Sein Humor eilt ihm voraus – ob du ihn witzig findest, interessiert ihn recht wenig. Gnadenlose Satire und trockene Antworten zeichnen Martin Sonneborn aus. 2004 gründete er mit anderen Redakteuren des Satiremagazins Titanic die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (kurz: Die PARTEI). Bei der Europawahl 2014 wurde er zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt. Seitdem mischt er Brüssel auf – er versucht es zumindest. Vor seinem Auftritt im Kreuz am Donnerstag, 18. Mai, hat er uns geantwortet, wie man es von ihm erwartet.

Waren Sie schon mal in Fulda?

Ja, 1996 auf der Ecclesia – eine Kirchenmesse für Fachpublikum aus dem katholischen Sektenbereich. Das hat mein Leben sehr zum Positiven verändert. Ich habe mir hier ein Priesterhemd gekauft. Wenn ich das im Zug trage, laden mich ältere Damen oft zum Essen im Speisewagen ein und schütten mir ihr Herz aus. Außerdem, das wird die Fuldaer Umlandbauern interessieren, bekommt man mit diesem Hemd beim Metzger immer das beste Stück Fleisch.

Und wie hat Ihnen die Stadt gefallen?

Fulda ist die grauenhafteste Stadt, die ich je betreten habe. Diese katholische Verdruckstheit in den Physiognomien ist schon beeindruckend.

Welche Stadt folgt danach auf Ihrer Liste der grauenhaftesten Städte?

Krefeld, Leverkusen und das Mafiaversteck Bad Orb.

Sie haben kürzlich auf Facebook geschrieben, dass Sie hoffen, dass die Fuldaer ausreichend vor Ihnen gewarnt wurden – warum sollten wir gewarnt sein?

Viele denken, bei meinen Veranstaltungen werde der Film Titanic gezeigt. Daher stehen dann oft nach ein paar Minuten ein paar Menschen auf und verlassen den Saal, wenn sie merken, hier läuft ein ganz anderer Film.

Was erwartet uns statt des Klassikers im Kreuz?

Eine primitive Propagandaveranstaltung für Die PARTEI. Das ist quasi wie ein Auftritt von Horst Seehofer, ein schmieriger Populist polemisiert vor Bierzeltpublikum. Der einzige Unterschied ist, dass Seehofer keinen Eintritt nimmt.

Heißt, Sie machen hier Wahlkampf?

Ja, immer!

Und mit welchen Themen?

Wir werden zur Bundestagswahl einen heißen Sex-Wahlkampf führen. Ein Wahlwerbespot der PARTEI zum Thema Familienpolitik hat im ZDF bereits immense Erregung ausgelöst.

Was treibt der Kreisverband Ihrer Partei in Fulda eigentlich? Man hört hier recht wenig.

Das stimmt, in Brüssel hören wir zu wenig aus Fulda. Das muss sich ändern. Aber der Erfahrung nach treten nach einem solchen Propagandaabend vermehrt Leute in die Partei ein.

Könnte so der Einzug in den Bundestag gelingen? Wie feiern Sie, wenn das passiert?

Wir feiern unsere Wahlsiegesparty immer schon am Vorabend der Wahl, das ist sicherer.

Safety first – verständlich. Ihr Kanzlerkandidat ist der Satiriker Serdar Somuncu – wie stehen seine Chancen auf das Amt?

Relativ schlecht. Wir rechnen mit einem Wahlergebnis von hundert Prozent plus x. Erfahrungsgemäß bleiben wir allerdings unter einem Prozent. Aber ein Direktmandat in Kreuzberg sollte für Serdar schon drin sein.

Was sagen Sie der AfD, wenn sie es nicht in den Bundestag schafft?

Ich sitze im Europaparlament hinter Beatrix von Strolch – so wird sie hier genannt. Mein Beileid werde ich ihr schon aussprechen. Die verkommene AfD hat es nicht einfach im Moment.

Wie ist denn die Stimmung im Europäischen Parlament seitdem klar ist, dass die Briten gehen und die Franzosen bleiben?

Die Stimmung ist nicht so schlecht. Ich gehöre ja zum Abschaum des Parlaments und sitze in einer Ecke mit Monarchisten, Antisemiten, Kommunisten und Nazis. Da ist immer irgendwer gutgelaunt…

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