Eine Wahlhamburgerin aus dem Odenwald, die mit ihrer Powerstimme ganz tief unter die Haut der Hörer kriecht: Vivie Ann ist am 24. Februar im Backstage. Im Gepäck hat die 25-jährige Jazz-Sängerin ihre neue EP “Live in the living room”. Was die EP mit Bäumen mit Gesichtern zu tun hat, und warum sie kein Album herausbringt, hat uns Vivie Ann im Interview verraten.

Vivie Ann, wer ist diese Vivie Ann?

Tja, das bin ich. Aber auch nicht so richtig. Mein Name wird ja eigentlich Viviane geschrieben und meine Eltern haben sich vor meiner Geburt gestritten, ob sie jetzt die englische oder die deutsche Aussprache haben wollen. Es wurde die deutsche. Als ich dann einen Künstlernamen gesucht habe, fand ich es schön, die englische Version zu nutzen. Aber Vivie Ann bin auch nicht nur ich. Es wirkt so, als stehe nur eine Person dahinter, und ja, ich singe und schreibe meine Songs auch selbst. Aber ohne mein Team wäre das alles nicht möglich. Vivie Ann sind also ganz viele Leute, die mir helfen und ohne die das nicht funktionieren würde.

Wie bist du zur Musik gekommen? Deine Eltern sind auch Musiker, oder?

Genau, und so war ich von Klein auf immer dabei. Ich habe als Baby sozusagen im Keyboardcase hinter der Bühne geschlafen, bin viel mitgefahren, wenn sie auf Tour waren. Ich war sogar sauer, wenn ich mal nicht mit durfte. Deshalb stand auch nie zur Debatte, dass ich etwas anderes als Musik machen könnte. Es ist die Form, die Sprache, in der ich mich am liebsten ausdrücke, die mir am meisten gibt. Sie ist für mich magisch und berührend.

Was macht für dich gute Musik aus?

Gute Musik löst Emotionen im Hörer aus, sie erreicht ihn. Dabei ist es mir ganz egal, ob die Musik perfekt, also nach unseren heutigen Standards sauber und so ist. Wenn der Künstler mit Herzblut Musik macht, mit Leidenschaft, macht das auch etwas mit den Zuhörern.

Was möchtest du mit deinen Songs sagen?

Meine Songs sind Geschichten aus meinem Leben, die mir genauso passiert sind. Sie sind ehrlich und direkt. Ich möchte, dass meine Zuhörer sie hören, sie wiedererkennen, wenn sie selbst ähnliches erlebt haben, durch mich vielleicht eine andere Perspektive einnehmen können. Ich nehme kein Blatt vor den Mund. Ich möchte sie ermutigen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, in ihnen etwas auslösen und damit auch den Menschen ein wenig helfen.

Das Cover deiner neuen EP “Live in the living room” zeigt Bäume, die bunte Gesichter haben. Das ist auch eine solche persönliche Geschichte, oder?

Genau. Ich komme ja aus einem ganz kleinen Dorf, also 300 Einwohner und 800 Kühe. Da muss alles sehr geordnet sein. Wir hatten im Garten Bäume, die, weil sie einen Nachbarn störten, gefällt oder gekürzt werden sollten. Auf jeden Fall habe ich das als Kind nicht verstehen können, das waren meine Kletterbäume, und nur, damit der Nachbar ein wenig mehr Sonne auf dem Balkon hat, sollten die weg. Ich habe also versucht mit ihm zu reden, mit meinen Eltern zu reden. Aber wir hören Kindern viel zu wenig zu. Also musste ich mir etwas überlegen, wie ich begreiflich machen kann, dass diese Bäume Lebewesen sind. Ich dachte mir, wenn man den Bäumen das direkt ansehen würde, könnten sie sie nicht fällen, und habe mir Farbe aus der Garage geholt und jedem Baum ein Gesicht aufgemalt.

Und das hat funktioniert?

Ja, meine Mutter war so angetan, dass sie sich mit dem Nachbarn richtig gestritten hat. Sie verstehen sich bis heute nicht, aber die Bäume stehen noch – bis heute. Man sieht sogar die Gesichter noch ein wenig.

Worauf dürfen sich die Gäste deiner “Glow”-Tour freuen?

Diese Tour wird etwas Besonders, weil wir etwas ganz Neues ausprobieren. Ich bin schon sehr aufgeregt. Normalerweise ist es im Musikbusiness ja so, dass man Songs schreibt, dann werden ein paar ausgewählt für ein Album, das produziert werden muss – das ist also ein wirklich langer Prozess. Und in der Zeit, bevor das Album kommt, darfst du die neuen Songs noch nicht spielen. Es kann also locker zwei, drei Jahre dauern, bis ein Song endlich auf der Bühne gespielt wird – dann ist der Grund, warum ich ihn mal geschrieben habe, aber meist nicht mehr aktuell. Das haben wir geändert. Wir bringen dieses Jahr einfach kein Album heraus, sondern wenn ein Song fertig ist, wird er direkt veröffentlicht und live gespielt. Es kann also sein, dass man auf der Tour ein Lied hört, dass ich erst zwei Wochen vorher geschrieben habe. Ich denke, so ist das Publikum noch näher an mir und meinem Leben dran. Ich freue mich auf jeden Fall sehr drauf.

Mehr von Vivie Ann? Gibt es am 24. Februar im Backstage in Fulda.

Los geht es um 21 Uhr (Einlass 20 Uhr)

Tickets: VVK: 11 Euro im Onlineshop und 12 Euro an der Abendkasse (Studis: 10 Euro)

Und bei uns gibt es Tickets zu gewinnen! Zum Gewinnspiel geht es hier.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFoto: Marcell Brell
Die Autoren:

Mariana Friedrich

Beiträge: 456

Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.