Marvel- und DC-Universum auch Nichts-Nerds bekannt – sogar die eher unbekannten Helden wie The Atom und Fire-Storm, durch die Fernsehserie „DC’s Legends of Tomorrow“.

Comics werden heute also nicht länger nur von Nerds gelesen, sondern auch von Nicht-Nerds gesehen. Auch die Vermarktung von literarischen Klassikern wie Stefan Zweigs Schachnovelle als Graphic Novel macht das Genre populärer. Angesichts dieses Hypes muss ich doch in Fulda irgendwo Comics finden können. Ich zücke mein Smartphone und googel, wo der nächste Comicladen ist. Der Comic-Dealer in Gießen. Toll, Gießen ist rund 100 Kilometer entfernt. Gibt es keinen, der näher ist? Ich scrolle runter. In Frankfurt gibt es die X-tra-BooX, den Comicladen Sachenhausen und die T3 Terminal Entertainment Comics & Spiele GmbH. Die Bilder sehen vielversprechend aus. Regale vollgestopft mit Comics und Mangas. Super! Die haben doch bestimmt auch die X-Men. Aber ich will jetzt nicht eine Stunde nach Frankfurt fahren.

In Fulda? Nichts.

Nächstes Ergebnis: Der Marburger Comicladen Kitch und Kunst. Als ich die Bilder sehe, muss ich sofort an Stuarts Comicladen aus „The Big Bang Theory“ denken – ein gemütliches Ambiente, Comics von den Avengers bis zu Star Wars und ‘ne ganze Menge Merchandising-Zeugs, auf das wir Nerds natürlich abfahren. Schon von außen sieht der Laden mit seinem Batman-Logo, dem Mickey-Mouse-Aufsteller vor dem Laden und dem Hogwarts-Wappen über der Tür echt einladend aus. Und in Fulda? Nichts!

Noch immer stehe ich vor dem Zeitschriftenregal im Supermarkt, Jennifer Lawrence grinst mich immer noch an. Ich frage mich: Wieso hat Fulda keinen Comicladen? Gibt es hier zu wenige Nerds? Oder woran liegt es, dass wir diese kleine Kultur nicht haben.

Ich wäre der erste in einem Fuldaer Comicladen

Dabei könnte er so schön aussehen – mit Harry-Potter-Aufstellern von Ron, Hagrit und Dumbledore in der Ecke, Comics von DC und Marvel in den Regalen, einer gemütlichen Leseecke zum Schmökern, einer Storm-Trooper-Figur im Schaufenster und einem Spiderman der sich über der Kasse von der Decke schwingt. Wenn ein Comicfan mit Geschäftssinn Fulda einen Laden schenken würde, wäre ich der erste bei der Eröffnung, um den neusten X-Men-Comic zu kaufen.

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