Bitte nicht die Polizei rufen! Was Ingmar Süß da macht, ist legal. Der Künzeller Künstler hübscht die Ritterpassage in Fulda mit Graffitis auf – und zwar im Auftrag der Stadt.

Schlecht gemachte Graffitis und Edding-Schmierereien verschandeln die Ritterpassage in Fulda. Beides ist gerade dabei zu verschwinden. Denn Ingmar Süß, 36-jähriger Künstler aus Künzell, hat ihnen den Kampf angesagt. Er übersprayt sie mit Fuldaer Sehenswürdigkeiten. Mit Blick auf das Stadtjubiläum im kommenden Jahr will sich Fulda in Schale schmeißen. Die Verschönerung der Ritterpassage ist da eine Maßnahme. 

Fuldas Stadtbaurat ist Graffiti-Fan

Natürlich hätte man die Wand auch einfach weiß streichen können – wollte man aber nicht. „Die Idee, jugendliche Kunst in Fulda zu etablieren, gab es schon länger. Da hat sich das hier angeboten“, erklärt Ingmar. Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner hatte den Geistesblitz. „Der Gedanke, Graffiti-Kunst dafür zu verwenden, um eine unansehnliche Schmuddelecke verschwinden zu lasen, lag einfach nahe“, erklärt er gegenüber move36. Er stehe Graffiti offen gegenüber und sei der Meinung, dass diese Kunstform ihren Platz bekommen sollte. Städte wie Gießen und Kassel seien da schon weiter, wirft Ingmar ein.

Auch bei Passanten kommt die Kunst gut an, wie der 36-Jährige verrät. „Von Jung bis Alt sind alle sehr angetan. Ich komme fast nicht mehr zum Sprühen, so viele Fragen muss ich beantworten.“ Pro Motiv braucht der Künstler zwischen fünf und sieben Stunden, „je nachdem, wie viele Leute einen aufhalten.“ Mit einer Wand ist der Künstler schon fertig. Hier kannst du das Stadtschloss, den Dom, das alte Rathaus und die Michaelskirche sehen. Auf der anderen Seite ist Raum für den Schlossgarten, den Bonifatius und die Liobakirche. In weniger als zwei Wochen will Ingmar das Projekt abschließen.

Doch kein Graffiti?

Streng genommen ist das, was Ingmar da sprayt, kein Graffiti. Der 36-Jährige erklärt, warum: „Beim illegalem Sprühen oder Graffiti allgemein geht es eigentlich darum, den eigenen Namen zu verbreiten. Das hier in der Ritterpassage ist etwas ganz anderes. Das ist Auftragsmalerei. Nur das Medium Sprühdose ist dasselbe.“

Vom illegalen Sprayer zum Auftragskünstler

Vor 20 Jahren ist Ingmar das erste Mal in Berührung mit der Kunstform gekommen. In der Nähe von Nürnberg aufgewachsen, hat er die Graffitis immer an Zügen gesehen, wenn er in die Stadt gefahren ist. „Nach und nach habe ich mir das selber beigebracht. Am Anfang habe ich illegal gesprüht, weil ich nichts über legale Wände wusste. Ich bin auch erwischt worden, habe meine Sozialstunden abgeleistet.“

Als Ingmar vor gut zwei Wochen mit seiner Arbeit in der Ritterpassage anfing, hat er befürchtet, dass jemand die Polizei rufen könnte. „Die Leute wissen ja nicht unbedingt, dass ich hier legal sprühe.“ Bisher ist das allerdings nicht passiert. 

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